Nachwuchswissenschaftler Die Angst lehrt mit
Im akademischen Mittelbau herrschen schlechte Arbeitsbedingungen und Unsicherheit. Doch Protest regt sich unter den Betroffenen kaum

© photocase
Vielen jungen Wissenschaftlern fehlt an den Unis eine Perspektive
Während viele Beschäftigte der Länder mit Warnstreiks für höhere Gehälter eintreten, bleibt eine Stimme leise: Die der bundesweit rund 120.000 wissenschaftlichen Mitarbeiter von Hochschulen. Dabei hätten sie allen Grund aufzustehen und sich zu beschweren, sagte der Soziologe Matthias Neis, der die Situation von Nachwuchsforschern untersucht. "Bis zum Erreichen einer Professur ist das Leben eines Wissenschaftlers in Deutschland geprägt von viel Arbeit, schlechter Bezahlung und ständiger Unsicherheit."
Mehr als 75 Prozent der Nachwuchswissenschaftler sind befristet beschäftigt, meistens für ein bis zwei Jahre. Seit Jahren steigt ihre Zahl rasant, die der Stellen aber nur sehr langsam. Besonders betroffen sind die Geistes- und Sozialwissenschaften. "Die Wissenschaftler werden hier meistens für eine halbe Stelle bezahlt und arbeiten de facto 40 bis 60 Stunden in der Woche", sagt Neis.
Doch die schlechte Bezahlung ist für die hochmotivierten Forscher gar nicht das Problem. Als belastend wird die Unsicherheit empfunden, zeigen Studien über den wissenschaftlichen Nachwuchs, der erst mit der Berufung zum Professor kein Nachwuchs mehr ist. Wissenschaftler in Deutschland sein heißt demnach: Bis Mitte 40 ist unklar, ob man eine der begehrten Professorenstellen ergattern und damit langfristig in der Wissenschaft bleiben kann. Bei der momentanen Anzahl an Lehrstühlen bietet sich die Perspektive nur jedem dritten Forscher.
"Ich habe mir abgewöhnt, langfristig zu denken", sagt eine Betroffene an einer großen deutschen Hochschule, die ihren Namen nicht nennen möchte. Seit ihrem Abschluss vor mehr als zehn Jahren hangelt sich die 40-Jährige von einer befristeten Stelle zur nächsten. Die aktuelle Stelle der promovierten Sozialwissenschaftlerin läuft im Juli aus. Ihr Mann ist ebenfalls Wissenschaftler. Was passiert, wenn langfristig beide keine Professur bekommen? "Wir werden sehen."
Möglichst gut lehren, möglichst exzellent forschen, möglichst international veröffentlichen, Organisations- und Verwaltungsaufgaben übernehmen und - quasi nebenher - promovieren oder habilitieren, so sieht der Alltag vieler junger Wissenschaftler aus. "Viele der Zusatzaufgaben, die mit der Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master sowie mit der Exzellenzinitiative auf die Universitäten zugekommen sind, wurden auf den akademischen Mittelbau abgewälzt", erklärt Neis. Der Druck werde permanent erhöht, die Aufgaben ständig ausgeweitet: "Die Mitarbeiter im Mittelbau werden strategisch ausgenutzt. Anders würde bei der momentanen finanziellen Ausstattung das gesamte System zusammenbrechen."
Dennoch beschwert sich kaum einer, denn die Motivation des wissenschaftlichen Nachwuchses ist hoch und die Konkurrenz groß. Der Wille und die Zeit zum Protest fehlen, sagen viele. Und klar ist auch: Mit der aktuellen Tarifrunde und mehr Gehalt kann das Grundproblem zuweniger Stellen nicht gelöst werden.
Soziologe Neis sieht dringend Handlungsbedarf: "Lehre und Forschung haben sich schon verschlechtert und werden noch drastisch schlechter werden, wenn der Druck so hoch bleibt." Für die direkt Betroffenen, die Studenten, scheint sich das Problem dagegen noch nicht zu stellen wie sich gerade in Jena zeigte. Während Nachwuchswissenschaftler versuchten, bei einer Protestveranstaltung etwa zehn Minuten lang die Mensa zu blockieren, verschafften sich hungrige Studenten mit Fäusten Zutritt.
(Oliver Hollenstein, dpa)
- Datum 12.02.2009 - 16:59 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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Der Artikel verfehlt die Darstellung der Problematik des Mittelbaus an deutschen Universitäten.
