Vatikan Papst nennt Holocaust-Leugnung inakzeptabel

Klare Worte aus dem Vatikan: Benedikt hat die Leugnung des Holocaust als untragbar bezeichnet. Das gelte besonders für Geistliche. Nun will der Papst nach Israel reisen

Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt hat sich erneut mit deutlichen Worten gegen die Verharmlosung und Leugnung des Holocaust gewandt. Vor einer Delegation amerikanischer Juden sagte er: "Dieses fürchterliche Kapitel in unserer Geschichte darf nie in Vergessenheit geraten". Die Judenvernichtung sei ein Verbrechen "gegen Gott und gegen die Menschheit" gewesen, deren Leugnung untragbar sei. Das gelte insbesondere dann, wenn der millionenfache Mord der Nazis an den Juden von Geistlichen bestritten oder in seinen Ausmaßen kleingeredet werde, sagte Benedikt bei dem ersten Treffen mit Vertretern des Judentums seit Beginn der Williamson-Affäre.

Zugleich kündigte er offiziell an, demnächst nach Israel reisen zu wollen. Nach früheren Medienberichten wird die Reise im Mai stattfinden. "Dieses Land ist heilig für Christen wie für Juden, denn dort finden wir die Wurzeln unseres Glaubens", sagte er. Die Vertreter amerikanischer Juden begrüßten Benedikts Reisepläne.

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Der Papst hatte den britischen Geistlichen Richard Williamson und drei weitere Bischöfe der ultrakonservativen Piusbruderschaft im Januar teilweise rehabilitiert - und weltweite Proteste ausgelöst. In einem Interview hatte der Brite behauptet, es seien nur 200.000 bis 300.000 Juden in nationalsozialistischen Konzentrationslagern umgekommen. Der Vatikan hatte Williamson Anfang Februar aufgefordert, die Holocaust-Leugnung zu widerrufen - dieser lehnte zunächst ab. Benedikt hatte die vier teilrehabilitierten Bischöfe der Traditionalisten zudem dazu aufgerufen, sich zum Reformkurs der Kirche zu bekennen.

Die katholische Kirche ist nach Benedikts Worten zutiefst und unwiderruflich in der Pflicht, jeden Antisemitismus zurückzuweisen und weiter an guten und dauerhaften Beziehungen zwischen Christen und Juden zu arbeiten. "Die 2000-jährige Geschichte der Beziehungen zwischen Judaismus und Christentum hat viele verschiedene Etappen durchlaufen, von denen uns einige in schmerzvoller Erinnerung sind", sagte Benedikt. Jetzt sei es allerdings möglich, sich "im Geist der Versöhnung" zu treffen.

Benedikt stellte sich auch erneut hinter das Zweite Vatikanische Konzil. Durch die Öffnung zum Judentum habe man einen "Meilenstein auf dem Weg zur Versöhnung" gesetzt. Die Traditionalisten der Piusbruderschaft , zu denen auch der Holocaust-Leugner Williamson gehört, lehnen das Zweite Vatikanische Konzil ab. Die Konzilserklärung "Nostra Aetate" über das Verhältnis der katholischen Kirche zu den nicht-christlichen Religionen habe klar die Grundlagen für die Beziehungen zu den Juden geliefert, sagte der Papst.

 
Leser-Kommentare
    • Olly66
    • 12.02.2009 um 15:48 Uhr

    wie der Papst es nennt: Die Leugnung des Holocaust ist ebenso inakzeptabel wie die schleichende Rehabilitierung der Pius-Sekte oder die Heiligsprechung des "Nazi-Papstes" Pius XII.

  1. ...dem Papst abgenötigte Wiederholung klarer Positionen, würde es mich freuen, wenn der gegenwärtig noch stattfindende Völkermord überall auf der Welt die gleiche Aufmerksamkeit erführe.

    Das ständige, gebetsmühlenhafte Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, hindert leider niemanden, die heutigen, noch verhinderbaren, Greueltaten überall auf der Welt hinzunehmen oder gar die Waffen für deren Durchführung zu produzieren und zu liefern.

