Als der britische Premierminister Gordon Brown noch Schatzkanzler war, ließ er den Komponisten Edward Elgar auf der 20-Pfund-Note durch den Wirtschaftswissenschaftler Adam Smith ersetzen – nicht eben ein Zeichen der Wertschätzung für den Mann, der Land Of Hope And Glory geschaffen hat, die inoffizielle Hymne Englands. Dabei ist Elgar, der vor 75 Jahren starb, einer der wenigen britischen Komponisten, die über die Grenzen des Königreichs hinaus Bedeutung erlangt haben.

Elgar und der Erfolg lagen nicht gemeinsam in der Wiege. Er wurde am 2. Juni 1857 geboren. Sein Vater handelte mit Musikalien, stimmte Klaviere; der Flecken Lower Brodheath in den Malvern Hills bot einem Künstler keine großen Chancen. Die Grafschaft Worcestershire war damals schon eher für die gleichnamige Sauce berühmt als für kulturelle Höhepunkte.

Also hielt die musikalische Karriere Elgars sich zunächst in provinziellen Grenzen: Er lernte bei seinem Vater und örtlichen Lehrern Klavier und Geige und wurde – nach einem gescheiterten Versuch als Rechtsanwaltsgehilfe und mangels finanzieller Möglichkeiten für ein Studium – Geigenlehrer.

Mit 22 übernahm er die Leitung des Orchesters im Lunatic Asylum, dem Irrenhaus der Grafschaft – Musik war als fortschrittliche Form der Therapie für die Insassen gedacht. Elgar spielte als Geiger bei Festivals in Worcester und Birmingham in Orchestern, einmal von Antonín Dvořák dirigiert, und mit Freunden machte er Kammermusik. Er komponierte auch: leichte Musik vor allem, Polkas.

Erst in den 1880er Jahren kam Elgar aus England heraus, war auf dem Festland von der Musik Richard Wagners beeindruckt – und entwickelte Ambitionen. Er heiratete Alice Roberts, eine Dichterin und höhere Tochter. Sie ermutigte ihn, nach London zu ziehen; doch Elgar hatte in der Hauptstadt keinen Erfolg und kehrte zurück in die Grafschaft. In der Provinz erarbeitete sich der Komponist in den 1890er Jahren einen gewissen Ruf: mit den damals so beliebten biblischen Oratorien für Chorfestivals.