Internet und Jugend Sternzeichen Google

Jugendliche verbringen viel Zeit im Internet – und ihre Eltern machen sich Sorgen. Ein Buch will erklären, wie die digitale Generation denkt, lebt und arbeitet

Da sind die Pessimisten. Sie sagen, das Internet verderbe unsere Jugend mit Pornos und Zerstreuung, mache die Dummen dümmer und die Schlauen auch nicht schlauer, weil diese unter einem digitalen Meinungstsunami beerdigt würden. Und sie seufzen der guten alten Zeit hinterher, als man noch Briefe mit Füller schrieb und die Fleuropgrüße persönlich überbrachte.

Auf der anderen Seite, da stehen die bedingungslosen Optimisten, die jeder technischen Kleinstentwicklung gebannt folgen und sie als Revolution bejubeln, die unser Leben verändern werde. Sie sind nicht besser als die Pessimisten, sie gehen ihrem Umfeld bloß lieber damit auf die Nerven, ständig von neuen "Gadgets" und Netzwerken zu sprechen anstatt vom Kulturverfall, wie es die Pessimisten tun.

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An den Möglichkeiten, Problemen und Weiten des Internets scheiden sich noch immer die Geister, groß und klein, jung und alt. Die Internetskepsis ist mittlerweile so durchgegähnt, und: Sie ist oft eine Altersfrage. Das Internet hat eine Kluft zwischen die Generationen geschlagen, und sie wächst und wächst. John Palfrey und Urs Gasser versuchen, sie zu schließen. Ihr Buch Generation Internet will erklären, wie diejenigen leben, die im Sternzeichen Google geboren wurden.

Zwei Professoren, einer aus Harvard, der andere aus St. Gallen. Aus persönlichen Gesprächen und wissenschaftlichen Studien, einer insgesamt großen Quellenvielfalt, trugen sie ihr Buch zusammen, das sich grundlegenden Fragen zum Web 2.0 widmet. Identität, Sicherheit, Kreativität, Qualität, Gefahren. Eine Annäherung an die so genannten digital natives, die Menschen, die wie selbstverständlich zwischen online und offline hin und her streunen.

Freilich unterscheide sich deren Leben von dem ihrer Eltern. Musik kaufen sie – wenn überhaupt – bei iTunes, Kontakte pflegen sie über Facebook statt per Telefon, sie vergraben sich in ihren Zimmern, vor den Bildschirmen, und ihre Eltern sehen sie den ganzen Tag nicht mehr. Das soziale Leben der Jugend sei nicht deswegen tot, bloß umgezogen. Vom Café ins Virtuelle. Und dort, sagen die Autoren, gelten dieselben Verhaltensregeln.

Wo viele Skeptiker im vermeintlichen Chaos des Netzes einen jugendverschlingenden Moloch sehen, weisen Palfrey und Gasser auf die Chancen hin, die der Jugend dort geboten würden. Auf die Möglichkeit, sich auszuprobieren. Auf identitätsbildende Experimente in Internetforen und die Auswahl an Identifikationsangeboten. Das Prinzip des Trial and Error, das jede Pubertät begleite, könne im virtuellen Raum besser erprobt werden.

Leser-Kommentare
  1. Wann begreift eigentlich auch mal der letzte Autor das Bücher über Generationen nicht mehr funktionieren (eigentlich nie funktioniert haben). Sowas gibt es einfach nicht mehr. @Autor: Denken sie nach, überarbeiten sie ihr Buch und nennen sie es "Das Google Zeitalter" - das klingt genau so toll und passt wenigstens.

  2. Ich lasse mir meinen wohlverdienten Kulturpessimismus doch nicht ausgerechnet durch Juristen vermiesen - selbst wenn sie aus Harvard oder St. Gallen kommen! Unsere Unfähigkeit mit dem Kulturwandel "sorgsam" umzugehen, zeigt sich ja schon am guten alten Fernsehen, welches trotz nie für möglich gehaltener Blödheitsrekorde jeden Tag Millionen in seinen Bann schlägt.

  3. Wer Jugendliche aus dem Digitalzeitalter verstehen will, wer wissen will, wie sie ticken, was sie begeistert und was sie beschäftigt, sollte mit ihnen sprechen, sich auf sie einlassen, statt über sie zu lesen.

    Im Übrigen sollten sollten die Medienkritiker auch daran denken, dass Zeitungen und Bücher ebenfalls Medien sind.

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