Subkultur und NeonazisHardcore ist jetzt rechts

Wie man aus einer linken Musikrichtung eine rechte Marke macht: Der Begriff "Hardcore" gehört nun einem Neonazi von 

Rechts frisst links: Dass Neonazis sich zunehmend einer Symbolik bedienen, die aus der linken Szene stammt, ist bekannt. Auf den ersten Blick sind Anhänger der gegensätzlichen Lager oft kaum auseinanderzuhalten. Kleidung, Frisur, Accessoires, ja, sogar ihre Sprüche gleichen sich. Längst hören sie auch ähnliche Musik. Allein wer auf die Texte achtet, erkennt den feinen Unterschied.

Hardcore ist eine Musikrichtung, die sich aus dem linken Punk entwickelt hat. Wie der Name schon sagt, geht es da hart und schnell zur Sache. Ein Assoziationsraum, den auch Neonazis gern besetzen.

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Wie die taz berichtet, hat sich jetzt der Rechtsradikale Timo Schubert den Namen im Deutschen Markenregister sichern lassen. Er spielt Schlagzeug in der Nazi-Rockband Agitator und vertreibt über das Internet rechte Kleidung und Accessoires. Schubert darf nun Hemden, Becher, Schlagstöcke exklusiv mit dem Schriftzug "Hardcore" bedrucken und alle anderen Nutzer des von ihm urheberrechtlich geschützten Begriffs verklagen.

Freilich regt sich Widerstand auf der linken Seite. Plattenfirmen, Musiker und Journalisten wollen gegen die Markeneintragung klagen. Sie sehen in ihr einen konkreten Versuch, die linke Musikszene zu schädigen. Außerdem ließe sich durch die Sicherung des Namens viel Geld verdienen.

Aber es wird eng: Die Widerspruchsfrist läuft in wenigen Wochen ab. Fraglich ist außerdem, ob die Behörden ein "absolutes Schutzhindernis" für den Begriff geltend machen. Denn nur so bliebe Hardcore weiterhin ein freier Musikstil.

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Leserkommentare
  1. 1. witzig

    Da dürften ja einige Gebüren aus der Pornobranche anfallen =)

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    andrerae trifft's auf den Punkt.

    • mahun
    • 25. Februar 2009 14:47 Uhr

    Man muss scharf trennen zwischen echten Gesinnungstätern, die sind im Zweifel auch nicht an solchen äußeren Merkmalen zu erkennen, und zwischen jugendlichen Provokateuren.
    Ich bin 22 und die Generation meiner Eltern sind eben diese 68er, ich hab die auch immer wieder an dieser Stelle gereizt und damit gespielt als Teenie. Nicht mit rechtsextremen Zeug aber zB indem ich weiterhin in den "Reli" Unterricht ging obwohl die mich in Ethik stecken wollten und so weiter. Es gibt nichts mit dem man die typischen 68er Eltern eben so schocken kann wie mit rechtsradikalem Zeug. Man MUSS, so wenig Verständnis man selbst für so ein Verhalten haben mag, einfach diese Unterscheidung treffen. Aus den meisten dieser vermeintlichen Skinheads werden in paar Jahren ganz normale Erwachsene. Gewaltbereitschaft und Ablehnung von gesellschaftlichen Normen sind bei diesen "Skins" auch nicht größer als zB bei den Punks in den 80ern - als deren Eltern eben zum großen Teil noch stock konservativ waren und man mit vermeintlich "linksextremen" Dingen am besten schockieren konnte. Auch aus denen wurden ganz normale Erwachsene.

    Und als drittes, es gibt unter Schwulen eine große Gemeinschaft aus Leuten die "Skins" und diese ganzen Klamotten und die Musik als Fetisch mögen - aber gänzlich unpolitisch dabei sind.