Selbst der Autor scheint das eigentliche Problem nicht zu kennen oder es als belanglos einzustufen. Nicht die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung sind für uns „Mittelbauler“ in Deutschland die eigentliche Schwierigkeit, sondern das Wissenschaftszeitgesetz. Wir sind gerne bereit, unter den momentanen Bedingungen unsere Arbeit zu leisten und bis zur Rente auch in befristeten Arbeitsverhältnissen unser Dasein zu fristen. Nur ist dies wegen des deutschen Wissenschaftszeitgesetzes nicht uneingeschränkt möglich. Nach zwölf Jahren (inklusive Promotionszeit) in befristeter Anstellung darf keine deutsche Universität oder staatliche Forschungseinrichtung uns in befristetem Arbeitsverhältnis weiter beschäftigen, auch wenn sie es möchte. Sind diese zwölf Jahre abgearbeitet, stehen wir, mittlerweile Mitte 40 Jahre alt, aufgrund des Mangels unbefristeter Stellen an deutschen Unis auf der Straße der Arbeits- und Perspektivlosigkeit.
Begründet wird dieses unsinnige und auf der Welt einmalige Gesetz damit, dass Stellen des Mittelbaus hauptsächlich zur „Weiterqualifizierung“ dienen sollen. Wie im Artikel schon angedeutet, sind sie dies defakto nicht; es sind Positionen, die den universitären Betrieb maßgeblich aufrechterhalten und ohne deren Lehr- und Forschungsaufgaben eine deutsche Universität nicht überleben kann. Wir sind hauptberuflich „Mittelbauler“; nach zwölf Jahren aber gezwungen, unseren Beruf zu wechseln.
Dann ist doch das Problem nicht das Wissenschaftszeitgesetz, sondern die fehlenden Möglichkeiten des Übergangs, von der Hochschule in die (staatlichen/nichtstaatlichen) Organisationen/Wirtschaft/Industrie, oder nicht? Es kommen ja neue Motivierte nach, die sich ebenfalls "weiterqualifizieren", um dann das Gelernte und Erarbeitete hinaus aus dem Elfenbeinturm zu tragen. Oder verstehe ich da was falsch? Auch, wenn die Mittelbau-Positionen den Lehr- und Forschungsbetrieb aufrechterhalten, so fällt ja dieser nicht zusammen, sobald neue Jungforscher nachrücken und die festgeschriebenen Positionen neu besetzen.
Ein weiteres Problem könnte sein, dass es vielleicht zuviele Geistes- und Sozialwissenschaftler gibt, im Verhältnis gesehen....?
Dann ist doch das Problem nicht das Wissenschaftszeitgesetz, sondern die fehlenden Möglichkeiten des Übergangs, von der Hochschule in die (staatlichen/nichtstaatlichen) Organisationen/Wirtschaft/Industrie, oder nicht? Es kommen ja neue Motivierte nach, die sich ebenfalls "weiterqualifizieren", um dann das Gelernte und Erarbeitete hinaus aus dem Elfenbeinturm zu tragen. Oder verstehe ich da was falsch? Auch, wenn die Mittelbau-Positionen den Lehr- und Forschungsbetrieb aufrechterhalten, so fällt ja dieser nicht zusammen, sobald neue Jungforscher nachrücken und die festgeschriebenen Positionen neu besetzen.
Ein weiteres Problem könnte sein, dass es vielleicht zuviele Geistes- und Sozialwissenschaftler gibt, im Verhältnis gesehen....?
Es regt sich keiner aus dem Mittelbau auf, weil es auch keine Lobby für den Mittelbau gibt. Wer sich von einem befristeten Vertrag in den nächsten rettet, der findet meist nicht genügend Zeit, um sich zu organisieren und zu protestieren.
Meine Lösung ist einfach. Weg aus Deutschland und erst wieder kommen, wenn man ein Professur ergattert oder einen guten Job in der Industrie findet. Vorher lohnt es sich nach Deutschland zurückzukehren, da es im Ausland meist bessere Bedingungen gibt.
Ich finde den Artikel gut. Er stellt die Problematik gut dar. Es stimmt, dass das Problem des Wissenschaftszeitgesetzes besteht. In der Abschaffung des Gesetzes liegt meiner Meinung nach jedoch nicht die Loesung. Ich befinde mich z.Z. in Frankreich und hier ist die Bezahlung fuer Anfaenger zwar nicht besser (etwas schlechter), jedoch gibt es viel mehr unbefristete Stellen im Mittelbau. Ergo gibt es mehr Sicherheit und auch Partizipation.
