Hypo Real Estate Bund lehnt Flowers' Vorschlag ab

Der größte HRE-Minderheitsaktionär hat sich mit einer Dreiviertelmehrheit des Bundes einverstanden erklärt. Doch der Bund verlangt mehr Einfluss bei der Bank

Die Zentrale der Hypo Real Estate in München

Die Zentrale der Hypo Real Estate in München

Den Vorschlag des HRE-Großaktionärs J.C. Flowers, dass der Bund seinen Anteil an der Immobilienbank auf 75 Prozent plus eine Aktie aufstockt, hat das Bundesfinanzministerium am Dienstag abgelehnt. Flowers selbst hält ein knappes Viertel der Anteile. Der Staat will über den schwer angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate eine möglichst starke Kontrolle erlangen.

"Die Option, die den Anteil des Bundes lediglich auf 75 Prozent plus eine Aktie beschränken würde, ist für uns keine Option", sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums zu Flowers' Vorschlag. Nur ab 90 Prozent Anteilsbesitz könnte die Refinanzierungslage des Kriseninstituts nachhaltig verbessert werden.

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Der Grund: Erst dann kann sich die mittlerweile mit über 100 Milliarden Euro künstlich am Leben erhaltene Bank zu niedrigen Zinsen selbst Geld über den Markt besorgen, da sie praktisch als Bundestochter angesehen würde. Zudem sichert eine möglichst hohe Beteiligung die Finanzgarantien von mehr als 100 Milliarden Euro, die das Institut aus dem Bankenrettungsfonds des Bundes bereits erhalten hat.

Für den Bund würde sich zudem eine weitere Möglichkeit eröffnen: Ab einem Anteil von 90 Prozent könnte er die restlichen Aktionäre herausdrängen. Erforderlich wäre hierfür allerdings eine Gesetzesänderung.

Der Chef der gleichnamigen Investmentfirma, Christopher Flowers, hatte der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, dass er bei der HRE auf jeden Fall "an Bord bleiben" wolle, er einen Verkauf von Anteilen also ablehne. Er wäre aber damit einverstanden, wenn sein Anteil von derzeit einem Viertel im Zuge der Rettungsaktion sinke, indem der Staat über eine Kapitalerhöhung Aktien hinzukaufe. "Sollte es durch den Einstieg des Staates über eine Kapitalerhöhung zu angemessenen Konditionen zu einer Verwässerung von Flowers' Anteil kommen, würden die Investoren rund um Flowers das ohne Einwände hinnehmen", sagte er.

Damit könnte der Bund seinen Anteil auf 75 Prozent plus eine Aktie an der HRE aufstocken. "Alle Lösungen, die wir präsentiert haben, sehen vor, dass der Staat die Mehrheit an der HRE übernehmen kann", betonte Flowers.

Leser-Kommentare
  1. Seit September 08 erleben wir eine geradezu gespentische Theateraufführung um die HRE Holding nebst ihren Tochterunternehmen Depfa, HRE AG u.a.

    Ohne überhaupt zu wissen, wie es um die Aktiva und Passiva der Gruppe bestellt ist, stopft der Staat, sprich Steinbrück und Merkel, durch Kredite und Bürgschaften Geld in ein dunkles System.

    Fast wöchentlich kommen von der Holding neue Hiobsbotschaften; die Politik behauptet, ungetrübt von fundiertem Wissen, die Bankengruppe müßte gerettet werden - angeblich sei sie unverzichtbar.

    Und genau da liegt das Problem. Die Unkenntnis wird seitdem mit allerlei seltsamen Begriffen verschleiert; angeblich sei die HRE systemisch, was auch immer das bedeuten soll. Jedes Unternehmen ist immer Teil eines Systems, die HRE Teil des Investmentsystems zur Kreditierung von öffentlichen Einrichtungen. Wenn die HRE nicht mehr existieren würde, müßten eben andere Investmentbanken die Kredite bereitstellen - das ist alles.

    Angeblich werden beim Zusammenbruch die Pfandbriefe und Obligationen plötzlich wertlos - totaler Blödsinn. Diese Wertpapiere im Besitz von anderen Wirtschaftseinheiten sind dinglich besichert und haben einen Wert daraus, unabhängig vom Emittenden.

    Und die Anfeindungen gegen Flowers sind absolut nicht nachvollziehbar. Er hat am Markt Anteile der HRE erworben, hat dafür viel Geld bezahlt und kann diese Anteile nicht ohne Komplettverlust veräußern. Also behält er sie, um eventuell aus einem derzeit höchst unsicheren inneren Wert der Aktien heraus möglicherweise später etwas zu erwirtschaften. Das hat nichts mit Heuschrecken, Zocken oder Casinomentalität zu tun. Es ist sein erworbenes Recht!

    Allerdings ist es bar jeder ökonomischen Vernunft, wie unser Staat in die HRE und auch in diverse Landesbanken und in andere staatlichen Banken Geld hineinpumpt. Es sind unsere Steuergelder, die da wirklich verzockt werden! Wer braucht denn diese Banken, es sei denn der Staat selbst - diese Antwort wird vom Staat selbst verschleiert, indem man irgendein nebulöses Gemeinwohl vorschiebt und das als Hebel für Enteignungen nutzen will.

    Dieses Gemeinwohl sollten die Politiker mal ehrlich und offen erklären - dann löst es sich in Schall und Rauch auf.

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