MBA Crashkurse in Finanzkrise
Für Lehrende an Business Schools ist eine rasche Einordnung der Krise das Wichtigste. Der Zusammenbruch der Märkte eröffnet Studenten aber auch neue Perspektiven

© European School of Management and Technology
Studenten an der ESMT: Die Krise birgt auch Chancen
In der Wirtschaftskrise müssten sich Finanzprofessoren an Business Schools eigentlich wie Hamster im Rad fühlen. Jeden Tag neue Enthüllungen aus der maroden Finanz- und Kreditwirtschaft und Berichte von strauchelnden Unternehmen, die das anspruchsvolle MBA-Klientel auch gleich im Unterricht besprechen will. Jörg Rocholl, Finance-Professor an der Berliner European School of Management and Technology, bleibt angesichts der Turbulenzen gelassen. Die globale Krise will eingeordnet, erfasst und verstanden werden. Das ist seine Aufgabe.
Rocholl hat an der Kenan-Flagler Business School der University of North Carolina unterrichtet. Jetzt profitiert er von seinen engen Kontakten zu amerikanischen Business Schools, die bereits ihre Curricula ändern. Dort versucht man das klassische Bankwesen mit Themen wie Vermögensverwaltung wieder stärker in der MBA-Ausbildung zu berücksichtigen.
An der ESMT hat man schnell Sonderveranstaltungen organisiert, in denen die Absolventen der MBA-Programme Informationen zu den Größenordnungen der nationalen Rettungspakte oder den Entscheidungen der Zentralbanken erhalten. Eine Veranstaltung wurde im US-National Public Radio unter dem hübschen Titel "German Business Students Get Crash Course“ übertragen.
Die Krise bietet Rocholl vor allem Anschauungsmaterial für den Unterricht und für künftige Forschungen, zum Beispiel beim Thema Managervergütung. "Es wird mit Hochdruck an neuen Fallstudien gearbeitet. Das gibt Stoff für zehn Jahre“, sagt der Professor. Schon jetzt werden neue Akzente gesetzt: "Wenn die Banken weniger Kredite vergeben, wird die Eigenfinanzierung der Unternehmen wichtiger“, sagt Rocholl.
Das ist besonders für die ESMT-Studenten wichtig, die in Großunternehmen arbeiten und im Unterricht mit konkreten Fragen zur Finanzierung kommen. "Die Krise wird andere Akzente setzen und die Frage nach Themen wie ‚Responsible Leadership’ stärker werden lassen“, macht Rocholl deutlich.
Dass der Staat mit solcher Macht in die Wirtschaft eingreift, dürfte für die eher staatsfernen Business Schools gewöhnungsbedürftig sein. "Da kommt schon mal die Frage von Studenten, warum wir die Banken nicht gegen die Wand fahren lassen“, sagt Rocholl. Er erklärt dann, dass man es jetzt eben mit einer Notsituation zu tun habe. Das hat ja schon Commerzbank-Chef Martin Blessing, MBA-Absolvent der renommierten Chicago Graduate School of Business, lernen müssen, dessen Bank teilverstaatlicht wurde.
Staatliche Rettungsschirme sind auch für Michael Grote, Professor für Corporate Finance an der Frankfurt School oft Finance in Ordnung, weil die staatliche Hilfe vorübergehend sei. Die Business School ist auf den Bankensektor spezialisiert und bietet spezielle Master zum Thema "Banking“ und "Accounting and Taxation“ an sowie einen gemeinsamen MBA mit der Finance Academy in Moskau. Etwa 60 Prozent der Studenten arbeiten weiter in Banken und studieren berufsbegleitend.