Ziel sollte es sein, die Erpressbarkeit und Abhaengigkeit des Mittelbaus zu reduzieren (und die Lebensqualitaet erhoehen). Dies wird nicht gelingen, wenn ein Grossteil des Mittelbaus auf befristeten Vertraegen sitzt. Eine Loesung koennte eventuell in der Verkuerzung des Zeitgesetzes (z.B. auf drei Jahre) und einer gleichzeitigen Ausweitung der unbefristeten Mittelbaustellen liegen. Dies wuerde verhindern, dass Wissenschaftler ausgenutzt wuerden, da sie dann mit Anfang Dreissig entweder eine unbefristete Stelle ergattern oder eben in die Industrie abwandern wuerden. Eine Vergroesserung der Anzahl an unbefristeten Mittelbaustellen waere dafuer allerdings unerlaesslich. Leider sind dafuer natuerlich keine Mittel vorhanden (lieber Banken und deren Kundschaft bedienen...) Den akademischen Mittelbau erpressbar und gleichzeitig hoechst produktiv zu halten ist bestimmt politisch gewollt. Aus diesem Umfeld wuerde naemlich auch am ehesten Kritik an der Politik und den herrschenden Eliten kommen.
Was in diesem Artikel fehlt, ist, wie viele Mittelbauer ausgebrannt und/oder alkoholkrank in Kliniken und dann im beruflichen Aus landen.
Was fehlt ist, wie viele Mittelbauer schließlich in Seminaren des Arbeitsamtes zum Thema "Bewerbungstraining für Akademiker" landen.
Was fehlt ist, wie viele Mittelbauer mit immer wiederkehrenden "Aussichten", Projektanträgen, Vertretungen und Lehraufträgen von den Profs bei der Stange gehalten werden, bis es für sie zu spät ist, etwas anderes zu machen.
Was fehlt ist, wie viele Mittelbauer ihrem Ziel der Festeinstellung jede andere Lebensplanung (einschließlich Paarbeziehung und Familiengründung) untergeordnet haben.
Was fehlt ist aber auch eine Begründung, was eigentlich mit Menschen los ist, die sich voller Illusionen derart blind auf solche leeren Versprechungen verlassen, und das im besten Alter, in dem man eigentlich Verstand und Lebenserfahrung voraussetzen müsste.
Was fehlt ist aber auch eine Begründung, was eigentlich mit Menschen los ist, die sich voller Illusionen derart blind auf solche leeren Versprechungen verlassen, und das im besten Alter, in dem man eigentlich Verstand und Lebenserfahrung voraussetzen müsste.
Das frage ich mich auch haeufig. Im Artikel steht das nur jeder Dritte eine Professur erhaehlt allerdings beruht diese Zahl auf der Anzahl der Habilitationen pro Professor. Ein Grossteil der promovierten Wissenschaftler gibt entweder vorher auf (->Industrie), habilitiert nicht (Naturwissenschaften) oder wandert aus (90% meiner Kollegen). Wenn ein Professor im Laufe seines Berufslebens 20-50 promovierte "Nachwuchswissenschaftler" erzeugt, ist die Wahrscheinlichkeit eine Professur zu erhalten <5% (selbst wenn die meisten an einer akademischen Karriere kein Interesse haetten). Die Wahrscheinlichkeit wird durch die Exzellenzinitiative auch nicht hoeher da massiv neue Graduiertenkollegs geschaffen werden. Mit Erschrecken habe ich letztens eine Anzeige fuer 60 (in Worten: sechzig) offene Promotionsstellen in einem Gebiet an einer Uni (Start: Ende dieses Jahres) gesehen: was sollen die ganzen Absolventen nachher machen wenn weder neue PostDoc noch Professorenstellen geschaffen werden???
In den bisherigen Posts ist die generelle Problematik des Mittelbaus gut umschrieben.
Aber auch ich bin der Ansicht, dass jeder von vorn herein genau weiß, auf was er sich dabei einläßt. Nach meiner Erfahrung tun sich Viele -schon gedanklich- schwer, sich von der Uni, dem universitären Umfeld, den schönen Unistädten usw. zu lösen und sich auf etwas Neues einzulassen, zumindest temporär.