  2. Schon Hitler rühmte sich, den Kommunisten das Rot der Fahnen und die Massenaufmärsche "geklaut" zu haben. Mit einem Schuss "sozialistischer" Rhetorik konnte er enttäuschte Sozialisten aller Variationen (auch SPDler!) für seinen "National-Sozialismus" gewinnen. 1934 war dann aber Schluss mit dem "Sozialismus", alles "linke" in der NSDAP wurde liquidiert.

    Die selbe Strategie verfolgt die "Neue Rechte". Soziale Themen werden besetzt, die Antifa-Bewegung optisch nachgeamt. Wie ernst die "Capitalism kills"- und "Revolution"-Plakate gemeint sind, wird anhand der Lösungsvorschläge aber klar: Das "System" soll dadurch gerettet werden, alles "Fremde" aus dem deutschen Volkskörper auszuschließen. Von echtem Antikapitalismus keine Spur.

    Hoffen wir, dass diesmal nicht so viele auf die "nationalrevolutionäre" Täuschung reinfallen und der subkulturelle Rechtstextremismus weiterhin isoliert bleibt.

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    • johaupt
    • 25. Februar 2009 16:01 Uhr

    ... so ist das in repräsentativen Systemen, man kann lügen wie man will, Hauptsache man kommt an die Macht. Auch die Gegner dieses Systems, wissen seine eklatanten Schwächen zu nutzen. Leider hat man nach dem 2.WK nichts daraus gelernt, sondern dieses System sogar noch verschärft und jeden Nothalt für's Volk komplett abmontiert. In der Weimarer Republik gab es nämlich noch Volksentscheide (und Begehren?), auch wenn die unfair waren und eher Alibicharakter hatten.

  3. 4. lustig

    andrerae trifft's auf den Punkt.

    Antwort auf "witzig"
    • johaupt
    • 25. Februar 2009 16:01 Uhr
    5. Tja...

    ... so ist das in repräsentativen Systemen, man kann lügen wie man will, Hauptsache man kommt an die Macht. Auch die Gegner dieses Systems, wissen seine eklatanten Schwächen zu nutzen. Leider hat man nach dem 2.WK nichts daraus gelernt, sondern dieses System sogar noch verschärft und jeden Nothalt für's Volk komplett abmontiert. In der Weimarer Republik gab es nämlich noch Volksentscheide (und Begehren?), auch wenn die unfair waren und eher Alibicharakter hatten.

    Antwort auf "Alte Taktik..."
  4. Wieso kann man sich ein Wort wie "Hardcore" überhaupt schützen lassen? Sollte der Staat da nicht klug genug sein um sowas nur als Word-Bild Marke zuzulassen? Andererseits ist ja "Tempo" auch geschützt, also wieso reg ich mich überhaupt auf...

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    • keox
    • 15. August 2009 21:13 Uhr

    Schutz- und verwertbare Patentrechte dienen einzig politischen und wirtschaftlichen Interessen.

    Daß auch Domains ihre Namen mitunter wegen 'übergeordeneter wirtschaftlicher Interessen' abgeben müssen ist auch nix Neues.

    Ebenso wenig wie die 'Patentierung' von potenziell heilkräftigen Pflanzen, ihrer Wirkstoffe.

    Zurück zu den neuen Faschisten, folgende Links postete ein Mitkommentator

    Möglicherweise befördert es die Einordnung dieser Entwicklung

    http://www.guardian.co.uk...

    http://www.guardian.co.uk...

    http://www.bentham-open.o...

    • wobster
    • 25. Februar 2009 16:10 Uhr

    Die Ähnlichkeiten sind nicht herbeigeführt. Die gab es schon immer. Das liegt einfach daran, dass Rechts- und Linksextremismus beiderseits Horte für gesellschaftliche Tiefflieger sind. Somit ist es auch ein Leichtes aus einem Linken einen Rechten zu machen. Nicht umsonst wurde Die Linke schon als national (optionales Leerzeichen/und) sozialistisch bezeichnet. Herr Mahler z.B. hat ja auch eindrucksvoll gezeigt, wie gering die Energieleistung lediglich sein muss, um das andere Ufer zuerreichen. Hitler war schließlich auch das passende Deckelchen zum Stalintopf.

