Bestseller "Amerikaner lieben es, wenn Blut fließt"Seite 2/2

ZEIT ONLINE: Vielleicht ist aber auch Ihr deutscher Erzählstil Amerikanern fremd?

Schenkel: Mein britischer Verleger meint, dass Deutsche in den USA nicht den Ruf haben, Krimis schreiben zu können. Amerikaner lieben es, wenn in einem Krimi auf der zweiten Seite Blut fließt. Und es muss einen Detektiv geben, der den Fall aufklärt. Das passiert halt bei mir nicht. Eine Journalistin in Melbourne hat mir gesagt, dass ihr Mann, ein Amerikaner, flucht, wenn in dem Buch nicht sofort geschossen wird. Außerdem wird in den amerikanischen Krimis die Handlung viel schneller vorangetrieben. In Deutschland wird eher zurückgenommen, bedächtig geschrieben.

ZEIT ONLINE: Haben Sie den Feedback von amerikanischen Verlegern bekommen?

Schenkel: Ein Mitarbeiter der NYU hat Tannöd einem bekannten Verleger gezeigt. Der sagte, ihm selbst gefalle es, aber er glaube nicht, dass er davon viele Bücher loswerde. Deshalb hat er es abgelehnt. Kaufen allerdings können Amerikaner meine Bücher bereits, denn Amazon bietet hier die englische Ausgabe an. Mein britischer Verleger hat mir gesagt, er verkaufe über Amazon Tausende meiner Büchern in Amerika, und die Leser seien begeistert.

ZEIT ONLINE: Vielleicht ist das der Trend, dass der Buchhandel ins Internet geht. Das würde doch nicht nur die Buchhandlungen, sondern auch die Verlage überflüssig machen?

Schenkel: Das ist vielleicht in den USA so. Aber Deutschland ist noch nicht so weit, schon wegen der Buchpreisbindung. Hier spielen die Buchhandlungen noch eine wichtige Rolle, und es gibt auch viel mehr kleine Verlage, während in angelsächsischen Ländern alle den aktuellen Trends hinterherhecheln.

ZEIT ONLINE: Zum Beispiel?

Schenkel: Wenn dort einer ein Zaubererbuch schreibt, schreiben alle eines. Buchhändler in England haben mir erzählt, dass sie selbst die Beststeller stapelweise im Supermarkt kaufen und weiterverkaufen, weil die Supermärkte von den Großhändlern viel bessere Konditionen bekommen. Aber ich als Leserin will beraten werden, deshalb finde ich die kleinen Buchhandlungen wichtig.

ZEIT ONLINE: Sie könnten Tannöd oder Kalteis vermutlich als Stoff verkaufen — wenn Stephen King daraus einen Roman entwickelt, der in den Rocky Mountains spielt

Schenkel: Ja, das könnte funktionieren. Aber auch in Deutschland wurde ich dutzendfach abgelehnt, bis ein kleiner Verlag zugriff. Auch deutsche Verleger sind konservativ und risikoscheu. Doch sollten Verleger den Autoren eine Chance geben, die ein wenig anders sind, die an die Grenzen des Genres stoßen. Denn das sind die, die das Genre voranbringen.

Die Fragen stellte  Eva Schweitzer

 
Leser-Kommentare
  1. Ich habe mich ohnehin immer gefragt, was die Leute am perversen mord reizt. Waren das noch Zeiten, als die Morde nur Beiwerk zum Krimi waren wie bei Highsmith, Christie oder Doyle. Spiegelt das jetzt die Realität wieder oder wirken diese brualen Mörder von Cormwell und Co. auf die Realität zurück.

  2. ... zu sagen: "Schwarze mögen es, wenn Blut fließt!" oder "Muslime mögen es, wenn Blut fließt!" oder auch nur "Deutsche mögen es, wenn Blut fließt".
    Eben. Eine dumme Aussage.

    • Anonym
    • 22.02.2009 um 20:03 Uhr

    (..( ist nicht selten der Stoff, des Handelsn einer Geschichte, die gut zu lesen wird.

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