G-7-Treffen Minister gegen Protektionismus

Wer sich im Kampf gegen die Krise abschottet, richtet großen Schaden an: Das ist die Botschaft des G-7-Treffens in Rom. Doch im Innern wächst der Druck, sich einzuigeln

Die Teilnehmer des G-7-Treffens in Rom bemühten sich sichtlich um Harmonie. Man werde zusammenarbeiten im Kampf gegen die Krise. Unbedingt müsse vermieden werden, dass die Staaten im Abschwung ihre Märkte gegeneinander abschotten. Das war die zentrale Botschaft des G-7-Treffens in Rom, und bei jeder Gelegenheit wurde sie wiederholt.

Man wolle, "protektionistische Maßnahmen vermeiden", um nicht die Abwärtsspirale zu verstärken, in der die Weltwirtschaft derzeit stecke, erklärte man. Auf den Aufbau neuer Handelsschranken solle verzichtet werden. Auch für einen baldigen Abschluss der Doha-Runde sprachen sich die Minister aus. 

Man kann den versammelten Finanzministern und Notenbankchefs glauben, dass sie es ernst meinen. Vermutlich wissen sie, dass am Ende alle verlieren, wenn sich jeder auf Kosten seiner Partner zu sanieren sucht.

Doch ob sie diese Erkenntnis aus den Nobelhotels des internationalen Gipfelzirkus in die Tagespolitik holen können? Dort sind die Regierungen konfrontiert mit Unternehmen, die um Schutz vor der Konkurrenz bitten, und mit Steuerzahlern, die nicht bereit sind, ausländische Volkswirtschaften zu stützen. Zum Beispiel der neue US-Finanzminister Timothy Geithner, der in Rom zum ersten Mal an einem G-7-Gipfel teilnahm: Er erklärte, sein Land wolle allen internationalen Verpflichtungen gegenüber der Welthandelsorganisation (WTO) nachkommen. Doch auch seine Regierung steht zuhause unter dem Druck der Freihandelsgegner, wie das Ringen um das jüngst verabschiedete Konjunkturpaket deutlich zeigte.

An Offenheit und gegenseitiger Hilfe aber führt kein Weg vorbei. Wenn deutsche und österreichische Banken zum Beispiel keine Kredite mehr in Osteuropa vergäben, weil die Regierung sie drängt, sich zuerst um den Heimatmarkt zu kümmern, würden dort ganze Länder kollabieren. Der Schaden wäre immens, gerade für die exportorientierte deutsche Volkswirtschaft.

Es ist deshalb klug, dass Bundesfinanzminister Peer Steinbrück offensichtlich bereit ist, mit deutschen Steuergeldern einzuspringen, wenn wichtige Staaten von der Pleite bedroht sind - auch wenn das beim Volk nicht populär sein wird. Staaten, so heisst es,  haben keine Freunde, sondern Interessen. Manchmal ist es im eigenen Interesse, anderen zu helfen.

 
Leser-Kommentare
  1. Ich dachte mir schon das solche Botschaften weiter verbreitet werden...

    Fast könnte man daraus lesen, das an dem aktuellen Zerfall der Finanz- und Wirtschaftssysteme noch nicht perfekt liberaliserte Märkte schuld an dem Desaster haben. Aber so kann das ja nun wirklich nicht weiter gehen...

    ...nach + 30 Jahren steter liberalisierung von Kapital- Waren- und Menschenmärkten wird als erstes nach staatlicher Hilfe gerufen und das mit Beträgen die jegliches "normale" Verständis von Staatshaushalten und Budgets bei weitem übersteigen...

    Währe die Globalisierte Welt des Kapitals und Handels einiges fragmentierter als heute so würde sich diese Krise nicht so schnell um den Globus verbreiten. Afrika ist für einmal beinahe fein raus da dieser Kontinent nicht so stark in die Globalisierung einbezogen wurde. Aber auch da steht ja die Vollendung der DOHA (u.a.liberaliserung weiterer Entwicklungsländer die sich bis heute geweigert haben) Runde bereits auf dem Zielpan...

    Ohne das nun mit Nationalismus zu verknüpfen, aber ich möchte tatsächlich das sich die Politiker u.a. Verantwortliche primär mal um die Menschen im eigenen Land kümmern als um die Exporterlöse von... ja eben, Exportorientierten Branchen welche sich zudem noch an der stark expandierenden Weltwirtschaft ausruhen konnten...