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    der Stalins mit den Hitlers liegt darin, dass beiden ein tieferes Verständnis des von ihnen kritisierten Systems Kapitalismus fehlte. Sowohl die Stalinisten als auch die Hitleristen personifizierten ihre Kritik, reagierten sich an Feindbildern ab. Eine vulgäre Kapitalismuskritik ist tatsächlich eine Gemeinsamkeit dieser Strömungen.

    Allerdings ist es flach, von Überläufern wie Mahler auf Bewegungen zu schließen - schließlich sind auch aus ganz anderen Parteien Leute "übergelaufen". Auch aus dem liberalen/konservativen Spektrum. Denken Sie an das Zentrum, die DVP und andere Weimarer Parteien.

    ...

    Nicht umsonst wurde Die Linke schon als national (optionales Leerzeichen/und) sozialistisch bezeichnet.

    Es hieß allerdings: "national sozial". Das war reine Propagandaarbeit des Herrn M. und außerdem peinlich, da auch seine Partei nur eine nationale Politik betreibt.

    Wobster, sie machen es sich recht einfach: Man nehme einen gesellschaftlichen Tiefflieger, der rechts/linksextrem ist und bezeichne alle Rechts- und Linksextremen als gesellschaftliche Tiefflieger. Wenn ich Ihnen jetzt einen Linke-Funktionär zeige, der gebildet und souverän und gesellschaftlich anerkannt ist, dann ist der "gar nicht richtig extrem", nicht?

    Daß Mahler rechtsextrem wurde, zeigt überhaupt nicht, daß das für die Linken einfach wäre. Ganz genausowenig, wie die erfolgreiche 8-lingsgeburt neulich zeigt, daß dies für eine Frau einfach wäre. Und schauen Sie mal an, wer die Linke als "national (optionales Leerzeichen/und) sozialistisch" bezeichnet - ich kann ganz gut ein Huhn als Kamel bezeichnen, davon wird es keines.
    Theo Rem

  5. der Stalins mit den Hitlers liegt darin, dass beiden ein tieferes Verständnis des von ihnen kritisierten Systems Kapitalismus fehlte. Sowohl die Stalinisten als auch die Hitleristen personifizierten ihre Kritik, reagierten sich an Feindbildern ab. Eine vulgäre Kapitalismuskritik ist tatsächlich eine Gemeinsamkeit dieser Strömungen.

    Allerdings ist es flach, von Überläufern wie Mahler auf Bewegungen zu schließen - schließlich sind auch aus ganz anderen Parteien Leute "übergelaufen". Auch aus dem liberalen/konservativen Spektrum. Denken Sie an das Zentrum, die DVP und andere Weimarer Parteien.

    ...

    Nicht umsonst wurde Die Linke schon als national (optionales Leerzeichen/und) sozialistisch bezeichnet.

    Es hieß allerdings: "national sozial". Das war reine Propagandaarbeit des Herrn M. und außerdem peinlich, da auch seine Partei nur eine nationale Politik betreibt.

    Antwort auf "Ähnlichkeiten"
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    • wobster
    • 25. Februar 2009 16:31 Uhr

    ist einfach ein schönes Beispiel. Einzelfall oder nicht. Ideologisch umstellen musste er faktisch sich nicht. Nur neue Schnürsenkel kaufen.
    Die mühelose gegenseitige Adaption von Riten ist nicht von der Hand zu weisen, was der Artikel hier ja auch bestätigt.
    Ich hatte nicht die Absicht hier Die *trommelwirbel* Systemfrage zu stellen. Fakt ist, dumme Leute brauchen einfache Wahrheiten (und einfache Kultur). Ob jetzt mit dem Deutschlandlied, der Internationalen oder Rumgekreische ist gehopst wie gesprungen.

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Recht | Accessoire | Behörde | Internet | Musiker | Musikrichtung
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