Aber je früher man sich nach anderen beruflichen Perspektiven und Alternativen umsieht, umso besser, bzw eigentlich dringend notwendig.
Ich selbst hatte auch Zeitverträge in einer öffentlichen Forschungseinrichtung (allerdings nicht Uni) und ich meine, da ist man gegenüber festangestellten oder verbeamteten Mitarbeitern (bei gleicher Tätigkeit!) oft fast schon Mitarbeiter zweiter Klasse.
Daher mein Rat: unbedingt raus und zwar schnellstmöglich!, wenn man nicht gerade unbedingt Prof. werden will und sich dabei recht gute Chancen ausrechnet (natürlich auch auf gute unbefristete andere Stellen)
Und egal was man über Privatwirtschaft/Industrie sagen kann- Dort lohnen sich Leistung/Können/Engagement in der Regel wenigsten und man ist letztlich weniger abhängiger und fühlt sich weniger ausgenützt.
Was fehlt ist aber auch eine Begründung, was eigentlich mit Menschen los ist, die sich voller Illusionen derart blind auf solche leeren Versprechungen verlassen, und das im besten Alter, in dem man eigentlich Verstand und Lebenserfahrung voraussetzen müsste.
Das frage ich mich auch haeufig. Im Artikel steht das nur jeder Dritte eine Professur erhaehlt allerdings beruht diese Zahl auf der Anzahl der Habilitationen pro Professor. Ein Grossteil der promovierten Wissenschaftler gibt entweder vorher auf (->Industrie), habilitiert nicht (Naturwissenschaften) oder wandert aus (90% meiner Kollegen). Wenn ein Professor im Laufe seines Berufslebens 20-50 promovierte "Nachwuchswissenschaftler" erzeugt, ist die Wahrscheinlichkeit eine Professur zu erhalten <5% (selbst wenn die meisten an einer akademischen Karriere kein Interesse haetten). Die Wahrscheinlichkeit wird durch die Exzellenzinitiative auch nicht hoeher da massiv neue Graduiertenkollegs geschaffen werden. Mit Erschrecken habe ich letztens eine Anzeige fuer 60 (in Worten: sechzig) offene Promotionsstellen in einem Gebiet an einer Uni (Start: Ende dieses Jahres) gesehen: was sollen die ganzen Absolventen nachher machen wenn weder neue PostDoc noch Professorenstellen geschaffen werden???
In den bisherigen Posts ist die generelle Problematik des Mittelbaus gut umschrieben.
Aber auch ich bin der Ansicht, dass jeder von vorn herein genau weiß, auf was er sich dabei einläßt. Nach meiner Erfahrung tun sich Viele -schon gedanklich- schwer, sich von der Uni, dem universitären Umfeld, den schönen Unistädten usw. zu lösen und sich auf etwas Neues einzulassen, zumindest temporär.
Aber je früher man sich nach anderen beruflichen Perspektiven und Alternativen umsieht, umso besser, bzw eigentlich dringend notwendig.
Ich selbst hatte auch Zeitverträge in einer öffentlichen Forschungseinrichtung (allerdings nicht Uni) und ich meine, da ist man gegenüber festangestellten oder verbeamteten Mitarbeitern (bei gleicher Tätigkeit!) oft fast schon Mitarbeiter zweiter Klasse.
Daher mein Rat: unbedingt raus und zwar schnellstmöglich!, wenn man nicht gerade unbedingt Prof. werden will und sich dabei recht gute Chancen ausrechnet (natürlich auch auf gute unbefristete andere Stellen)
Und egal was man über Privatwirtschaft/Industrie sagen kann- Dort lohnen sich Leistung/Können/Engagement in der Regel wenigsten und man ist letztlich weniger abhängiger und fühlt sich weniger ausgenützt.
Bei den derzeitigen Bedingungen im wissenschaftlichen Mittelbau kann man begabten Uniabsolventen nur abraten eine wissenschaftliche Karriere einzuschlagen. Die Gesellschaft erwartet "Exzellenz", bezahlt ihre hochqualifizierten Wissenschaftler und Dozenten aber wie angelernte Hilfsarbeiter. Am Ende haben die Lehrbereichsekretärinnen mehr auf dem Gehaltszettel stehen als die wissenschaftlichen Mitarbeiter, die auf halben Stellen voll arbeiten. Das Leistungsprinzip wird ad absurdum geführt. Vor Leuten, die darüber nicht ihre Motivation verlieren, kann ich nur den Hut ziehen.