    Schade eigentlich, man könnte vielleicht manches besser machen als vor 60 Jahren...

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    Das Christentum, so sagte es der deutsche Papst kürzlich bei seinem Besuch in Lateinamerika, wurde den Indios nicht aufgezwungen, seine Ankunft im Gegenteil von ihnen heiß ersehnt.

    Das klingt erschreckend anders als seine Aussage die Judenvernichtung sei ein Verbrechen "gegen Gott und gegen die Menschheit" gewesen

    Zur Erinnerung:

    Die gesamte Indiobevölkerung in Lateinamerika betrug vor der Eroberung hundertfünfzig Millionen, nach einem Jahrhundert waren es noch dreieinhalb. Allein am legendären Silberberg von Potosi wurden 8 Millionen Sklaven durch Arbeit vernichtet:
    http://www.monde-diplomat...

    Bei allem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, in der Menschheitsgeschichte von Rassismus, Sklaverei und Völkermord bilden die Jahre des zweiten Weltkrieges nur eine Episode von vielen. Und leider auch nicht die letzte.

    Selektive Wahrnehmung?

    _______________________________________________________
    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

    • Anonym
    • 13.02.2009 um 14:53 Uhr

    "Das ständige, gebetsmühlenhafte Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ..." schreiben Sie.
    Wie sich an Ignoranten und Leugnern zeigt, die wohl mal wieder Oberwasser spüren, ist es dringend geboten die Vergangenenheit in Schulen, Hochschulen und im öffentlichen Bewußtsein permanent aufzuarbeiten. Nur so können wir hoffen, dass Deutsche nie wieder einer Diktatur zustimmen werden.
    Knüppel

    Das Christentum, so sagte es der deutsche Papst kürzlich bei seinem Besuch in Lateinamerika, wurde den Indios nicht aufgezwungen, seine Ankunft im Gegenteil von ihnen heiß ersehnt.

    Das klingt erschreckend anders als seine Aussage die Judenvernichtung sei ein Verbrechen "gegen Gott und gegen die Menschheit" gewesen

    Zur Erinnerung:

    Die gesamte Indiobevölkerung in Lateinamerika betrug vor der Eroberung hundertfünfzig Millionen, nach einem Jahrhundert waren es noch dreieinhalb. Allein am legendären Silberberg von Potosi wurden 8 Millionen Sklaven durch Arbeit vernichtet:
    http://www.monde-diplomat...

    Bei allem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, in der Menschheitsgeschichte von Rassismus, Sklaverei und Völkermord bilden die Jahre des zweiten Weltkrieges nur eine Episode von vielen. Und leider auch nicht die letzte.

    Selektive Wahrnehmung?

    _______________________________________________________
    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

    • Anonym
    • 13.02.2009 um 14:53 Uhr

    "Das ständige, gebetsmühlenhafte Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ..." schreiben Sie.
    Wie sich an Ignoranten und Leugnern zeigt, die wohl mal wieder Oberwasser spüren, ist es dringend geboten die Vergangenenheit in Schulen, Hochschulen und im öffentlichen Bewußtsein permanent aufzuarbeiten. Nur so können wir hoffen, dass Deutsche nie wieder einer Diktatur zustimmen werden.
    Knüppel

  2. Es sagt schon sehr viel über den Zustand der katholischen Kirche aus, wenn die Betonung der Selbstverständlichkeit, dass die Leugnung des Holocausts nicht akzeptabel ist, grosse Schlagzeilen in der Presse wert sind.

    Die katholische Kirche hat einen Ausgetretenen mehr. Mir ist die weitere Mitgliedschaft, zu der ich als Kleinkind ungefragt durch die Taufe gekommen bin, einfach zu peinlich.

    Richard Williamson wurde nach 20 Jahren rehabilitiert, bei Galileo Galilei dauerte es
    360 Jahre.

