Internet und Jugend Sternzeichen GoogleSeite 2/2

So sei es lobenswert, dass sich eine Netzkunst entwickelt habe. Auf Seiten wie YouTube erprobten Nutzer neue künstlerische Ausdrucksformen, eine Kultur des sogenannten Rip, Mix and Burn: Man bearbeitet und kombiniert vorhandene Inhalte. Die ersetze jedoch nicht die originäre Kreativität des Menschen, sie sei die Erweiterung, im noch rechtsfreien Raum. Künstlerisch sei das meiste kaum der Rede wert, schreiben die Autoren. Indes: In Zukunft würden wir dort einige außergewöhnliche Werke sehen können. Dieser verhaltene Optimismus der Autoren ist angenehm, weil sie den problemorientierten Ansatz nicht vergessen. Wann immer es um ein Spielfeld der digital natives geht, werden die Risiken erörtert und ihre Bedeutung.

Ein großes Kapitel widmet sich der Informationsüberflutung. Die digital natives seien zwar früh daran gewöhnt, täglich einen Berg aus E-Mails, Blogs und Forumsbeiträgen zu lesen – doch junge Menschen, die sich gerade in der Welt zurechtfinden müssen, stoßen damit häufig an ihre Grenzen. Aufgabe der Pädagogik sei es, Handlungsmuster zu entwickeln, um die Jugendlichen auf diese Informationsexplosionen vorzubereiten. Die autonome Entscheidungsfähigkeit werde im Internet stärker gefordert als je zuvor.

Diese Aspekte betreffen nicht nur die digital natives, sondern alle, die sich tagtäglich im Internet bewegen. Man darf sich durch den etwas unglücklichen, fast anthropologisch klingenden Buchtitel nicht fehlleiten lassen. Datenschutz, Nackedei-Seiten, digitale Fußabdrücke, Urheberrechte – die 13 Kapitel des Buchs leuchten in die uns oft undurchsichtig erscheinenden Verästelungen der digitalen Welt.

Und auch wenn die Autoren gelegentlich in einen leicht großväterlichen Jugend-von-heute-Gestus verfallen, ist ihnen doch ein ausgewogenes Grundlagenwerk gelungen. Denn es schildert nicht die neuesten, aktuellsten Trends, sondern spricht die soziokulturellen und auch rechtlichen Veränderungen an, die die Digitalisierung unserer Gesellschaft mit sich bringt. Vielleicht könnte es einige Pessimisten besänftigen und die bedingungslosen Optimisten vorsichtiger machen. Auf jeden Fall zeigt es uns eins: Der Kulturwandel ist längst da. Jetzt müssen wir nur noch lernen, sorgsam mit ihm umzugehen.

 
Leser-Kommentare
  1. Wann begreift eigentlich auch mal der letzte Autor das Bücher über Generationen nicht mehr funktionieren (eigentlich nie funktioniert haben). Sowas gibt es einfach nicht mehr. @Autor: Denken sie nach, überarbeiten sie ihr Buch und nennen sie es "Das Google Zeitalter" - das klingt genau so toll und passt wenigstens.

  2. Ich lasse mir meinen wohlverdienten Kulturpessimismus doch nicht ausgerechnet durch Juristen vermiesen - selbst wenn sie aus Harvard oder St. Gallen kommen! Unsere Unfähigkeit mit dem Kulturwandel "sorgsam" umzugehen, zeigt sich ja schon am guten alten Fernsehen, welches trotz nie für möglich gehaltener Blödheitsrekorde jeden Tag Millionen in seinen Bann schlägt.

  3. Wer Jugendliche aus dem Digitalzeitalter verstehen will, wer wissen will, wie sie ticken, was sie begeistert und was sie beschäftigt, sollte mit ihnen sprechen, sich auf sie einlassen, statt über sie zu lesen.

    Im Übrigen sollten sollten die Medienkritiker auch daran denken, dass Zeitungen und Bücher ebenfalls Medien sind.

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