Was fehlt ist aber auch eine Begründung, was eigentlich mit Menschen los ist, die sich voller Illusionen derart blind auf solche leeren Versprechungen verlassen, und das im besten Alter, in dem man eigentlich Verstand und Lebenserfahrung voraussetzen müsste.
Das frage ich mich auch haeufig. Im Artikel steht das nur jeder Dritte eine Professur erhaehlt allerdings beruht diese Zahl auf der Anzahl der Habilitationen pro Professor. Ein Grossteil der promovierten Wissenschaftler gibt entweder vorher auf (->Industrie), habilitiert nicht (Naturwissenschaften) oder wandert aus (90% meiner Kollegen). Wenn ein Professor im Laufe seines Berufslebens 20-50 promovierte "Nachwuchswissenschaftler" erzeugt, ist die Wahrscheinlichkeit eine Professur zu erhalten <5% (selbst wenn die meisten an einer akademischen Karriere kein Interesse haetten). Die Wahrscheinlichkeit wird durch die Exzellenzinitiative auch nicht hoeher da massiv neue Graduiertenkollegs geschaffen werden. Mit Erschrecken habe ich letztens eine Anzeige fuer 60 (in Worten: sechzig) offene Promotionsstellen in einem Gebiet an einer Uni (Start: Ende dieses Jahres) gesehen: was sollen die ganzen Absolventen nachher machen wenn weder neue PostDoc noch Professorenstellen geschaffen werden???
Was wollen Sie genau sagen?
Also, angenommen auf einen Professor kommen im Laufe seiner Beruhfslaufbahn 20-50 Doktoranden. Naja, koennte hinkommen.
Aber was meinen Sie mit "die Wahrscheinlichekeit, eine Professur zu erhalten sei <5%"? Die Wahrscheinlichkeit fuer die Doktoranden, eine Stelle zu erhalten?
Ich hab grad nen Ueberblick ueber ca. 10 Ex-Doktoranden meines Professors, davon haben es 2 geschafft, einer probiert's noch und 2 sind grad erst fertig geworden. Diejenigen die es geschafft haben sind uebrigens sogar wieder in D (nach Gastauftritten in Paris bzw. Oxford). Wo kriegen Sie ihre Zahlen also her?
Wenn fuer 20 Doktoranden die Wahrscheinichkeit kleiner 5% ist, kaeme auf 400 Doktoranden ein Professor - das scheint etwas seltsam.
Wenn man animmt, dass die "Professorenpopulation" stabil ist, muss jeder Professor im Schnitt einen weiteren "zeugen". Also aus seinen 20-50 Doktoranden muss einer Professor werden. Nach ihrer Rechnung, wuerden 8-20 Professoren einen neuen hervorbringen - na, ganz so schnell geht der Stellenabbau auch nicht vor sich!
Und koennte man das auch gleich faecherspezifisch aufgeschluesselt bekommen? Ich hab da so einen Verdacht...
Zu ihrer Frage was die 60 Absolventen machen sollen: Nun, in die Indstrie gehen, was sonst? Die nimmt (zumindest uns Naturwissenschaftler) recht gerne. Weil die Promotion als Zeichen angesehen wird, dass wir eigenstaendig und selbstmotiviert arbeiten koennen.
Was allerdings den akademischen Mittelbau angeht (Post-Docs & Co), so gibt's den doch schon lange nicht mehr. Es gibt bei uns noch ein paar weise alte Maenner, die noch unbefristete Stellen haben, aber die sind in 10 Jahren vollends weg. Im Zeitraum 30-55 ist Sense, von (befristeten) Gruppenleitern/Juniorprofessoren/Professoren mal abgesehen. Dass das nicht gut ist, da in vielerlei Hinsicht die Kontinuitaet fast komplett fehlt, ist klar. Sobald ein Doktorand verstanden hat wie die Dinge funktionieren, muss er fast schon abgeben. Und jemand Erfahrenes, der weiss wie die Dinge funktionieren und einen Ueberblick hat, gibt's nicht. Die Professoren haben zwar den theoretischen Ueberblick, aber wenn's dann an die laestigen Details/Realisierungen geht hoert's meist auf - ist ja auch klar, dafuer sind Sie nicht da. Dummerweise ist aber niemand mehr dafuer da...
