Hypo Real Estate Flowers nennt Preis, Steinbrück lehnt ab

Der Großaktionär des angeschlagenen Immobilienfinanzierers HRE will drei Euro pro Aktie. Finanzminister Steinbrück ist skeptisch

Er könnte der erste Großaktionär sein, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland enteignet wird. Nach Tagen hat er sein Schweigen gebrochen – und bekräftigt, dass er sein Aktienpaket an der HRE nicht um jeden Preis verscherbeln werde. "Unsere Präferenz ist, unser Engagement bei der Hypo Real Estate weiterzuführen", sagte Christopher Flowers der Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Eine Lösung, die er gemeinsam mit der Politik erarbeitet, bei der der Staat die angestrebte Mehrheit erhalte und die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt werden, sei nach wie vor denkbar, sagte Flowers. Dies sei "bei Weitem weniger komplex und kostspielig sowie mit weniger rechtlichen Unsicherheiten behaftet als eine Enteignung". Seine Investorengruppe kontrolliert knapp 24 Prozent der HRE-Anteile. Der Bund will die HRE übernehmen, um das für die Finanzbranche wichtige Institut vor dem Zusammenbruch zu retten.

Anzeige

Von der Bundesregierung verlangt Flowers im Falle des Ausstiegs eine Entschädigung, die sich an dem Aktienkurs orientieren soll, der in den zwei Wochen vor dem Aufkommen der Verstaatlichungsgerüchte am 8. Januar gegolten habe: "Hier sprechen wir über knapp drei Euro pro Aktie." Flowers hatte bei seinem Einstieg 22,50 Euro für die HRE-Aktie bezahlt. Am Donnerstagnachmittag lag der Kurs bei 1,64 Euro.

Flowers bot der Bundesregierung Gespräche zur Zukunft der überschuldeten Bank an. In einem Schreiben an die beteiligten Ministerien in Berlin und an den Chef des Rettungsfonds Soffin, das der Zeitung vorliegt, zeigte sich Flowers verwundert darüber, dass die Bundesregierung keine weiteren Gesprächstermine mehr angeboten habe. "Enttäuscht sind wir aber vor allem über den Umstand, dass keine alternativen Szenarien zur Diskussion gestellt und auch keine Termine für weitere Gespräche angeboten wurden", habe Flowers dem Bericht zufolge geschrieben.

Finanzminister Peer Steinbrück äußerte sich wenig später zurückhaltend über den von Flowers genannten Preis. "Der Punkt ist, dass wenn Flowers ein solcher Preis angeboten wird, auch allen anderen Aktionären dieser Preis angeboten wird, und damit sind wir gegebenenfalls in Sphären, die weit über die augenblickliche Börsenkapitalisierung des Unternehmens hinausgehen", sagte der Minister. Und da müsse man sich die Frage stellen, ob man das öffentlich und den Steuerzahlern rechtfertigen kann, so Steinbrück.

Der Finanzminister plädiert für eine Kontrollmehrheit des Bundes von mindestens 75 Prozent plus einer Aktie bei der HRE. Das Bundeskabinett verabschiedete vor Tagen ein Gesetz, das als letzte Möglichkeit für eine Verstaatlichung von angeschlagenen Banken eine Enteignung vorsieht. Das Gesetz ist auf den Fall HRE ausgerichtet und soll daher nur befristet gelten. Die Wirtschaft hat diesen Schritt heftig als Tabubruch kritisiert.

Leser-Kommentare
  1. ...und warum sind die Kurse an der Börse plötzlich nicht mehr der Massstab der Dinge...?

    Erheiternd wie sich auch die Grosskapitalisten auf einmal nicht mehr mit liberalisierten Märkten abfinden wollen... aber vom ganzen grossen Rest der Gesellschaft wurde genau das über mehr als 20 Jahre hinweg so konsequent eingefordert wie sonst nicht's mehr...

