Bestseller "Amerikaner lieben es, wenn Blut fließt"

Andrea Maria Schenkels neues Buch "Bunker" erscheint Ende Februar. Im Gespräch erzählt die Bestsellerautorin von Lesern in Deutschland und den USA

Andrea Maria Schenkel wurde bekannt durch ihre Bestseller Tannöd und Kalteis. Ende Februar erscheint ihr neuer Roman Bunker. Schenkel hat das Buch in dieser Woche im Deutschen Haus der New York University vorgestellt.

ZEIT ONLINE: Frau Schenkel, in Ihrem neuen Buch sperrt ein Mann eine Frau in einen Bunker ein. Haben Sie sich von den Fällen Fritzl oder Kampusch inspirieren lassen?

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Andrea Maria Schenkel: Nein, mein neuer Roman beruht, anders als meine ersten beiden Bücher, nicht auf einer historischen Begebenheit. Er ist Fiktion. Es geht auch nicht um sexuellen Missbrauch, sondern um Einsamkeit. Es ist ein Kriminalfall im weitesten Sinne, wir wissen am Anfang des Buches nicht, was der Mann mit der Frau zu tun hat, bis sie anfängt, nachzudenken, warum er sie entführt hat.

ZEIT ONLINE: Warum stellen Sie das Buch zuerst in New York vor?

Schenkel: Ich habe aus meinen ersten beiden Bücher an der New York University gelesen und wurde wieder eingeladen. Ich mache Lesungen sehr gerne. Sie sind die einzige Gelegenheit, sich mit den Lesern auseinanderzusetzen. Von den rund vierzig Leuten, die kommen, sind etwa die Hälfte Amerikaner, die kaum Deutsch können. Das ist für eine Buchvorstellung schon recht gut.

ZEIT ONLINE: Können New Yorker mit Büchern wie Tannöd, das auf einem bayrischen Baunerhof spielt, etwas anfangen?

Schenkel: In Tannöd, wo viele Menschen getötet wurden, meinten Besucher der Lesung, so etwas könnte auch auf einer Farm im Mittleren Westen stattfinden. Auch dort sind die Leute in der Regel sehr religiös, wenn auch nicht katholisch. In Kalteis geht es um Sexualmorde. Da hat vielen die klare Sprache, der Sog in den Text gefallen.

ZEIT ONLINE: Sie haben einen britischen Verlag, Quercus Publishing, aber keinen amerikanischen.

Schenkel: Man kann das Buch in der ganzen englischsprachigen Welt kaufen, in England, Irland und Australien, auch in Tokyo, Taiwan und sogar in Schweden, was ein schwieriger Markt für ausländische Krimiautoren ist. Man kann es in chinesischer Langschrift und Kurzschrift lesen, aber ich habe keinen US-Verlag. Dabei hat mein englischer Verleger versucht, es anzubieten, über einen Agenten.

ZEIT ONLINE: Es heißt doch immer, das Problem sei, dass amerikanische Lektoren nur Englisch könnten. Aber Ihr Buch ist ja bereits übersetzt.

Schenkel: Ja, und ich habe sogar eine sehr gute Übersetzerin. Wobei, es werden auch englische Bücher für den amerikanischen Markt umgeschrieben, manche Worte werden amerikanisiert. Das verlangen die US-Verlage, weil sonst die Leser das Buch nicht akzeptierten.

ZEIT ONLINE: Vielleicht ist aber auch Ihr deutscher Erzählstil Amerikanern fremd?

Schenkel: Mein britischer Verleger meint, dass Deutsche in den USA nicht den Ruf haben, Krimis schreiben zu können. Amerikaner lieben es, wenn in einem Krimi auf der zweiten Seite Blut fließt. Und es muss einen Detektiv geben, der den Fall aufklärt. Das passiert halt bei mir nicht. Eine Journalistin in Melbourne hat mir gesagt, dass ihr Mann, ein Amerikaner, flucht, wenn in dem Buch nicht sofort geschossen wird. Außerdem wird in den amerikanischen Krimis die Handlung viel schneller vorangetrieben. In Deutschland wird eher zurückgenommen, bedächtig geschrieben.

ZEIT ONLINE: Haben Sie den Feedback von amerikanischen Verlegern bekommen?

Schenkel: Ein Mitarbeiter der NYU hat Tannöd einem bekannten Verleger gezeigt. Der sagte, ihm selbst gefalle es, aber er glaube nicht, dass er davon viele Bücher loswerde. Deshalb hat er es abgelehnt. Kaufen allerdings können Amerikaner meine Bücher bereits, denn Amazon bietet hier die englische Ausgabe an. Mein britischer Verleger hat mir gesagt, er verkaufe über Amazon Tausende meiner Büchern in Amerika, und die Leser seien begeistert.

ZEIT ONLINE: Vielleicht ist das der Trend, dass der Buchhandel ins Internet geht. Das würde doch nicht nur die Buchhandlungen, sondern auch die Verlage überflüssig machen?

Schenkel: Das ist vielleicht in den USA so. Aber Deutschland ist noch nicht so weit, schon wegen der Buchpreisbindung. Hier spielen die Buchhandlungen noch eine wichtige Rolle, und es gibt auch viel mehr kleine Verlage, während in angelsächsischen Ländern alle den aktuellen Trends hinterherhecheln.

ZEIT ONLINE: Zum Beispiel?

Schenkel: Wenn dort einer ein Zaubererbuch schreibt, schreiben alle eines. Buchhändler in England haben mir erzählt, dass sie selbst die Beststeller stapelweise im Supermarkt kaufen und weiterverkaufen, weil die Supermärkte von den Großhändlern viel bessere Konditionen bekommen. Aber ich als Leserin will beraten werden, deshalb finde ich die kleinen Buchhandlungen wichtig.

ZEIT ONLINE: Sie könnten Tannöd oder Kalteis vermutlich als Stoff verkaufen — wenn Stephen King daraus einen Roman entwickelt, der in den Rocky Mountains spielt

Schenkel: Ja, das könnte funktionieren. Aber auch in Deutschland wurde ich dutzendfach abgelehnt, bis ein kleiner Verlag zugriff. Auch deutsche Verleger sind konservativ und risikoscheu. Doch sollten Verleger den Autoren eine Chance geben, die ein wenig anders sind, die an die Grenzen des Genres stoßen. Denn das sind die, die das Genre voranbringen.

Die Fragen stellte  Eva Schweitzer

 
Leser-Kommentare
  1. Ich habe mich ohnehin immer gefragt, was die Leute am perversen mord reizt. Waren das noch Zeiten, als die Morde nur Beiwerk zum Krimi waren wie bei Highsmith, Christie oder Doyle. Spiegelt das jetzt die Realität wieder oder wirken diese brualen Mörder von Cormwell und Co. auf die Realität zurück.

  2. ... zu sagen: "Schwarze mögen es, wenn Blut fließt!" oder "Muslime mögen es, wenn Blut fließt!" oder auch nur "Deutsche mögen es, wenn Blut fließt".
    Eben. Eine dumme Aussage.

    • Anonym
    • 22.02.2009 um 20:03 Uhr

    (..( ist nicht selten der Stoff, des Handelsn einer Geschichte, die gut zu lesen wird.

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