G-20-Gipfel in Berlin Die Banker müssen gezähmt werden

Wie ist die internationale Finanzkrise zu bekämpfen? In Berlin haben sich die europäischen G-20-Staaten abgestimmt. Doch durch ihre Hilfen könnten neue Probleme entstehen

Regulierung, Kontrolle, Aufsicht – das sind die Worte der Stunde. Lange Zeit waren vor allem Briten und Amerikaner überzeugt, diese Worte hätten in der Wirtschaft im Allgemeinen und auf den Finanzmärkten im Besonderen nichts zu suchen. Nun haben die Briten am Sonntag einer Erklärung der wichtigsten EU-Länder zugestimmt, die ausdrücklich mehr Regulierung und Aufsicht fordert – eine historische Zäsur.

Dass die Europäer sich – auch dies ein Signal des Gipfels von Berlin – grundsätzlich über neue Regeln einig sind, ist wichtig und gut. Zu lange konnten die sogenannten Schattenbanken im aufsichtsfreien Raum agieren. Zu lange konnten Manager Milliarden um den Globus schieben, ohne selbst auch nur einen Teil des Risikos zu tragen. Nun kommt es auf zwei Dinge an: Machen die Amerikaner mit? Und wie sehen die Regeln am Ende tatsächlich aus?

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Die erste Frage wird spätestens am 2. April beim Weltfinanzgipfel in London beantwortet. Der neue Präsident Barack Obama hat erste Signale gegeben, die Hoffnung machen, wenngleich einige Republikaner die USA lieber auf Konfrontationskurs zu Europa sähen. Die Antwort auf die zweite Frage ist komplizierter. Die Übereinkunft, man brauche Regeln, reicht nicht aus. Es kommt auf die Details an. Und bei deren Ausgestaltung sind die Staaten gut beraten, sich an grundlegenden Prinzipien zu orientieren, statt sich einem ungezügelten Regulierungswahn hinzugeben. 100-prozentige Kontrolle kann es ohnehin nicht geben: Wo es Regeln gibt, ist der Verstoß gegen sie schon ein neues Geschäftsmodell.

Das Motto darf deshalb nicht sein, möglichst viel zu verbieten, sondern möglichst kluge Anreize für verantwortungsbewusstes Handeln zu setzen. Dabei geht es zum einen um Transparenz. Nur wenn Banken und Hedgefonds endlich alle Risiken offenlegen, kann das Vertrauen in die Finanzmärkte zurückkehren. Zudem ließe sich so auch ein Frühwarnsystem gegen weitere Krisen schaffen. In diese Richtung zielt etwa der Vorschlag der Bundesregierung, eine Risiko-Weltkarte einzuführen, auf der immer dann Alarm geschlagen wird, wenn sich irgendwo die Probleme ballen.

Zum anderen muss auf den Finanzmärkten endlich gelten, was für jeden Familienunternehmer in Deutschland gilt: das Prinzip der Haftung. Wer riskante Geschäfte macht, muss auch dafür geradestehen, wenn sie schiefgehen. In der Finanzwelt war dieses elementare Prinzip der sozialen Marktwirtschaft über Jahre hinweg außer Kraft gesetzt. Die Banken vergaben Kredite und reichten sie mitsamt dem Ausfallrisiko einfach weiter. Die Investmentbanker verdienten damit Milliardenprovisionen. Dass die dahinterstehenden Kredite irgendwann platzen würden, konnte ihnen egal sein. Sie mussten ja nicht dafür haften. Und die Boni hatten sie schon kassiert.

Dass es so nicht weitergehen kann, ist offenbar auch den EU-Staaten klar. Viele ihrer Vorschläge gehen zumindest in die richtige Richtung. Doch sie müssen aufpassen, dass sie nicht an anderer Stelle neue Probleme schaffen. Denn auch durch die Staatshilfen, wie sie die großen EU-Länder derzeit ihren Banken gewähren, wird den Managern die Haftung abgenommen. Es entsteht die gefährliche Gewissheit, dass der Staat im Zweifelsfall ohnehin einspringt. Wer dies vermeiden will, der muss klarmachen, dass das staatliche Engagement nur ein Engagement auf Zeit sein kann – und dann endlich Private die Verantwortung übernehmen müssen.

 
Leser-Kommentare
  1. Was die "Aufsicht" bisher geleistet hat ist mehr als fragwürdig. Wenn sie denn ihrer Verpflichtung nachgekommen wäre hätte die Finanzkrise zumindest in diesem Ausmaß nicht stattgefunden. Wer will denn was kontrollieren und wie soll den die Haftung aussehen wenn nicht nachgewiesen werden kann, dass Missbrauch stattgefunden hat?

    Es muss eine internationale Zulassung für Finanzinstrumente geben. Das heißt, es dürfen nur Finanzinstrumente gehandelt werden, die offiziell zugelassen sind. Dann kann ein Missbrauch nachgewiesen werden und eine Haftung erfolgen.

    Seit den letzten 15 Jahren sind synthetische Finanzinstrumente wie Channel-Options kreiert worden, die Spielbank-Charakter haben.