    Bereits jetzt sind die Kapitalgeber mit ihren diversifizierten "Investments" die übrigbleibenden Gewinner dieser Wirtschaftskrise auch wenn sich die Anzahl bzw. das Vermögen der Milliardäre und Millionäre etwas verringert hat... Besitzer und Kontrolle über grosse Teile des Globalen Vermögens sind diese Leute nach wie vor...

    Die haben bisher noch keinen Cent von ihren Reichtümern zur Verfügung gestellt um mitzuhelfen diese Krise zu kontrollieren und überwinden. Einzig die Steuerzahler, aktuelle und zukünftige, wurden bis heute geschröpft...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

  2. Wieso kann (soll) eine Bank enteignet bzw. finanziert werden, während ein Teil der Banker und Unternehmer mit ihren erzockten Millionen (Milliarden?)ungeschoren davon kommen. Im Gegenteil, sie fordern weitere Milliarden zur Unterstützung ihrer runtergewirtschafteten Unternehmen, erhalten oder bestehen auf Bonis. Warum können die erzockten Vermögen nicht wieder dahin fließen, wo sie herkommen. Was an Gesetze geschaffen werden kann, zeigt sich aktuell in der Enteignungsmöglichkeit der HRE.

    • NoG
    • 20.02.2009 um 9:29 Uhr
    3. teil 2

    "Die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtete unterdessen, dass die HRE Geschäfte in Milliarden-Höhe getätigt habe, die nicht in der Bilanz auftauchen. Diese Deals seien zum Teil hochspekulativ gewesen. Zusammen mit der offiziellen Bilanzsumme von etwa 400 Milliarden Euro ergebe sich eine Summe von knapp einer Billion Euro, die die Bank laufend mit neuen Krediten refinanzieren müsse."

    sollte da was dran sein, gibt es eine menge verantwortlichkeiten auch in der politik aufzuklaeren.
    oder herr funke wird mit maulkorb und umringt von mehreren nebelkerzen ueber jeden marktplatz der republik gezerrt, bis dieser hre-drecksladen als das werk von 1,2 verantwortungslosen managern in die geschichte eingeht.
    das glaubt doch mittlerweile nicht mal mehr der groesste naivling.
    wozu haben wir eine bankenaufsicht?

  3. 1. Ich möchte gern mal wissen, warum die Bank für das System so unverzichtbar ist, dass man eine Pleite nicht riskieren kann.
    2. Haben Kommunen und Länder soviel Gelder investiert, dass unser ganzes politisches System ins Rutschen geraten könnte?
    3. Die FDP schreit auf allen Kanälen: >Enteignung<. Ich hab da mal eine Frage. Sie kommen aus einer Spielbank und haben ihr komplettes Eigentum verspielt, sind sie dann enteignet worden, oder sind sie nicht selbst dafür verantwortlich? Wo nichts mehr ist, gibt es auch keine Enteignung.
    4. Kapitalistenweisheit von Friedrich Flick. Wo ich mit meinem Gels hineingehe, will ich auch das Sagen haben. Soviel Verantwortung muss man auch der Regierung zutrauen. Ob das Herr Hundt, Brüderle und vergleichbare Schreihälse nicht ebenso sehen?
    5. Raus mit der Wahrheit, der Bürger kann mehr ertragen als großpolitische Schwätzer, am liebsten haben sie Wissensgleichstand.

