Anti-Terror-Kampf USA geben Truppenbestellung auf
Die auch in Deutschland erwartete Anfrage aus Washington nach mehr Soldaten für Afghanistan ist nun da. Aktueller Anlass ist die Präsidentschaftswahl im August
Berlin hat bereits die vorübergehende Entsendung von 600 Soldaten angekündigt. 200 davon sollen die Abstimmung absichern, sagte Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und die 3500 schon in Afghanistan stationierten Soldaten für drei bis vier Monate verstärken. Wie lange die übrigen 400 Soldaten in Afghanistan bleiben sollen, ließ Jung offen. Auch Italien hatte weitere 500 Soldaten zugesichert.
Doch US-Verteidigungsminister Robert Gates will mehr. Er forderte unmittelbar vor Beginn der Tagung der Nato-Verteidigungsminister in Krakau die europäischen Nato-Staaten zur Entsendung von weiteren Soldaten nach Afghanistan und zu mehr zivilen Wiederaufbauanstrengungen auf. "Unsere Erwartung ist, dass auch die Verbündeten mehr tun."
Gates verwies darauf, dass Präsident Barack Obama bereits 17.000 zusätzliche amerikanische Soldaten nach Afghanistan entsendet, um den Aufstand der radikal-islamischen Taliban einzudämmen. Die USA wollten vor allem um vorübergehende Truppenverstärkungen vor der für August geplanten Präsidentenwahl in Afghanistan bitten, sagte Gates auf dem Flug nach Krakau.
Längerfristiges Engagement der Verbündeten müsse aber nicht immer militärische Hilfe sein, sagte Gates auch. Auch verstärkte Anstrengungen, um eine bessere Regierungsführung in Afghanistan zu erreichen, die Polizei auszubilden, die Korruption und den Drogenhandel zu bekämpfen sowie den Rechtsstaat zu festigen, seien nötig. "Es wird eine Menge über einen vernetzten Ansatz in Afghanistan gesprochen. Und wir brauchen wirklich mehr Hilfe im zivilen Bereich", sagte der US-Verteidigungsminister.
Probleme gibt es genug: Das Land am Hindukusch ist noch immer die Quelle für 90 Prozent des illegal verbreiteten Opiums weltweit, heißt es im Jahresbericht des UN-Suchtkontrollrats INCB, der am Donnerstag in Wien vorgelegt wurde. Insgesamt bescheinigen die Drogenexperten der Vereinten Nationen den internationalen Bemühungen um eine Eindämmung des Phänomens in Afghanistan in dem Report nur "geringe Fortschritte".
Gates forderte erneut den Einsatz der Schnellen Eingreiftruppe der Nato (Nato Response Force/NRF). Mehrere Nato-Staaten, darunter auch Deutschland, haben dies bisher abgelehnt.
Die NRF war ursprünglich auf eine Sollstärke von 25.000 Soldaten ausgelegt, hatte diese aber selbst bei ihrer offiziellen Indienststellung im November 2006 nicht erreicht. Künftig soll es nur noch einen Kern der Truppe geben, der bei Bedarf rasch ergänzt werden kann. Eine detaillierte Planung gibt es dafür noch nicht.
- Datum 19.02.2009 - 18:10 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa/Reuters
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