Alles ausser Fussball "Ich liebe die Matroschka"Seite 2/2

ZEIT ONLINE: Hatten Sie schon mit Nazis oder ausländerfeindlichen Hooligans zu tun?

Beck: Nicht direkt, aber ich weiß, dass es das leider in deutschen Stadien gibt.

ZEIT ONLINE: Was glauben Sie, ab wann geht Nationalstolz zu weit?

Beck: Das ist schwer zu sagen. Es gibt beispielsweise im Fußball auch einen Nationalstolz, der nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun hat. Die Menschen stehen wegen der sportlichen Leistungen hinter dem Nationalteam. Viele Kinder und Jugendliche sind stolz, weil das Team so gut spielt. Sie sind stolz, die Hymne mitsingen zu dürfen.

ZEIT ONLINE: Wie stolz sind Sie auf Ihre russischen Wurzeln. Haben Sie eine Matroschka Zuhause?

Beck: Ja, klar, hier in meiner Wohnung stehen einige. Ich liebe die Matroschka. Meine Oma bringt mir immer eine mit. Das Zusammensetzen macht Spaß.

ZEIT ONLINE: Und sonst, was verbindet Sie heute noch mit Sibirien?

Beck: Das Essen zum Beispiel. Meine Mama macht den besten Borschtsch.

ZEIT ONLINE: Das müssen Sie erklären.

Beck: Es ist eine russische Suppe mit Roter Beete, Kartoffeln, Bohnen und Kochfleisch.

ZEIT ONLINE: Hört sich nach Eintopf an. Schmeckt?

Beck: Sehr gut! Ist aber eher wie eine klare Suppe, kein Eintopf.

ZEIT ONLINE: Sie kochen selbst?

Beck: Nein, ich koche nur Nudeln. Aber meine Mutter packt mir oft etwas ein.

Alles Außer Fußball

Alles außer Fußball ist die Kolumne von Katja Kraus, Corny Littmann, Thomas Hitzlsperger und Arne Friedrich. Alle zwei Wochen geben wir während der Bundesliga-Saison einem das Wort. Die vier sollen und wollen nicht das Tagesgeschäft kommentieren, klassische Fußballerkolumnen gibt es genug. Alles außer Fußball ist der Versuch, Fußballer Fußball als gesellschaftliches Phänomen betrachten zu lassen. Littmann, Hitzlsperger, Friedrich und Kraus wollen ihre Meinung sagen, beispielsweise zu den Herausforderungen der Bundesregierung, zum Alltag in der Bundesliga und darüber, wie das zusammenhängen kann.

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Die Gespräche mit Philipp Lahm, Thomas Hitzlsperger, Andreas Beck und Corny Littmann stehen Ihnen auch als E-Book nach dem Download jederzeit und überall zur Verfügung.

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ZEIT ONLINE: Borschtsch in der Tupperdose?

Beck: Klar, welche Mutter benutzt keine Tupperdosen? Manchmal kocht meine Mutter auch Fischkuchen. Das ist Blätterteig gefüllt mit Thunfisch, Zwiebeln und Kartoffeln, auch sehr lecker.

Das Gespräch führte Steffen Dobbert.

 
Leser-Kommentare
  1. Der Mann wohnt seit seinem dritten Lebensjahr in Deutschland und ist froh und glücklich, für sein Land spielen zu können.
    Der Interviewer muss ihn natürlich trotzdem fragen, ob er nicht lieber für Russland spielen will. Ist das nicht eine Beleidigung für Andreas Beck, weil damit unterschwellig seine (offensichtlich sehr erfolgreiche) Integration infrage gestellt wird und der Frager ihn als Ausländer abstempelt, der eigentlich nicht dazugehört? Gleichzeitig impliziert die Frage, dass ja alles in der Welt schöner wäre, als für Deutschland zu spielen.
    Kurzum die hirnrissige Message: Unser Land ist Scheiße und du gehörst eigentlich gar nicht dazu…
    Bei solchen Interviewfragen würde ich mir als Interviewpartner ziemlich verkohlt vorkommen (noch dazu die anderen belanglosen Fragen zur Hymne, zu Putins Politik, Matroschkas und Borschtsch, bei der der Frager seine Ignoranz offenbart).

  2. Ich verstehe diese implizite Selbstbeschimpfung in den Fragen auch nicht. Penetrant wird versucht, eine russische Zugehörigkeit zu verorten. Dass der Mann hier aufgewachsen ist und sich als Deutscher fühlt (wie ich auch seit meinem zweiten Lebensjahr), geht wohl nicht an.

    Und: Als Kind auf dem Bolzplatz habe ich natürlich auch davon geträumt einmal in der Nationalmannschaft zu spielen. Ich meine, dies dürfte der Normalzustand sein. Eher merkwürdig wären Kinder, die sich bereits als Weltbürger sehen.

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