US-Unis in der Krise Neuerfinden oder Aussterben
Mit dem Verkauf ihrer Kunstsammlung wollte sich die Uni Brandeis sanieren, Protest hielt sie davon ab. An der Posse zeigt sich die verzweifelte Lage der US-Hochschulen

© Mike Lovett/Brandeis University
Streitobjekt: das Rose Art Museum der Brandeis University
"Ich habe es vermasselt", gestand Jehuda Reinharz, Präsident der Brandeis University im US-Bundesstaat Massachusetts. Gemeint war sein missglücktes Agieren beim geplanten Verkauf der universitätseigenen Sammlung des Rose Art Museums, dessen Wert auf umgerechnet 265 Millionen Euro geschätzt wird. Ende Januar hatte Reinharz den Verkauf von rund 8000 Kunstwerken angekündigt, darunter Werke von Andy Warhol, Jasper Johns und Roy Lichtenstein. Ein Finanzloch der Uni von zehn Millionen Dollar wollte er damit stopfen, möglicherweise den Lehrbetrieb verbessern und weiteren Finanzproblemen vorbeugen. Jetzt machte Reinharz einen Rückzieher - zu laut war der Protest, zu unklar seine Angaben darüber, was mit dem Erlös geschehen sollte.
In einem offenen Brief hatten 60 Universitätsmitglieder vor dem Verkauf gewarnt. "Der Ruf der Universität als ein Leuchtturm der Gerechtigkeit und intellektueller Integrität steht auf dem Spiel". Auch Studenten protestierten gegen den Ausverkauf des universitätseigenen Tafelsilbers. Innerhalb kürzester Zeit hatten sich knapp 8000 Unterstützer in der Facebook-Gruppe "Rettet das Rose Museum" zusammengefunden. Der Protest brachte Reinharz zum Einlenken. Er entschuldigte sich für die "Verwirrung und die Schmerzen", die er verursacht habe. Die Kunstwerke werden nicht verkauft. Das Rose Art Museum soll nun enger an die Uni gebunden werden.
Dieses zweiwöchige Verwirrspiel zeigt die verzweifelte Lage vieler US-Universitäten, die in hohem Maße von privaten Geldern abhängig sind. In den vergangenen fünf Monaten sind die Zuwendungen um 23 Prozent gesunken. Das geht aus einer Umfrage eines nationalen Universitäten-Verbands hervor. Die Hälfte der befragten Unis plant für längere Zeit keine Neueinstellungen und friert Gehälter ein. 16 Prozent haben bereits Mitarbeiter entlassen.
Gleichzeitig stieg im vergangenen Jahr die Zahl der Studenten, die an ihrer Uni finanzielle Hilfe beantragen, um zehn Prozent. Bildungsexperten rechnen fest mit einem weiteren Anstieg. Sorgen bereiten ihnen auch die steigenden Bewerberzahlen. Viele Universitäten suchen jetzt nach einem "neuen und kühnen Zukunftsplan", wie es der Kanzler der City New York University (CUNY), Matthew Goldstein, in einer Anhörung sagte.
Die ohnehin schwierige Lage wird durch den 50-Milliarden-Finanzskandal um den New Yorker Finanzjongleur Bernie Madoff verschärft. Über Jahre investierten hunderte Firmen, Privatpersonen und auch Universitäten bei ihm. Jetzt steht Madoff unter Hausarrest, er konnte das Geld an seine Kunden nicht mehr zurückzahlen. In der vergangenen Woche veröffentlichten die Ermittler eine Liste der Geschädigten. Neben Banken und Investmentfirmen finden sich in dem 163 Seiten starken Papier auch einige Universitäten.
300.000 Dollar verlor die New Yorker Law School, jeweils drei Millionen Dollar die New Yorker Kunsthochschule Bard College sowie die Columbia University. Geradezu läppisch wirken diese Verluste verglichen mit den 14,5 Millionen der Yeshiva University und den 24,5 Millionen der New York University (NYU). Der Madoff-Skandal war für die finanziell bereits gebeutelte Yeshiva University der Höhepunkt der Krise. Die private jüdische Hochschule will 120 Angestellten kündigen, um insgesamt 30 Millionen Dollar einzusparen. Hinzu kommt ein Image-Schaden: Madoff saß jahrelang im Aufsichtsrat der Uni.
- Datum 15.04.2009 - 17:02 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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