    • etiam
    • 20.02.2009 um 10:01 Uhr

    Lieber Herr Steinbrück,
    ich möchte Sie bitte, dass Sie meine durchschnittlichen 1200€ (von den 100Mrd), sowie die weiteren 3600€, mit der ich und meine Familie für HRE bürgen müssen, sofort abziehen. Nach marktwirtschaftlichen Kriterien ist dies eine sinnlose Investition meiner(!!) Steuergelder in eine Bank, die dem Steuerzahler nicht gehört und ihm auch nicht zu Marktpreisen angeboten wird. Meine ENTEIGNUNG widerspricht den Gesetzen des freien Marktes, an die Sie Herr Westerwelle, allerdings im völlig verdrehten Kontext, erinnert hat. Ich bin sicher, dass die meisten meiner Steuerzahlerleidensgenossen ihr Geld auch zurückhaben wollen. Wenn dann morgen (viel länger wird es kaum dauern) die HRE insolvent ist, gebe ich Ihnen bereitwillig dieses Bürge zurück, nachdem Sie selbstverständlich den ganzen Laden vom Insolvenzverwalter für einen Euro (von mir also ein achtzigmillionstel Euro) gekauft haben. Sollten Sie psychologische Auswirkungen einer HRE Insolvenz auf den Markt fürchten, können Sie ja gerne diesen Schritt verbindlich vorher zusichern, das schafft sicher das nötige Vertrauen! So funktioniert Marktwirtschaft und in einer solchen leben wir doch, oder?
    Vielen Dank für Ihr Einsehen, dass der ungefragte Steuerzahler nicht enteignet werden möchte!

    • gquell
    • 20.02.2009 um 10:53 Uhr

    Ich würde die HRE in Insolvenz gehen lassen, einen versierten Insolvenzverwalter einsetzen ( nein, keinen Banker einer Privatbank! ) und das Unternehmen abwickeln.
    Dann kann z.B. die Deutsche Pfandbriefbank abgetrennt werden. Danach ist zu entscheiden, welche Forderungen bedient werden müssen und welche nicht. Das kostet den Steuerzahler weniger als das bisherige Verfeuern von Steuergeldern.
    Eine vernünftige Insolvenz ist besser als eine Enteignung. Eigentlich müßte doch jeder Aktionär der HRE Insolvenzantrag stellen können, schließlich ist sein Investment in Gefahr.

    • otmars
    • 20.02.2009 um 11:22 Uhr

    Der Gedanke der Enteignung setzt voraus, das es etwas gibt, das man enteignen kann. Aber der Laden ist pleite und sorry Totalverlust gehört zum Risiko des Aktionärs. Bei der HRE ist es nur so, das die Kommunen und die Länder sich über Pfandbriefe refinanzieren und das Pfandbriefe als die sicherste Anlage neben dem Sparbuch für Kleinanleger gelten. Wieweit man den Laden pleite gehen lassen kann und die profitablen Teile in einer andern Bank weiterführen kann, müsste geprüft werden. Ich halte das für einen Guten Vorschlag. Ein Witz ist es das diese HRE als Staatliche Pfandbriefanstalt privatisiert wurde und diese Privatisierung als Großer Erfolg gewertet wurde. Bahn AG könnte in diesem Sinne der nächste Großerfolg werden wie Telekom und Postbank. Aber wir liberalisieren weiter und privatisieren weiter der Steuerbürger zahlt ja.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Chali
    • 20.02.2009 um 11:30 Uhr

    ... denn er kann nicht enteignet werden. Seines Ersparnisse, seines Vermögens beraubt - das schon. Aber das ist keine Enteigung, das ist Sozial-Politik.

    • NoG
    • 20.02.2009 um 11:33 Uhr

    die zugekaufte hre-tochter...

    http://www.stern.de/wirts...

    • Chali
    • 20.02.2009 um 11:30 Uhr

    ... denn er kann nicht enteignet werden. Seines Ersparnisse, seines Vermögens beraubt - das schon. Aber das ist keine Enteigung, das ist Sozial-Politik.

    • NoG
    • 20.02.2009 um 11:33 Uhr

    die zugekaufte hre-tochter...

    http://www.stern.de/wirts...

    • Chali
    • 20.02.2009 um 11:30 Uhr

    ... denn er kann nicht enteignet werden. Seines Ersparnisse, seines Vermögens beraubt - das schon. Aber das ist keine Enteigung, das ist Sozial-Politik.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service