FC Bayern Das Projekt Klinsmann ist gefährdet
Jürgen Klinsmann droht in München zu scheitern – und mit ihm der gesamte FC Bayern, weil er sich seinem Trainer fast komplett unterworfen hat

© Miguel Villagran/Bongarts/Getty Images
Der Trainer sieht das Übel: Gegen den 1. FC Köln spielte Jürgen Klinsmanns Team biederen Durchschnitts-Bundesligafußball
An diesem Tag knatterten die Räder der Rollkoffer von Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm ohne Unterbrechung über den genoppten Boden der Interviewzone. Normalerweise nehmen die beiden sich nach Spielen des FC Bayern stets ein wenig Zeit, um ihre Sicht der Dinge öffentlich zu machen. Wer einmal ein ganz Großer beim FC Bayern werden will, darf die Interpretationshoheit nicht anderen überlassen. An diesem verflixten Tag aber sollten mal schön die anderen reden. So ähnlich dachte wohl auch Jürgen Klinsmann. Nach ein paar dürren Sätzen auf der Pressekonferenz rauschte auch der Trainer unaufhaltsam Richtung Stadionausgang. So hatte er es auch in Berlin getan, nach der zweiten von mittlerweile drei Niederlagen in der Rückrunde.
Also nahmen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge den größten Teil der Öffentlichkeitsarbeit nach der deprimierenden 1:2-Heimpleite gegen den 1. FC Köln auf sich. Sie waren peinlich bemüht, sich scharfe Töne zu verkneifen. Und doch rutschten ihnen Sätze heraus, die andeuten, dass sich etwas Ungutes zusammenbraut an der Säbener Straße. "Es gibt nichts mehr zu beschönigen", sagte Manager Hoeneß. Weiter ins Detail ging er nicht. Vorstandschef Rummenigge raunte: "Wir müssen jetzt schnell die Kurve kriegen, und wir müssen schauen, dass wir schon am Mittwoch damit anfangen."
Er meinte das Hinspiel im Champions-League-Achtelfinale gegen Sporting Lissabon. Die Partie ist nur die erste von drei brisanten Auswärtsspielen, die den Bayern in den nächsten eineinhalb Wochen bevorstehen. Es folgt das Ligaspiel in Bremen und danach die Pokalpartie in Leverkusen. Diese Spiele sind nun unversehens mit einer grundsätzlichen Bedeutung aufgeladen. "Ich weiß, ich werde an Ergebnissen gemessen", sagte Klinsmann am Tag danach. "Wir müssen nachlegen, aber richtig nachlegen." Sollte das nicht gelingen, steht das gesamte Klinsmann-Projekt auf der Kippe. Und damit droht dem Verein ein Erdbeben ungeahnten Ausmaßes, weil er sich dem großen Reformator so komplett unterworfen hat.
All die großen Reden vom Aufbau einer europäischen Spitzenmannschaft hallen im Moment nach wie ein schmerzhafter Tinnitus angesichts der Zwischenbilanz der Rückrunde: vier Spiele, drei Niederlagen. Ihren vorläufigen Tiefpunkt fand die Misere der Bayern gegen den 1. FC Köln. Disziplinierter – man könnte auch sagen: biederer Durchschnitts-Bundesligafußball – stellte die Bayern vor eine unlösbare Aufgabe. Fabrice Ehret und Daniel Brosinski erzielten locker-leicht den 2:0-Halbzeitstand für Köln. Daniel van Buytens Anschlusstreffer kam zu spät. "Wir stehen jetzt ein bisschen dumm da", sagte Jürgen Klinsmann. Uli Hoeneß verwies darauf, bei den Niederlagen in Hamburg und in Berlin habe man immerhin vernünftig gespielt. Für das, was gegen Köln los war, habe er aber "keine Erklärung".