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    der Radikalität unter Katholen gibt, die schon sehr an diverse Strömungen der Islamisten erinnert (auf rein mentaler Ebene - die Gewaltebene ist ja, Vernunft sei Dank, von den Christen überwunden worden). So behauptet der katholische Schriftsteller Martin Mosebach in einem Interview gestern auf 3sat, dass man als Katholik immer, sein ganzes Leben lang, selbst nach dem Tode noch Katholik sei und bliebe, auch wenn man aus der Kirche ausgetreten sei: http://www.3sat.de/mediat...

    So fehlt nur noch, dass der/die aus der Kirche Austretende, eine göttliche Strafe erwarte. Das Taufen von Menschen, die nicht selbst entscheiden können, sollte daher gesetzlich untersagt werden, wenn es aus dieser Taufkonsequenz kein Entrinnen mehr geben sollte. Und sowieso kann eine Taufe im Geiste eines Gottes nur bei vollem Bewusstsein geschehen. Somit wären alle Baby-Taufen ungültig!

    Es sagt gar nichts über den Zustand der katholischen Kirche aus, sondern lediglich über Aussenstehende, die vom Papst solche Selbstverständlichkeiten verlangen und breittreten, als wären es Neuigkeiten.

    der Radikalität unter Katholen gibt, die schon sehr an diverse Strömungen der Islamisten erinnert (auf rein mentaler Ebene - die Gewaltebene ist ja, Vernunft sei Dank, von den Christen überwunden worden). So behauptet der katholische Schriftsteller Martin Mosebach in einem Interview gestern auf 3sat, dass man als Katholik immer, sein ganzes Leben lang, selbst nach dem Tode noch Katholik sei und bliebe, auch wenn man aus der Kirche ausgetreten sei: http://www.3sat.de/mediat...

    So fehlt nur noch, dass der/die aus der Kirche Austretende, eine göttliche Strafe erwarte. Das Taufen von Menschen, die nicht selbst entscheiden können, sollte daher gesetzlich untersagt werden, wenn es aus dieser Taufkonsequenz kein Entrinnen mehr geben sollte. Und sowieso kann eine Taufe im Geiste eines Gottes nur bei vollem Bewusstsein geschehen. Somit wären alle Baby-Taufen ungültig!

    Es sagt gar nichts über den Zustand der katholischen Kirche aus, sondern lediglich über Aussenstehende, die vom Papst solche Selbstverständlichkeiten verlangen und breittreten, als wären es Neuigkeiten.

  3. der Radikalität unter Katholen gibt, die schon sehr an diverse Strömungen der Islamisten erinnert (auf rein mentaler Ebene - die Gewaltebene ist ja, Vernunft sei Dank, von den Christen überwunden worden). So behauptet der katholische Schriftsteller Martin Mosebach in einem Interview gestern auf 3sat, dass man als Katholik immer, sein ganzes Leben lang, selbst nach dem Tode noch Katholik sei und bliebe, auch wenn man aus der Kirche ausgetreten sei: http://www.3sat.de/mediat...

    So fehlt nur noch, dass der/die aus der Kirche Austretende, eine göttliche Strafe erwarte. Das Taufen von Menschen, die nicht selbst entscheiden können, sollte daher gesetzlich untersagt werden, wenn es aus dieser Taufkonsequenz kein Entrinnen mehr geben sollte. Und sowieso kann eine Taufe im Geiste eines Gottes nur bei vollem Bewusstsein geschehen. Somit wären alle Baby-Taufen ungültig!

    Antwort auf "nur noch peinlich"
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    Na, diese Aussage hat doch nichts mit Radikalität zu tun! Die Taufe ist nach katholischer Auffassung ein Sakrament. Durch die Taufe wird man in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Da es sich um ein Sakrament handelt, kann die Taufe auch nicht rückgängig gemacht werden. Sie können zwar formal aus der Kirche austreten, für Gott, der sie durch das Sakrament in seine Gemeinschaft aufgenommen hat, bleiben sie aber teil der selben.
    Jetzt zur guten Nachricht: stellen Sie im Laufe Ihres Lebens fest, dass die Sache mit Gott unsinn ist, dann braucht Sie Ihre Taufe auch nicht zu stören. Getauft sein tut nicht weh. Sollte es dann doch einen Gott geben, würde ich einfach darauf vertrauen, dass er Ihre Sünden als Getaufter und aus der Kirche Ausgetretener genauso behandelt wie die Sünden aller anderen. Und das ist hoffentlich sehr barmherzig.

