Martensteins Tag 8 Acht Tage mit ... schwachen Männern

Harald Martenstein fühlt sich unter Tonnen von Altfrauenfantasien begraben.

Wenn ich die abgenutze, verbrauchte, pseudooriginelle Klischeeformulierung "starke Frauen" lese, weiß ich sofort, dass sich da jemand beim Schreiben die zugegeben oft lästige Mühe des Nachdenkens nicht gemacht hat. Ordnungshüter geben grünes Licht für starke Frauen in der Metropole Berlin, so heißt die Mutter aller Schlagzeilen. Menno, fast alle Frauen sind doch stark heutzutage, vor allem in Berlinalefilmen. Und alle haben blutjunge, bildschöne Liebhaber. Als bei der letzten Berlinale Ben Kingsley (65) und Penelope Cruz (34) in "Elegy" ein Liebespaar darstellten, hieß es in den Kritiken sofort: "Altmännerfantasie". In diesem Jahr habe ich folglich das Gefühl, unter Tonnen von Altfrauenfantasien begraben zu werden, aber ist okay, kein Problem, macht hinne, habt Spaß, ihr lieben alten Mädels. Was mir mehr zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass in fast jedem Film, in dem ich sitze, fast alle Männer ab 15 Jahren schwach, dumm, stumm oder sogar Arschlöcher sind (wegen dieses Wortes gibt es wieder Leserbriefe, aber es ist nun mal das populärste deutsche Schimpfwort, so help me god). In "Alle Anderen" hat man nach 10 Minuten kapiert, dass er ein passiv-aggressiver Schwächling ist, in "Sturm" ist der Liebhaber ein Verräter, in "Ricky" verkauft er das Baby an die Medien, und erst in "My One and Only", ach, ich könnte ewig so weitermachen. Frauen sind stark, Männer sind zu Filmbeginn A. und bleiben es dann auch zuverlässig bis zum Abspann. Ich bin ein Mann, versteht ihr, mich befriedigt diese Weltsicht nicht. Ich möchte auch mal gerne ein Identifikationsobjekt, er muss ja nicht stark sein, ich will endlich mal wieder einen sympathischen, klugen, unkorrupten Typen im Kino sehen, einen, der vielleicht auch ein bisschen gesprächig ist. Ja? Bitte!

Tom Tykwer hat dem "Playboy" ein Interview gegeben. Er sagt, er finde James Bond "zum Kotzen". Der sei viel zu gewalttätig und ein Macho. Klar. Auch diese Rolle wird demnächst von einer starken Frau übernommen.


 
Leser-Kommentare
  1. zur zeit scheint es mode zu sein, sich gegenseitig die augen auszupicken, das ist nicht nur in richtung weiblein-männlein, sondern auch umgekehrt so.

    vielleicht setzt sich irgendwann ja mal die erkenntnis durch, daß gleichberechtigung ein RECHT und kein kampf ist, und daß wir einer spezies angehören und deshalb zweckmäßigerweise miteinander auskommen müssen und daß das auch funktioniert, wenn alle mit den selben rechten und freiheiten ausgestattet sind.

    doch dorthin zukommen ist schwierig, solange aus soziologischer richtung immer wieder (teilweise völlig gegensätzliche) studien dazu genutzt werden, um die menschen mit unterschieden und klischees gegeneinander aufzuhetzen.

    diese filme sind ein modeerscheinung im zuge dieser entwicklung und werden auch bald wieder platz machen für ein ausgewogenere gesellschaftsbild.

    • TDU
    • 15.02.2009 um 18:38 Uhr

    Gut dass es Martenstein gibt. Er bringt manche Auswüchse immer unterhaltsam auf den Punkt. Und vor lauter Political Correchtness (auch nicht Korrektes wird durchaus goutiert im Kleinen Schwarzen: ach, wie herrlich unkorrect) und Hollywood und Poltik kann bald das Feuilleton aus Sprachmodulen erstellt werden.

