Unfall im Weltraum Satelliten über Sibirien kollidiert

In einer Höhe von 790 Kilometern sind zwei Flugkörper zusammengestoßen. Das entstandene Trümmerfeld könnte der Internationalen Raumstation ISS gefährlich werden

Trümmerteile des Aufpralls zweier Satelliten könnten auch die Internationale Raumstation treffen. Allerdings sei das Risiko derzeit gering, heißt es von der Weltraumbehörde Nasa

Trümmerteile des Aufpralls zweier Satelliten könnten auch die Internationale Raumstation treffen. Allerdings sei das Risiko derzeit gering, heißt es von der Weltraumbehörde Nasa

Weit oben über einer der kältesten Regionen im Norden Sibiriens passierte es: Am Dienstagabend gegen 18 Uhr deutscher Zeit prallten ein amerikanischer Kommunikationssatellit und ein ausrangierter russischer Himmelskörper zusammen. Der Aufprall hinterließ eine Trümmerwolke aus rund 600 Teilen, die im All zerstreut wurden. Radars des amerikanischen Militärs verfolgten die Überreste der beiden Satelliten, die in unterschiedliche Umlaufbahnen auseinanderdrifteten. Nichts Vergleichbares sei jemals zuvor passiert, sagte Nicholas Johnson von der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa dem US-Sender CBS.

Anfangs sei nicht klar gewesen, inwieweit die Trümmerteile der internationalen Raumstation ISS hätten gefährlich werden können. Zwar kreisten vereinzelte Überreste der Satelliten bereits in Höhe der ISS rund 350 Kilometer über der Erde. Doch das Risiko, dass sie die Raumstation treffen, sei sehr gering. Heute früh erklärte auch Alexander Worobjow von der russischen Weltraumbehörde Roskosmos: "Für die ISS besteht keinerlei Gefahr." Auf der Station arbeiten derzeit drei Astronauten.

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Allerdings müsse unterschieden werden zwischen der unmittelbaren Gefahr und der langfristigen, sagte Johnson. Größere Trümmerteile könnten erst in Monaten oder Jahren die Umlaufbahn der ISS kreuzen. Diese Stücke könne man aber rechtzeitig beobachten. "Schlimmstenfalls weichen wir ihnen aus." Gefährlicher seien hingegen Kleinteile, die auf den Radars nicht auftauchten. Johnson sagte, es könne noch einen Tag dauern, bis das ganze Ausmaß des Trümmerfeldes bekannt sei.

Die Satelliten kollidierten vermutlich zufällig. Es gebe keine Anzeichen für einen absichtlich herbeigeführten Zusammenstoß. "Es gibt dort oben keine Vorfahrtsregeln", sagt Johnson. Niemand wisse, was einem entgegen fliegen könnte. Ob es sich bei dem russischen Satelliten um einen militärischen Himmelskörper gehandelt habe, der von den russischen Streitkräften kontrolliert wurde, blieb offen. Nach Erkenntnissen des US-Militärs handelte es sich um das Modell Cosmos 2251, einen Relais-Sender zur Kommunikation, der 1993 ins All gebracht worden sei. Der Sputnik sei aber seit ungefähr zehn Jahren nicht mehr in Betrieb gewesen.

Der amerikanische Satellit gehörte der Firma Iridium, deren Mobiltelefone weltweit genutzt werden. Die Kommunikationsdienste des Unternehmens seien von dem Vorfall nur minimal beeinträchtigt, hieß es aus der Firmenzentrale in Bethesda im US-Bundesstaat Maryland. Der Himmelskörper hatte ein Gewicht von mehr als einer Tonne und war mit großen Sonnensegeln ausgerüstet. Der Rumpf des Satelliten maß gut dreieinhalb Meter.

Trümmerteile des Zusammenstoßes könnten auch andere Satelliten im All gefährden, warnte Johnson. Die Nasa prüfe derzeit das Risiko, allerdings habe zunächst die Sicherheit der ISS Vorrang sowie die geplanten Shuttlemissionen zur Raumstation. Auch das United States Strategic Command beobachte den Vorfall. Die Abteilung des Verteidigungsministeriums ist unter anderem für die amerikanischen Weltraumaktivitäten zuständig. Derzeit beobachte man routinemäßig 18.000 Objekte im All, darunter Satelliten und auch Weltraumschrott ab einer Größe von rund zehn Zentimetern.

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