    Na, diese Aussage hat doch nichts mit Radikalität zu tun! Die Taufe ist nach katholischer Auffassung ein Sakrament. Durch die Taufe wird man in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Da es sich um ein Sakrament handelt, kann die Taufe auch nicht rückgängig gemacht werden. Sie können zwar formal aus der Kirche austreten, für Gott, der sie durch das Sakrament in seine Gemeinschaft aufgenommen hat, bleiben sie aber teil der selben.
    Jetzt zur guten Nachricht: stellen Sie im Laufe Ihres Lebens fest, dass die Sache mit Gott unsinn ist, dann braucht Sie Ihre Taufe auch nicht zu stören. Getauft sein tut nicht weh. Sollte es dann doch einen Gott geben, würde ich einfach darauf vertrauen, dass er Ihre Sünden als Getaufter und aus der Kirche Ausgetretener genauso behandelt wie die Sünden aller anderen. Und das ist hoffentlich sehr barmherzig.

  4. Es sagt gar nichts über den Zustand der katholischen Kirche aus, sondern lediglich über Aussenstehende, die vom Papst solche Selbstverständlichkeiten verlangen und breittreten, als wären es Neuigkeiten.

    Antwort auf "nur noch peinlich"
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    Natürlich nicht. Der Vatikan hat grundsätzlich nur dann etwas "zugegeben" wenn der öffentliche Druck zu groß wurde und zu befürchten war, dass es wieder Austritte geben würde. Die Vergangenheit der katholischen Kirche bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist geprägt von Gewalt, Kreuzzügen, Hexenverfolgungen, Zwangschristianisierungen, massiven Einmischungen in die Politik (Trennung von Politik und Kirche?), Verfolgung von anders denkenden und verharrt bis heute in der eigenen Interpretation der Bibel.

    Der Papst ist in Glaubensfragen unfehlbar > Gotteslästerung.

    Zur Erinnerung: Ich bin Christ und aus der Kirche ausgetreten weil ich die Institution Kirche/Vatikan nicht akzeptieren kann.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

    Natürlich nicht. Der Vatikan hat grundsätzlich nur dann etwas "zugegeben" wenn der öffentliche Druck zu groß wurde und zu befürchten war, dass es wieder Austritte geben würde. Die Vergangenheit der katholischen Kirche bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist geprägt von Gewalt, Kreuzzügen, Hexenverfolgungen, Zwangschristianisierungen, massiven Einmischungen in die Politik (Trennung von Politik und Kirche?), Verfolgung von anders denkenden und verharrt bis heute in der eigenen Interpretation der Bibel.

    Der Papst ist in Glaubensfragen unfehlbar > Gotteslästerung.

    Zur Erinnerung: Ich bin Christ und aus der Kirche ausgetreten weil ich die Institution Kirche/Vatikan nicht akzeptieren kann.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

  5. Natürlich nicht. Der Vatikan hat grundsätzlich nur dann etwas "zugegeben" wenn der öffentliche Druck zu groß wurde und zu befürchten war, dass es wieder Austritte geben würde. Die Vergangenheit der katholischen Kirche bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist geprägt von Gewalt, Kreuzzügen, Hexenverfolgungen, Zwangschristianisierungen, massiven Einmischungen in die Politik (Trennung von Politik und Kirche?), Verfolgung von anders denkenden und verharrt bis heute in der eigenen Interpretation der Bibel.

    Der Papst ist in Glaubensfragen unfehlbar > Gotteslästerung.

    Zur Erinnerung: Ich bin Christ und aus der Kirche ausgetreten weil ich die Institution Kirche/Vatikan nicht akzeptieren kann.