    Nur das für mich pimäre Standbein jeder Volkswirtschaft, der Binnenmarkt mit guten und stabilen Waren- und Kapitalflüssen wurde leider eher abgewirtschaftet als Aufgebaut und Ernstgenommen...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

  2. Es ist deshalb klug, dass Bundesfinanzminister Peer Steinbrück offensichtlich bereit ist, mit deutschen Steuergeldern einzuspringen, wenn wichtige Staaten von der Pleite bedroht sind - auch wenn das beim Volk nicht populär sein wird

    Das kann der Steinbrück ja gerne machen, aber nur mit seinem persönlichen Vermögen. Sonst läuft das volle Fass endgültig über. Fehlt ja nicht mehr viel.

  3. Protektionismus = böse
    Freihandel = gut

    Die Welt ist so schön einfach, wenn man sie von ganz oben betrachtet und die eigenen Füße werden nicht so schnell nass. Sehr komfortabel.

    "Es ist deshalb klug, dass Bundesfinanzminister Peer Steinbrück offensichtlich bereit ist, mit deutschen Steuergeldern einzuspringen, wenn wichtige Staaten von der Pleite bedroht sind - auch wenn das beim Volk nicht populär sein wird"

    Lieber Herr Schieritz, woher wollen Sie wissen was beim Volk populär sein wird? Das sind doch die üblichen vorurteilsbehafteten Aussagen, sparen Sie sich doch sowas. Niemand weiß, was das Volk will, bis ein Entscheid darüber stattgefunden hat und damit das nicht geschieht, wird gar nicht erst einer gemacht und lieber mit Unterstellungen gearbeitet. Davon abgesehen, kümmert es die Regierungs-Bagage doch ohnehin nicht, was wir wollen, Hauptsache wir lassen uns beliebig ausquetschen.

    Darüber hinaus fände ich es um sehr vieles sinnvoller, Herr Steinbrück würde den darbenden deutschen Markt aufpeppeln, wenn wir es schon bezahlen müssen. Die Abwrackprämie beweist doch, dass es funktioniert. Von einem florierenden Binnenmarkt haben wir nämlich was, der Exportweltmeister hat uns nicht wirklich was gebracht, außer einer erhöhten Abhängigkeit vom Zustand der Weltwirtschaft. Finanziert über unsere sinkenden Reallöhne.

  4. Ulrich Rudofsky

    Deutsch ist schon seit mehr als 60 Jahren nicht mehr meine Alltagssprache und das Konzept "Einigeln" konnte ich kaum erfassen. Großartig, einfach großartig .... die "allerschenste Langewitsch" lebt!

  5. Deutschland mit der Einigelei längst begonnen. Während man sich jetzt entrüstet stellt, wenn Frankreich, England oder USA protektionistische Maßnahmen auch nur erwägen, haben viele deutsche Firmen ihre nach China und anderen Ländern verlagerte Produktion bereits wieder in die Heimat zurückverlegt.

    • eluutz
    • 15.02.2009 um 18:22 Uhr

    Eine Krise birgt Chancen, wird manchmal behauptet. Es ist vielleicht an der Zeit zu diskutieren, wo unsere Art des Wirtschaftens überhaupt hinführen soll. Jahrelang wurde uns da Bescheidenheit gepredigt, es wurde gesagt, unsere Kosten seinen zu hoch, während es auf der anderen Seite hiess, wir geben zu wenig aus.

    Überhaupt der Konsum, es soll immer mehr konsumiert werden (Wachstum), aber gleichzeitig bekommen wir Resourcenmangel (Klima und so grüner Kram). Grundbedürfnisse sind - zumindest bezogen auf die Allgemeinheit, wenn auch nicht auf jedes Individuum - längst erfüllt: Essen, Wohnung, med. Versorgung, ...

    Also immer weiter so, der technische Fortschritt wird es richten und unsere Probleme lösen? Oder doch Zeit für eine grundsätzliche Diskussion, wohin wir wollen. Und das ohne die Marktwirtschaft abzuschaffen, die eben trotz alledem eine Lösung für die Erfüllung unserer Grundbedürfnisse gefunden hat.

    Ich bin da ehrlich noch ziemlich ratlos. Aber die hier genannten Punkte: 'zuerst für unsere Deutschland zahlen' wird nicht funktionieren. So oder so, wir haben eine vernetzte weltweite Wirtschaft. Sogar die Entwicklungsländer merken die Kredit/Finanz/Wirtschafts-Krise sofort und wahrscheinlich stärker als wir (denn wo sind denn UNSERE bettelnden Kinder, ich sehe nur vereinzelte Bettelei in den Fußgängerzonen, nicht schön, aber nicht symptomatisch; auch wenn der Staat es vielleicht nicht auffängt, unsere Gesamtsozialkonzept funktioniert (noch) irgendwie).

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