Wahlanalyse "Eine Mitte gab es nie in Israel"

Israels nächster Premier heißt wohl Netanjahu. Der Historiker Moshe Zimmermann erklärt im Interview den Rechtsruck in Israel und wie der Hardliner gebändigt werden kann

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Israel: "Wir haben keinen Gesprächspartner mehr"

ZEIT ONLINE : Herr Zimmermann, auf der Welt herrscht seit dem Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama ein Ton der Versöhnung vor - und Israel wählt mehrheitlich die Hardliner des rechten Spektrums. Wie erklären Sie sich das?

Zimmermann : Erstens driftet die politische Szene in Israel seit Jahren immer weiter nach rechts. Deshalb überrascht mich das Wahlergebnis nicht. Zweitens hat der gerade erst beendete Gaza-Krieg zu einer weiteren Radikalisierung in Richtung rechts geführt. Viele Israelis sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden und stricken an einer Dolchstoßlegende.

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ZEIT ONLINE : Welche Dolchstoßlegende?

Zimmermann : Das Militär hätte den Krieg gewinnen können, wenn die lasche Politik dies nicht verhindert hätte.

ZEIT ONLINE : Der Gaza-Krieg hat doch die Popularitätswerte der Regierenden - Ministerpräsidentin Zipi Liwni und Verteidigungsminister Ehud Barak - erhöht. Dennoch werden sie voraussichtlich nicht weiterregieren können.

Zimmermann : Liwni und Barak haben zwar gepunktet, doch die Rechten, diejenigen, die für die angebliche Niederlage von Gaza nicht verantwortlich sind, haben noch mehr Nutzen aus dem Krieg gezogen. Netanjahu und Lieberman, die Kritiker eines zu frühen Kriegsendes, sind die Hauptgewinner.

ZEIT ONLINE : Welche Ursachen sehen Sie für den Rechtsdrift, den Sie seit Jahren ausmachen?

Zimmermann : Dahinter steckt die unter Israelis verbreitete These, dass es für einen Friedensprozess auf palästinensischer Seite keinen verhandlungsfähigen Partner mehr gibt. Daran sind wir Israelis selbst mit Schuld: Um die Jahrzehnte herrschende Fatah unter Jassir Arafat zu schwächen, haben wir die Hamas groß gemacht. Nun aber dominieren diese Radikalen - und somit bestätigt sich die self-fulfilling prophecy: Wir haben gar keinen Gesprächspartner mehr. Das führt zur Ausrede, dass es wenig Sinn hat, auf Verhandlungen zu setzen, und dies hilft der israelischen Rechten.

ZEIT ONLINE : Hängt alles an der Palästinenserfrage?

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