    Gruß, Bernd
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  6. Na, diese Aussage hat doch nichts mit Radikalität zu tun! Die Taufe ist nach katholischer Auffassung ein Sakrament. Durch die Taufe wird man in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Da es sich um ein Sakrament handelt, kann die Taufe auch nicht rückgängig gemacht werden. Sie können zwar formal aus der Kirche austreten, für Gott, der sie durch das Sakrament in seine Gemeinschaft aufgenommen hat, bleiben sie aber teil der selben.
    Jetzt zur guten Nachricht: stellen Sie im Laufe Ihres Lebens fest, dass die Sache mit Gott unsinn ist, dann braucht Sie Ihre Taufe auch nicht zu stören. Getauft sein tut nicht weh. Sollte es dann doch einen Gott geben, würde ich einfach darauf vertrauen, dass er Ihre Sünden als Getaufter und aus der Kirche Ausgetretener genauso behandelt wie die Sünden aller anderen. Und das ist hoffentlich sehr barmherzig.

  7. Natürlich hatte ich ein wenig übertrieben, und etwas provozieren wollen. Doch diese Nichtrückängigkeitsansprüche mancher religiöser Praktiken sind m.E. dennoch ziemlich erpresserisch, da Menschen, die nicht gewohnt sind, modern und frei zu denken, sich dadurch doch leichter in Abhänigkeiten bringen und halten lassen. Man denke an die extremen Denk- und Handlungsstrukturen im Islam. Auch der Kirche ist es durch Absolutheitsansprüche immer gelungen, Menschen zu binden (negativ: zu unterdrücken).

    In vielen Religionen gibt es diesen Mythos der Taufe. Im Tao Te King wird es als das Eintauchen in den unendlichen Klang des Göttlichen beschrieben und mit dem Rauschen eines Wasserfalls verglichen, unter dem man steht, und auch in den Veden wird das Symbol des Wassers im Sinne des göttlichen Klanges verwendet. Hier finden das biblische "Wort" in "Am Anfang war das Wort" und auch Termini wie "Strom des Lebens" neue Bedeutungen. Selbst bei afrikanischen Naturreligionen findet man solche Vorstellungen und Erfahrungen. Sie scheinen universell zu sein. Das ist im Grunde eine sehr positive Einstellung zum Leben, zur Natur und zum Jenseits.

    Nur, der Nachteil ist, man kann die Taufe nie von außen herbeirufen, befördern oder durchführen, sondern sie kann allenthalben durch bestimmte Initiationsriten erinnert und angedeutet werden; die eigentliche Taufe ist ein reiner spiritueller Akt, der dem Gläubigen oder Mystiker egal welcher Religion durch entsprechende spirituelle Vertiefungen zuteil wird.

    So gesehen vermisse ich bei Christen den realen spirituellen Hintergrund und das entsprechende Wissen. Durch die Verintellektualisierung von Religion, wie Papst B. dieses praktisch demonstriert, geht den eigentlich religiösen Menschen sehr viel verloren und Spiritualität wird bisweilen sogar negiert.

    Ähnlich kritisch möchte ich auch diese Aussage des Papstes beurteilen: "Dieses Land ist heilig für Christen wie für Juden, denn dort finden wir die Wurzeln unseres Glaubens".<<
    Zum einen, weil dieses Land auch für Moslime heilig ist und nicht nur für Christen und Juden, woraus sich ja auch der Konflikt um Jerusalem ergibt: wer soll diese Hl. Stadt verwalten im Falle einer politischen Lösung? Zum anderen aber liegen die Wurzeln eines Glaubens nicht wie die eines Baumes konkret in einem Stück Erde oder in einem Land. Die Irakis hatten sich sehr aufgeregt, als die amerikanischen Christen als Soldaten in ihr Land einmarschiert sind. Diese Heilige Erde wurde in den Augen gläubiger Moslime entweiht. Die Wurzeln eines Glaubens liegen wohl eher in den Urüberlieferungen heiliger Schriften, wenn nicht im Wesen eines jeden einzelnen Menschen selbst.

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