Auch in Frankfurt wird eine Änderung der Curricula diskutiert. Grote sieht Themen wie Ethik und Verantwortung ausreichend vertreten, zumal an der Frankfurt School of Finance gleich zwei Philosophen unterrichten. Auch Bereiche wie Risikomanagement und Regulierung seien gut besetzt. Für ihn ist es wichtiger, dass die Studenten in den Studiengängen größere Wahlmöglichkeiten haben. Grote will die studierenden Bankmitarbeiter, die später vielleicht Führungskräfte werden, zum Nachdenken bringen, zum Beispiel über die Grenzen des Risikomanagements. Ihm geht es darum, dass sich die Studenten nicht blind auf mathematische Modelle verlassen. Er will sie dazu "erziehen, dass sie größere Zusammenhänge im Blick haben“.
Dass eine bessere Ausbildung eine Finanzkrise verhindern könnte, hält Grote jedoch für unwahrscheinlich: "Was uns jetzt zur Krise geführt hat, können wir zwar den Studenten vermitteln. Doch beim nächsten Mal werden dann eben andere Probleme auftreten.“
Markus Liebig, der gerade seinen zweiten MBA absolviert, diesmal den speziellen MBA für "Corporate Finance and Rating“ am Zentrum für Weiterbildung und Wissenstransfer der Universität Augsburg, sieht sich durch sein neues Fachwissen gut für seinen Job gerüstet. Der 34-Jährige arbeitet als Referent für Rechnungswesen in der Siemens AG. "Die Praxisbeispiele der Referenten zur aktuellen Finanzkrise machen den Kurs zu einem Erlebnis. Das hätte ein konventionelles BWL-Studium oder der MBA im General Management nicht in diesen Details vermitteln können“, sagt Liebig.
Fach- und Führungskräfte unter anderem aus den Bereichen Controlling, Finanzen und Rechnungswesen, alle mit langjähriger Berufserfahrung, nehmen an dem neuen berufsbegleitenden MBA teil, der 2007 startete und über zwei Jahre läuft. Themenbereiche sind Unternehmensfinanzierung, Rating und Risikomanagement.
Was auffällt: Nur zehn Teilnehmer haben den speziellen Corporate-Finance-MBA gewählt. Finanzen scheinen doch ein gefährliches Pflaster zu sein.
- Datum 20.02.2009 - 15:32 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Jörg Rocholl, Finance-Professor an der Berliner European School of Management and Technology, bleibt angesichts der Turbulenzen gelassen. Die globale Krise will eingeordnet, erfasst und verstanden werden. Das ist seine Aufgabe.
Seine Aufgabe waere eigentlich gewesen dass sowas nicht passiert. Gehen wir mal davon aus dass Professor ein Titel fuer einen Wissenschaftler ist. Daraus folgt dass Jörg Rocholl auch Wissenschaftler ist. Welche Ansprueche stellt man als Wissenschaflter an Wissenschaftler?
1. Hypothese
2. Experiment (Versuch der Falsifikation)
3. Falsifikation oder wieder 2.
Jetzt befindet sich Herr Professor Rocholl in der gleichen undankbaren Lage wie forschende Mediziner: Beide Gruppen muessten eigentlich Experimente am lebenden Objekt machen. Wie loesst man das Problem beim Mediziner? Natuerlich hohe ethische Barrieren, fragliche Hypothese duerfen nicht getestet bzw. praktiziert werden. Machts der Mediziner doch so wird er geteert und gefedert und findet sich hinter schwedischen Gardinen wieder.
Was machen Jörg Rocholl und Konsorten? Lehren ungetesteten Mist bzw. machen fragliche Experimente am lebenden Objekt und haben am Ende noch die Ruhe weg ihre Aufgabe derart umzudefinieren als waeren sie ein unbeteiligter Beobachter. Selbst wenn der Author diesen Sachverhalt ungluecklich ausgedrueckt hat so sollte man auch diese Verantwortlichen (Professor + [noch ein sinnloser Anglizismus]) durchs Dorf treiben.
Gruss,
pu
also muss der von den hochnäsigen Bankern ungeliebte Staat einspringen. Umso ärglicher als damit die sonnengottgleiche Leben gefährdert ist.
Diese epochale Zäsur ist bei den Bank-Granden immer noch nicht richtig angekommen.
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