Fußball-Presseschau Erster Offizier unter Deck
Vor dem Derby gegen Dortmund streitet Schalkes Manager Andreas Müller mit Rudi Assauer und steht in der Kritik. Bremens Diego wird gefeiert. Eine Presseschau

© Vladimir Rys/Bongarts/Getty Images
Sein Blick geht derzeit zu Boden, vermutlich sucht er nach weiteren Fallstricken: Schalke-Manager Andreas Müller
Einen Blick hinter die Schalker Fassade gewährt uns am Tag des Derbys mit Borussia Dortmund Richard Leipold in der FAZ. In einem für diese Zeitung ungewöhnlich bissigen Ton macht er sich über die Öffentlichkeitsarbeit des Managers her: "In Erklärungsnot geraten, wirkt Andreas Müller wie ein Kapitän oder wenigstens ein erster Offizier, der sich unter Deck verkriecht, während ein keineswegs sturmerprobter Steuermann wie Fred Rutten mit teils disziplinlosen Matrosen schweren Wassern zu trotzen versucht. Müller wagt sich nicht raus in den Sturm, dorthin, wo jene Fragesteller sitzen, die nicht von PR-Beratern ausgewählt werden. Stattdessen sendet er aus seiner Kajüte Vertrauenssignale in Richtung Rutten."
Auch der Schalker Trainer bekommt es mit Leipold zu tun: "Rutten ist aus Enschede gekommen, um die Ergebnisse seines unbeliebten Vorgängers Slomka (mindestens) zu bestätigen, sie aber in attraktiverem Gewand zu präsentieren. Gelungen ist bisher weder das eine noch das andere."
Jan Christian Müller und Andreas Morbach (FR) halten Müller Schwankungen in seiner Menschenführung vor: "Müller hat es in einem sehr schwierigen Umfeld nicht geschafft, sich Respekt zu erarbeiten. Er hat es auch nicht geschafft, in eine ausgewogene Halbdistanz zu den Profis zu gehen. Im Grunde seines Herzens wäre Andi Müller lieber mehr Freund als Vorgesetzter, mehr Seelenmasseur als Brachialkritiker. Doch ihm dünkt nun schmerzhaft, dass jene musterhafte Einstellung, die er als aktiver Profi lebte, seltener geworden ist. Er reagiert mit Zuckerbrot und Peitsche. Bloß, dass man ihm das Peitschenschwingen nicht abnimmt. Nun ist Müller neben dem seltsam konturlosen Trainer Fred Rutten der Einzige im Klub, der in sportlichen Fragen Kompetenz vorweisen kann. Das wissen auch die Finanzfachleute Tönnies, Peters und Schnusenberg, und das könnte Müller vorerst den Job retten."
Zu allem Überfluss legt sich Müller öffentlich mit seinem Vorgänger Rudi Assauer an. In einem Interview mit Welt Online setzt er sich von Assauer ab: "Machos sind doch mega out. Ich will nicht so sein wie Rudi Assauer. Es hat nichts mit Härte zu tun, proletenhaft in der Presse herum zu schreien. Härte zeigt man durch konsequentes Handeln. Wenn man den Spielern klar sagt: Hier ist die Grenze, wenn die überschritten wird, hat das Folgen. Also vergessen Sie all diese Psycho-Märchen über mich. Die Wirklichkeit ist viel spannender."
Rudi Assauer entgegnet in der FR: "Ich habe mich über Andreas nie negativ geäußert. Ich bin sehr überrascht über diesen verbalen Angriff. Damit hätte ich nicht gerechnet. Dafür gibt es auch keinen Grund. Das ist sehr enttäuschend."
Werders abnorme Abhängigkeit von Diego
Beim 1:1 zwischen Werder und Mailand im Hinspiel des Uefa-Cup-Sechzehntelfinals kann sich Frank Heike (FAZ) nur an "Diegos Gala" erfreuen. "Nur ein einziger Profi", zählt Heike durch, "hat nachgewiesen, dass er lieber Champions League spielen würde: Diego." Andererseits will er eine "deutliche Leistungssteigerung Werders im Vergleich zur Bundesliga" gesehen haben und einen "verschenkten Sieg". Mailand sei ein "lethargischer Gegner gewesen, der mit vielen großen Namen auflief, aber nur sekundenweise großen Fußball zeigte".
Markus Lotter (Berliner Zeitung) konzentriert sich auf Bremens Schwächen: "Was bei Werder im Argen liegt, wurde von einer wohl organisierten und ballfertigen Mannschaft wie Milan an die Oberfläche gezerrt. Die Mannschaft zieht sich nach der ersten harmlosen Fehlleistung umgehend verschüchtert zurück und muss in Folge unglaublich viel Energie aufwenden, um über Zweikämpfe und Passspiel wieder zu sich zu finden. Fast bemitleidenswert, wie Clemens Fritz um Ruhe ringt, aber immer wieder von Panikattacken in einen Strudel aus Selbstzweifeln gerissen wird. Bedenklich auch, dass Werder und damit Schaaf in eine geradezu abnorme Abhängigkeit von Diego, Werders erstem Popstar, geraten ist."
Am schönsten bringt Bremens Abwehrspieler Per Mertesacker das Geschehen auf den Punkt: "Filipo Inzaghi taucht kaum auf, aber in den entscheidenden Szenen will der Ball zu ihm."
- Datum 20.02.2009 - 18:17 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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