MBA Crashkurse in FinanzkriseSeite 2/2

Staatliche Rettungsschirme sind auch für Michael Grote, Professor für Corporate Finance an der Frankfurt School oft Finance in Ordnung, weil die staatliche Hilfe vorübergehend sei. Die Business School ist auf den Bankensektor spezialisiert und bietet spezielle Master zum Thema "Banking“ und "Accounting and Taxation“ an sowie einen gemeinsamen MBA mit der Finance Academy in Moskau. Etwa 60 Prozent der Studenten arbeiten weiter in Banken und studieren berufsbegleitend.

Auch in Frankfurt wird eine Änderung der Curricula diskutiert. Grote sieht Themen wie Ethik und Verantwortung ausreichend vertreten, zumal an der Frankfurt School of Finance gleich zwei Philosophen unterrichten. Auch Bereiche wie Risikomanagement und Regulierung seien gut besetzt. Für ihn ist es wichtiger, dass die Studenten in den Studiengängen größere Wahlmöglichkeiten haben. Grote will die studierenden Bankmitarbeiter, die später vielleicht Führungskräfte werden, zum Nachdenken bringen, zum Beispiel über die Grenzen des Risikomanagements. Ihm geht es darum, dass sich die Studenten nicht blind auf mathematische Modelle verlassen. Er will sie dazu "erziehen, dass sie größere Zusammenhänge im Blick haben“.

Dass eine bessere Ausbildung eine Finanzkrise verhindern könnte, hält Grote jedoch für unwahrscheinlich: "Was uns jetzt zur Krise geführt hat, können wir zwar den Studenten vermitteln. Doch beim nächsten Mal werden dann eben andere Probleme auftreten.“

Markus Liebig, der gerade seinen zweiten MBA absolviert, diesmal den speziellen MBA für "Corporate Finance and Rating“ am Zentrum für Weiterbildung und Wissenstransfer der Universität Augsburg, sieht sich durch sein neues Fachwissen gut für seinen Job gerüstet. Der 34-Jährige arbeitet als Referent für Rechnungswesen in der Siemens AG. "Die Praxisbeispiele der Referenten zur aktuellen Finanzkrise machen den Kurs zu einem Erlebnis. Das hätte ein konventionelles BWL-Studium oder der MBA im General Management nicht in diesen Details vermitteln können“, sagt Liebig.

Fach- und Führungskräfte unter anderem aus den Bereichen Controlling, Finanzen und Rechnungswesen, alle mit langjähriger Berufserfahrung, nehmen an dem neuen berufsbegleitenden MBA teil, der 2007 startete und über zwei Jahre läuft. Themenbereiche sind Unternehmensfinanzierung, Rating und Risikomanagement.
Was auffällt: Nur zehn Teilnehmer haben den speziellen Corporate-Finance-MBA gewählt. Finanzen scheinen doch ein gefährliches Pflaster zu sein.

 

 
Leser-Kommentare
  1. Jörg Rocholl, Finance-Professor an der Berliner European School of Management and Technology, bleibt angesichts der Turbulenzen gelassen. Die globale Krise will eingeordnet, erfasst und verstanden werden. Das ist seine Aufgabe.

    Seine Aufgabe waere eigentlich gewesen dass sowas nicht passiert. Gehen wir mal davon aus dass Professor ein Titel fuer einen Wissenschaftler ist. Daraus folgt dass Jörg Rocholl auch Wissenschaftler ist. Welche Ansprueche stellt man als Wissenschaflter an Wissenschaftler?

    1. Hypothese
    2. Experiment (Versuch der Falsifikation)
    3. Falsifikation oder wieder 2.

    Jetzt befindet sich Herr Professor Rocholl in der gleichen undankbaren Lage wie forschende Mediziner: Beide Gruppen muessten eigentlich Experimente am lebenden Objekt machen. Wie loesst man das Problem beim Mediziner? Natuerlich hohe ethische Barrieren, fragliche Hypothese duerfen nicht getestet bzw. praktiziert werden. Machts der Mediziner doch so wird er geteert und gefedert und findet sich hinter schwedischen Gardinen wieder.

    Was machen Jörg Rocholl und Konsorten? Lehren ungetesteten Mist bzw. machen fragliche Experimente am lebenden Objekt und haben am Ende noch die Ruhe weg ihre Aufgabe derart umzudefinieren als waeren sie ein unbeteiligter Beobachter. Selbst wenn der Author diesen Sachverhalt ungluecklich ausgedrueckt hat so sollte man auch diese Verantwortlichen (Professor + [noch ein sinnloser Anglizismus]) durchs Dorf treiben.

    Gruss,
    pu

    • kkr
    • 23.02.2009 um 15:33 Uhr

    also muss der von den hochnäsigen Bankern ungeliebte Staat einspringen. Umso ärglicher als damit die sonnengottgleiche Leben gefährdert ist.

    Diese epochale Zäsur ist bei den Bank-Granden immer noch nicht richtig angekommen.

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