Das Problem ist natuerlich alt bekannt (Max Weber: "Wissenschaft als Beruf"), verschaerft sich aber in letzter Zeit. Selbst wenn man es schafft, ist die Bezahlung den Aufwand nicht mehr wert. Ich hab mal von einem Professor (glaub Harvard) einen sehr schoenen Aufsatz drueber gelesen... Ah, hier ist er:
http://philip.greenspun.c...
Ich hab fuer mich persoenlich schon seit laengerem den Entschluss gefasst dass die Wissenschaft es nicht mehr wert ist. Rein monetaer. Ich mag Puzzles, ich wuerde gern weiter in den Eingeweiden der Nanowelt buddeln, aber ich will auch eine Familie und Kinder, und ihnen ein einigermassen anstaendiges Leben bieten - ein Haus, Nahrungsmittel nicht nur von Aldi, ein paar Urlaube, den Kindern ein Studium wenn Sie wollen. Mit einer wissenschaftlichen Karriere ist dies rein finanziell ohne enorme Risiken nicht moeglich bevor man Professor wird, und bis man Prof. wird ist das halbe Leben schon vorbei.
Vielleicht schaffe ich es mit 50 oder so ein ausreichendes finanzielles Polster zu haben und geh dann wieder zurueck. Aber bis dahin? Ich bin zwar idealistisch, aber nicht bloed.
Dummerweise ist da nicht grad motivierend, die Doktorarbeit jetzt vollends durchzuziehen, aber naja...
Lieber Ausgewandert:
Wenn man doch ein "Herr Doktor" ist, muss man bei uns auch eine standesgemäße Beschäftigung haben, selbst wenn sie so gut wie nichts einbringt. Was sollen denn die Leute denken?
Nicht so in Amerika: Ein mir bekannter Assistenzprofessor wurde mangels Publikationen gefeuert und trat schon am folgenden Tag einen Job als Schweißer an, womit sich sein Einkommen verdoppelte. Seine amerikanischen Bekannten fanden das völlig richtig, aber seine deutschen Freunde waren entsetzt.
... ist doch erstmal toll! :-) Und warum sieht es nach der Promotion so schwarz aus, das verstehe ich nicht - man kann doch viel machen, wieviele wollen denn unbedingt an der Universität bleiben?
Was wollen Sie genau sagen?
Also, angenommen auf einen Professor kommen im Laufe seiner Beruhfslaufbahn 20-50 Doktoranden. Naja, koennte hinkommen.
Aber was meinen Sie mit "die Wahrscheinlichekeit, eine Professur zu erhalten sei <5%"? Die Wahrscheinlichkeit fuer die Doktoranden, eine Stelle zu erhalten?
Ich hab grad nen Ueberblick ueber ca. 10 Ex-Doktoranden meines Professors, davon haben es 2 geschafft, einer probiert's noch und 2 sind grad erst fertig geworden. Diejenigen die es geschafft haben sind uebrigens sogar wieder in D (nach Gastauftritten in Paris bzw. Oxford). Wo kriegen Sie ihre Zahlen also her?
Wenn fuer 20 Doktoranden die Wahrscheinichkeit kleiner 5% ist, kaeme auf 400 Doktoranden ein Professor - das scheint etwas seltsam.
Wenn man animmt, dass die "Professorenpopulation" stabil ist, muss jeder Professor im Schnitt einen weiteren "zeugen". Also aus seinen 20-50 Doktoranden muss einer Professor werden. Nach ihrer Rechnung, wuerden 8-20 Professoren einen neuen hervorbringen - na, ganz so schnell geht der Stellenabbau auch nicht vor sich!
Und koennte man das auch gleich faecherspezifisch aufgeschluesselt bekommen? Ich hab da so einen Verdacht...
Zu ihrer Frage was die 60 Absolventen machen sollen: Nun, in die Indstrie gehen, was sonst? Die nimmt (zumindest uns Naturwissenschaftler) recht gerne. Weil die Promotion als Zeichen angesehen wird, dass wir eigenstaendig und selbstmotiviert arbeiten koennen.