Dass die Tabelle dank des kollektiven Gehumpels der Konkurrenz für die Bayern noch gnädig aussieht, beruhigt die Lage wenig. "Wir sollten nicht auf die anderen blicken, sondern auf uns", mahnte Rummenigge. Dieser Blick kann nur ungnädig ausfallen. Anders als bei der Anfangskrise in der Hinrunde haben die Bayern nun eine nach eigenem Bekunden perfekte Vorbereitung hinter sich und deshalb keine Weichzeichner mehr zur Verfügung. Wenn der Offensivwirbel einmal abflaut wie gegen Köln, tritt ungeschönt zutage, wie ungeordnet Klinsmanns Mannschaft auftritt. An Banalitäten wie taktische Disziplin fühlen sich nur wenige gebunden – und auch nicht immer. Das wirft entweder ein grelles Licht auf Klinsmanns pädagogische Defizite oder auf seine taktische Unbedarftheit – oder auf beides. Bisher wagt niemand, Klinsmann öffentlich und unmittelbar zu kritisieren.
Aber seine Ideen und seine Sturheit lösen Befremden im Verein aus. Gut illustrieren lässt sich das an der Personalie Landon Donovan. Als Klinsmann im Dezember den US-Amerikaner als Aushilfsspieler vorstellte, dachte noch niemand Böses. Aber schnell begann Klinsmann, Donovan zu einem Angreifer von internationaler Klasse emporzureden. Das erzeugte Skepsis. Skepsis, die Donovan in seinen Einsätzen keinesfalls widerlegt hat. Rummenigge machte dem Treiben ein Ende. Per Interview auf der Vereinshomepage verkündete er, dass Donovan keinesfalls für eine Millionenablöse verpflichtet werde. Klinsmann musste das als Schuss vor den Bug begreifen.
Zugleich ist diese Episode Hochleistungsdünger für die Zweifel, ob ein Radikalmodernisierer wie Klinsmann wirklich ein gedeihliches Auskommen mit den eher konservativ denkenden Bayern-Alphatieren Rummenigge und Hoeneß finden kann – oder ob die ganze Geschichte nicht doch ein großes Missverständnis ist.
- Datum 24.02.2009 - 10:18 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Nicht das Projekt Klinsmann ist gescheitert, sondern der FC Bayern scheitert an Klinsmann.
Zur Fußball WM setzte Klinsmann nicht nur auf eine alte Garde, sondern auch auf junge Spieler mit "Biss".
Beim FC Bayern setzt die Führungsriege nur aufs Geld und auf die Namen. Hier werden für Millionen von Euro teure Spieler eingekauft, die dann ihr Geld nicht einspielen, weil sie entweder auf der Bank sitzen und somit ohne Spielerfahrung bleiben oder eben aufgrund ihres Alters eben nur noch "müde" bei der Sache sind.
Wenn ein Klub scheitert, dann liegt es oft nicht nur am Trainer, sondern am völlig "überbezahlten" Ausschuss, der sich aber nicht nur auf dem Spielfeld tummelt.
Der FC Bayern sollte die Millionen, die jährlich verpulvert, lieber in die Nachwuchsarbeit stecken und seinem eigenen Nachwuchs die Chance geben, für den Verein in der ersten Bundesliga zu spielen. Motivation durch überbezahlte Spieler und ein sich ständig drehendes Spielerkarussell ist eben kein "Vereinsstolz". Diesen erreicht man nur dadurch, dass man auch "den jungen Wilden" einsetzt, der auch mal einen Fehler machen darf.
Geld allein macht noch keinen Meister, der in den letzten Jahren die Titel nur so abräumte, aber auch nur weil andere Vereine patzten.
Mein Urteil:
Klinsmann hätte nie zum FC Bayern gehen dürfen, sondern zu einem Verein, mit dem sich auch arbeiten lässt - und wenn es eine Kreisliga-Mannschaft wäre. Die sind jedenfalls offen für neue Ideen und ohne Arroganz.
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