    Lassen wir den Frauen die Überlegenheit, die jahrelange Rolle des Liebchens war ja auch nicht die erste Wahl, wenn auch oft unterhaltsamer und oft differenzierter.

    Im Zuge der sich verschärfenden Verteilungskämpfe wird Mann wie üblich eh wieder zum Zuge kommen, und Frauen außerhalb der Quote und ohne Nähe zu Macht werden dann das Leiden wie üblich mit ihm teilen. Mal sehen, ob man es dann geschafft hat, Kino und Realität zu verschmelzen.

    Aber dennoch, nicht zuviel Schwarzmalerei verbunden mit der Hoffnung, dass die Martensteins nicht aussterben.

  2. 3. hm...

    ...*grübel..:
    Gibt's auch eine Kolumne über den Karneval ..scherz ! Über die MEENZER FASSENACHT..?
    Oder ist da Perlen tauchen (vielleicht schreibt man das auch zusammen..?) angesagt?
    However. Looking forward to ..

    Du kannst nicht zwei Pferde mit einem Hintern reiten.

    Woody Allen

  3. 4. ja!

    Wie gut, dass es Martenstein gibt. Allerdings.

    Also ich meinte natürlich allegorisch-metaophorisch-schlag-mich-tot undsowusf!!
    Nach den Perlen tauchen; im Sinne von tauchen nach des Fassenachts Perlen im Mainzer Vollrausch oder so..
    ähm.. wind aus dem Näpfchen.. [sorry].. ach, dass kommt davon. Merke: nie zu lange Baden..

    Du kannst nicht zwei Pferde mit einem Hintern reiten.

    Woody Allen

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    als seien Sie ein ganz apartes Kerlchen. Aber zeitgleich fühle ich mich dabei so, als würde man mich gerade fürchterlich über den Tisch ziehen. Wie kommt das denn, frage ich nun Sie?

    als seien Sie ein ganz apartes Kerlchen. Aber zeitgleich fühle ich mich dabei so, als würde man mich gerade fürchterlich über den Tisch ziehen. Wie kommt das denn, frage ich nun Sie?

  4. als seien Sie ein ganz apartes Kerlchen. Aber zeitgleich fühle ich mich dabei so, als würde man mich gerade fürchterlich über den Tisch ziehen. Wie kommt das denn, frage ich nun Sie?

    Antwort auf "ja!"
    • Vadis
    • 17.02.2009 um 21:32 Uhr

    tACHeles geredet – ACHt tACHe mit schwACHen mACHos.

    herr mACHtenstein, Sie dürften kaum mitte 30 sein, um sich unter tonnen von altfrauenFANtasien begraben zu fühlen – ACH so.

  5. ähm. 1. bin weiblich [ist halt so... ;-)]
    2.alles weitere am sonntag.
    falls es der RPlan[und der DPlan] zulässt.
    3. lieber nicht. Don't mix work und private.. außerdem wäre das irgendwie peinloch. am besten verkleide ich mich he he.. aber ist ja gar nicht nötig. helau
    4. keine Angst, ich ziehe niemanden übern Tisch. das entspricht nicht meinem sagt man naturelle, ja glaube wohl.
    5. 1-5 entsprechen der wahrheit.
    no joking

    VIELLEICHT WERDE ICH JA GERADE ÜBER DEN TISCH GEZOGEN.. ?! hoffe, nicht. Herr viscount ist nämlich grundsolide oder so

    Du kannst nicht zwei Pferde mit einem Hintern reiten.

    Woody Allen

  6. 8. ach so

    details über meine BIOS, meine KARRIERE, meine Vorlieben [jeglicher Art] finden Sie HIER ,
    werter Herr Viscount

    .. ach so und wenn Sie mich kaufen wollen [ich bin eher, wie sagt man, also geschlechtsneutral..]: guckst Du DA !

    Du kannst nicht zwei Pferde mit einem Hintern reiten.

    Woody Allen

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