Was allerdings den akademischen Mittelbau angeht (Post-Docs & Co), so gibt's den doch schon lange nicht mehr. Es gibt bei uns noch ein paar weise alte Maenner, die noch unbefristete Stellen haben, aber die sind in 10 Jahren vollends weg. Im Zeitraum 30-55 ist Sense, von (befristeten) Gruppenleitern/Juniorprofessoren/Professoren mal abgesehen. Dass das nicht gut ist, da in vielerlei Hinsicht die Kontinuitaet fast komplett fehlt, ist klar. Sobald ein Doktorand verstanden hat wie die Dinge funktionieren, muss er fast schon abgeben. Und jemand Erfahrenes, der weiss wie die Dinge funktionieren und einen Ueberblick hat, gibt's nicht. Die Professoren haben zwar den theoretischen Ueberblick, aber wenn's dann an die laestigen Details/Realisierungen geht hoert's meist auf - ist ja auch klar, dafuer sind Sie nicht da. Dummerweise ist aber niemand mehr dafuer da...
Das Problem ist natuerlich alt bekannt (Max Weber: "Wissenschaft als Beruf"), verschaerft sich aber in letzter Zeit. Selbst wenn man es schafft, ist die Bezahlung den Aufwand nicht mehr wert. Ich hab mal von einem Professor (glaub Harvard) einen sehr schoenen Aufsatz drueber gelesen... Ah, hier ist er:
http://philip.greenspun.c...
Ich hab fuer mich persoenlich schon seit laengerem den Entschluss gefasst dass die Wissenschaft es nicht mehr wert ist. Rein monetaer. Ich mag Puzzles, ich wuerde gern weiter in den Eingeweiden der Nanowelt buddeln, aber ich will auch eine Familie und Kinder, und ihnen ein einigermassen anstaendiges Leben bieten - ein Haus, Nahrungsmittel nicht nur von Aldi, ein paar Urlaube, den Kindern ein Studium wenn Sie wollen. Mit einer wissenschaftlichen Karriere ist dies rein finanziell ohne enorme Risiken nicht moeglich bevor man Professor wird, und bis man Prof. wird ist das halbe Leben schon vorbei.
Vielleicht schaffe ich es mit 50 oder so ein ausreichendes finanzielles Polster zu haben und geh dann wieder zurueck. Aber bis dahin? Ich bin zwar idealistisch, aber nicht bloed.
Dummerweise ist da nicht grad motivierend, die Doktorarbeit jetzt vollends durchzuziehen, aber naja...
Lieber Ausgewandert:
Wenn man doch ein "Herr Doktor" ist, muss man bei uns auch eine standesgemäße Beschäftigung haben, selbst wenn sie so gut wie nichts einbringt. Was sollen denn die Leute denken?
Nicht so in Amerika: Ein mir bekannter Assistenzprofessor wurde mangels Publikationen gefeuert und trat schon am folgenden Tag einen Job als Schweißer an, womit sich sein Einkommen verdoppelte. Seine amerikanischen Bekannten fanden das völlig richtig, aber seine deutschen Freunde waren entsetzt.
... ist doch erstmal toll! :-) Und warum sieht es nach der Promotion so schwarz aus, das verstehe ich nicht - man kann doch viel machen, wieviele wollen denn unbedingt an der Universität bleiben?
In den bisherigen Posts ist die generelle Problematik des Mittelbaus gut umschrieben.
Aber auch ich bin der Ansicht, dass jeder von vorn herein genau weiß, auf was er sich dabei einläßt. Nach meiner Erfahrung tun sich Viele -schon gedanklich- schwer, sich von der Uni, dem universitären Umfeld, den schönen Unistädten usw. zu lösen und sich auf etwas Neues einzulassen, zumindest temporär.
Aber je früher man sich nach anderen beruflichen Perspektiven und Alternativen umsieht, umso besser, bzw eigentlich dringend notwendig.
Ich selbst hatte auch Zeitverträge in einer öffentlichen Forschungseinrichtung (allerdings nicht Uni) und ich meine, da ist man gegenüber festangestellten oder verbeamteten Mitarbeitern (bei gleicher Tätigkeit!) oft fast schon Mitarbeiter zweiter Klasse.
Daher mein Rat: unbedingt raus und zwar schnellstmöglich!, wenn man nicht gerade unbedingt Prof. werden will und sich dabei recht gute Chancen ausrechnet (natürlich auch auf gute unbefristete andere Stellen)
Und egal was man über Privatwirtschaft/Industrie sagen kann- Dort lohnen sich Leistung/Können/Engagement in der Regel wenigsten und man ist letztlich weniger abhängiger und fühlt sich weniger ausgenützt.
Was wollen Sie genau sagen?
Also, angenommen auf einen Professor kommen im Laufe seiner Beruhfslaufbahn 20-50 Doktoranden. Naja, koennte hinkommen.