    Kontrolle und Aufsicht ja, aber nur wenn es eine Zulassungsverordnung gibt.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

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    Wie währe es mit Whitelists für Finanzinstrumente ohne hier im Sinne von Kreativ diese auch noch interpretieren zu dürfen... Alles was dort nicht explizit aufgelistet ist, ist nicht erlaubt...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

    Wie währe es mit Whitelists für Finanzinstrumente ohne hier im Sinne von Kreativ diese auch noch interpretieren zu dürfen... Alles was dort nicht explizit aufgelistet ist, ist nicht erlaubt...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

  2. Soziale Marktwirtschaft ? Definition Bitte !

    Regeln, jawohl sieht so aus wie wenn liberales Gedankengut und liberale Praktiken nicht unbedingt übereinstimmen. Schade eigentlich... Auch ich bin kein Freund von immer mehr Gesetzen. Ich bin aber auch kein Freund von denen die ihr ganzes Leben lang glauben listiger und intelligenter zu sein als der grosse Rest nur weil diese sich über aktuelle Moral und Gepflogenheiten hinwegsetzen... und dies noch hämisch Grinsend bei Sekt und Kaviar feiern dürfen...

    Danke, diese Art von Leuten sind leider zu nicht's mehr nützlich asl für sich selber.

    Was nun noch fehlt sind tatsächlich konrekte Massnahmen welche auch den Menschen dienlich sind und nicht nur für die Investoren welche ja primär die Nutzniesser dieser G20 Sitzungen sein werden. Auch davon habe ich in den vergangen +20 Jahren genügen erhalten... meist zu meinen Ungunsten...

    Fragt sich was generell zuerst auf der Traktandenliste stehen sollte. Die Bewohner von Europa oder die Investoren. Beide haben grundsätzlich konträre Ansichten was die Prioritäten im leben anbelangt und sind deshalb nicht oder nur schlecht kompatibel...

    Investoren, also Kapitaleigentümer können schnell mal per tel. die gewünschtne Summen aus ihrer Steueroase verschieben/abziehen. Die Menschen aber die in Europa leben und arbeiten können das nicht so hne weiteres... Zu neuen Regeln und deren Verständnis gehört also zukünftig auch einen andere Art von Verständnis was ein Investor nebst Rendite und Profitstreben an zusätzlichen Verantwortlichkeiten wahrnehmen muss.

    Zudem, hier wird auch immer wieder mal gerne auf den Boni und CEO Salären rumgehackt. Ganz modern ist das geworden... aber die falsche Richtung. Dabei ist nicht zu vergessen welche Summen die Aktionäre/Firmeninhaber/Investoren mit ihren Rendite und Profitforderungen aus Unternehmen abziehen. Um X Faktoren höher als die im vergleich lächerlichen Boni über die so viel geredet wird...

    Speziell dafür fehlt also garantiert ein Traktandum für das nächste G20 Treffen. Die obszönen Renditeforderungen für die alles andere aufgegeben wurde... Den Preis dafür haben die Arbeitnehmer bezahlt, schlussendlich aber wir alle...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

  3. Wie währe es mit Whitelists für Finanzinstrumente ohne hier im Sinne von Kreativ diese auch noch interpretieren zu dürfen... Alles was dort nicht explizit aufgelistet ist, ist nicht erlaubt...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

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    Die Interpretation muss natürlich vorher erfolgen. Und es könnte noch eine Unterscheidung geben zwischen Instrumenten die nur zwischen Banken gehandelt und solchen, die auch privaten Anlegern angeboten werden dürfen.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

    Die Interpretation muss natürlich vorher erfolgen. Und es könnte noch eine Unterscheidung geben zwischen Instrumenten die nur zwischen Banken gehandelt und solchen, die auch privaten Anlegern angeboten werden dürfen.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

  4. Die Interpretation muss natürlich vorher erfolgen. Und es könnte noch eine Unterscheidung geben zwischen Instrumenten die nur zwischen Banken gehandelt und solchen, die auch privaten Anlegern angeboten werden dürfen.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

  5. Die drei auf dem Photo sollten sich an ihre eigene Nase fassen. Sie haben jahrelang nichts gesehen, nichts gehört, aber viel geredet. DIE sollen jetzt alles umfassend regeln? Gott bewahre!

  6. Für mich hat es den Anschein, dass mit jeder Finanzspritze die "Luftgelder" (jene, denen kein Wert entgegensteht) für die Zeit nach der Krise legitimiert werden. Auch bei denen, die uns die Krise in unverantwortlicher Weise eingebrockt haben und für die die Gesetze aktuell keine Haftung vorsehen. Das Geld bleibt da wo es ist, erfreut seinen Besitzer und der Steuerzahler muß dafür aufkommen.

    Das kann es doch nicht sein!

  7. Keiner hat bisher die Deutsche Bank auf die Finger geklopft? Sie DB hat an vielen Banken die Schrottpapiere aus Amerika mit Gewinn verklopft. Dies ging auch noch so weiter, als sie schon längst gewußt hatten, dass die Dinger faule Eier sind. Bei der IKB war die DB auch noch so dreist, dass sie der Bank den Schrott verkauft hat und sie dann wegen der bewußten Schwierigkeiten öffentlich hingehängt ha, ohne nicht auch noch zusätzlich an den fallenden Kursen der IKB Geld zu verdienen. Eine ganz dreckige Art im Geschäftsleben unter deutschen Banken!

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