Der Fall Morsal Zuviel der Ehre

Die 16-jährige Morsal wurde mit 23 Messerstichen von ihrem Bruder Ahmad getötet. Der Prozess ist zu Ende. "Ehrenmord" - so lautete das Urteil in der Öffentlichkeit schon zuvor. Ein Kommentar

Der Angeklagte Ahmad-Sobair O. im Landgericht in Hamburg auf der Anklagebank mit seinen Anwälten

Der Angeklagte Ahmad-Sobair O. im Landgericht in Hamburg auf der Anklagebank mit seinen Anwälten

Das Hamburger Landgericht verurteilte Ahmad O. zu lebenslanger Haft. Die Richter sprachen ihn wegen heimtückischen Mordes aus niederen Beweggründen für schuldig. Das Urteil in der öffentlichen Diskussion stand indes schon lange fest: Es handelt sich um einen "Ehrenmord“.

Es gibt Begriffe, die setzen sich fest, sie faszinieren, weil sie Bilder evozieren. Es sind Wörter, die eine komplette Geschichte in unseren Köpfen entstehen lassen. Der Ehrenmord ist ein solches Wort.

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Es erzählt von einer vermeintlich archaischen Welt, die nach anderen Rhythmen und Regeln als unsere hoch individualisierte Gesellschaft funktioniert. Darin kristallisieren sich ganze Diskurse, ähnlich wie in der Wendung vom "Clash of Civilization“. Deshalb setzt sich der Ehrenmord in der öffentlichen Diskussion fest, obwohl das Wort mehr verschleiert als erklärt.

Gerade der Fall Ahmad Sobair O. zeigt, wie ungenügend solche Erklärungsmuster sind. Die Vorgeschichte der Tat erzählt von einer Familie, in der es immer wieder zu verbaler und körperlicher Gewalt kommt. Sie erzählt von einer Familie, die mit den Problemen ihrer heranwachsenden Kinder überfordert ist.

Der Sohn Ahmad fällt früh durch sein aggressives Verhalten auf, gilt als jugendlicher Intensivtäter. Die Tochter Morsal testet die Grenzen und die nervliche Belastbarkeit der Familie. Es gibt Streit um Schminke, Kleidung, falsche Freunde, Ausgehzeiten. Ist das nur ein Thema in Familien mit Migrationshintergrund? Morsal wird in einer Jugendhilfeeinrichtung untergebracht - mit Zustimmung der Eltern. Klingt das nach archaischen Riten?

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