Aber was meinen Sie mit "die Wahrscheinlichekeit, eine Professur zu erhalten sei <5%"? Die Wahrscheinlichkeit fuer die Doktoranden, eine Stelle zu erhalten?
Ich hab grad nen Ueberblick ueber ca. 10 Ex-Doktoranden meines Professors, davon haben es 2 geschafft, einer probiert's noch und 2 sind grad erst fertig geworden. Diejenigen die es geschafft haben sind uebrigens sogar wieder in D (nach Gastauftritten in Paris bzw. Oxford). Wo kriegen Sie ihre Zahlen also her?
Wenn fuer 20 Doktoranden die Wahrscheinichkeit kleiner 5% ist, kaeme auf 400 Doktoranden ein Professor - das scheint etwas seltsam.
Wenn man animmt, dass die "Professorenpopulation" stabil ist, muss jeder Professor im Schnitt einen weiteren "zeugen". Also aus seinen 20-50 Doktoranden muss einer Professor werden. Nach ihrer Rechnung, wuerden 8-20 Professoren einen neuen hervorbringen - na, ganz so schnell geht der Stellenabbau auch nicht vor sich!
Und koennte man das auch gleich faecherspezifisch aufgeschluesselt bekommen? Ich hab da so einen Verdacht...
Zu ihrer Frage was die 60 Absolventen machen sollen: Nun, in die Indstrie gehen, was sonst? Die nimmt (zumindest uns Naturwissenschaftler) recht gerne. Weil die Promotion als Zeichen angesehen wird, dass wir eigenstaendig und selbstmotiviert arbeiten koennen.
Was allerdings den akademischen Mittelbau angeht (Post-Docs & Co), so gibt's den doch schon lange nicht mehr. Es gibt bei uns noch ein paar weise alte Maenner, die noch unbefristete Stellen haben, aber die sind in 10 Jahren vollends weg. Im Zeitraum 30-55 ist Sense, von (befristeten) Gruppenleitern/Juniorprofessoren/Professoren mal abgesehen. Dass das nicht gut ist, da in vielerlei Hinsicht die Kontinuitaet fast komplett fehlt, ist klar. Sobald ein Doktorand verstanden hat wie die Dinge funktionieren, muss er fast schon abgeben. Und jemand Erfahrenes, der weiss wie die Dinge funktionieren und einen Ueberblick hat, gibt's nicht. Die Professoren haben zwar den theoretischen Ueberblick, aber wenn's dann an die laestigen Details/Realisierungen geht hoert's meist auf - ist ja auch klar, dafuer sind Sie nicht da. Dummerweise ist aber niemand mehr dafuer da...
Das Problem ist natuerlich alt bekannt (Max Weber: "Wissenschaft als Beruf"), verschaerft sich aber in letzter Zeit. Selbst wenn man es schafft, ist die Bezahlung den Aufwand nicht mehr wert. Ich hab mal von einem Professor (glaub Harvard) einen sehr schoenen Aufsatz drueber gelesen... Ah, hier ist er:
http://philip.greenspun.c...
Ich hab fuer mich persoenlich schon seit laengerem den Entschluss gefasst dass die Wissenschaft es nicht mehr wert ist. Rein monetaer. Ich mag Puzzles, ich wuerde gern weiter in den Eingeweiden der Nanowelt buddeln, aber ich will auch eine Familie und Kinder, und ihnen ein einigermassen anstaendiges Leben bieten - ein Haus, Nahrungsmittel nicht nur von Aldi, ein paar Urlaube, den Kindern ein Studium wenn Sie wollen. Mit einer wissenschaftlichen Karriere ist dies rein finanziell ohne enorme Risiken nicht moeglich bevor man Professor wird, und bis man Prof. wird ist das halbe Leben schon vorbei.
Vielleicht schaffe ich es mit 50 oder so ein ausreichendes finanzielles Polster zu haben und geh dann wieder zurueck. Aber bis dahin? Ich bin zwar idealistisch, aber nicht bloed.
Dummerweise ist da nicht grad motivierend, die Doktorarbeit jetzt vollends durchzuziehen, aber naja...
aber wenn ein jeder Professor 20 Doktoranden hat, kann nur je einer von denen den Job vom Professor "erben". Macht 1:20 = 5%.
aber wenn ein jeder Professor 20 Doktoranden hat, kann nur je einer von denen den Job vom Professor "erben". Macht 1:20 = 5%.
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