Geschichte Roman einer SchicksallosenSeite 2/2
ZEIT ONLINE: Was hat Sie am meisten berührt an diesem Tagebuch?
Steinbacher: Wie die Autorin diesen entsetzlichen und bedrängenden Alltag im Lager schildert. Und wie man als Leser die Verhältnisse, denen sie ausgesetzt war, mit den Augen eines jungen Mädchens wahrnimmt.
ZEIT ONLINE: Ana Novac schreibt, dass sie oft gelacht habe in Auschwitz. Fanden Sie das unverständlich?
Steinbacher: Nein, überhaupt nicht. Man macht einen großen Fehler, wenn man die Konzentrationslager zu Stätten stilisiert, die aus der Welt herausgehoben sind. So entsetzlich der Häftlingsalltag war, die Menschen haben sich trotzdem Überlebensmöglichkeiten gesucht. Wir wissen zum Beispiel, dass in Theresienstadt viele kulturelle Unternehmungen organisiert wurden, damit das Leben dort überhaupt auszuhalten war. Das waren alles Versuche, sogenannte Normalität an einem Ort des Grauens zu schaffen.
ZEIT ONLINE: Warum empfehlen Sie die Lektüre dieses Buchs?
Steinbacher: Man bekommt darin einen sehr knappen und präzisen, aber dennoch eindringlichen Einblick, wie der Alltag in einem Konzentrationslager aussah. Man sollte es auch lesen, um zu sehen, wie sehr diese Menschen der Willkür ausgesetzt waren und wie sehr sie dennoch versucht haben, irgendwie zu überleben und Normalität in diesem Alltag herzustellen.
Sybille Steinbacher lehrt am Institut für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Jena. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte des Holocaust und die Geschichte der Konzentrations- und Vernichtungslager
- Datum 25.02.2009 - 14:06 Uhr
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