Subkultur und NeonazisHardcore ist jetzt rechts

Wie man aus einer linken Musikrichtung eine rechte Marke macht: Der Begriff "Hardcore" gehört nun einem Neonazi von 

Rechts frisst links: Dass Neonazis sich zunehmend einer Symbolik bedienen, die aus der linken Szene stammt, ist bekannt. Auf den ersten Blick sind Anhänger der gegensätzlichen Lager oft kaum auseinanderzuhalten. Kleidung, Frisur, Accessoires, ja, sogar ihre Sprüche gleichen sich. Längst hören sie auch ähnliche Musik. Allein wer auf die Texte achtet, erkennt den feinen Unterschied.

Hardcore ist eine Musikrichtung, die sich aus dem linken Punk entwickelt hat. Wie der Name schon sagt, geht es da hart und schnell zur Sache. Ein Assoziationsraum, den auch Neonazis gern besetzen.

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Wie die taz berichtet, hat sich jetzt der Rechtsradikale Timo Schubert den Namen im Deutschen Markenregister sichern lassen. Er spielt Schlagzeug in der Nazi-Rockband Agitator und vertreibt über das Internet rechte Kleidung und Accessoires. Schubert darf nun Hemden, Becher, Schlagstöcke exklusiv mit dem Schriftzug "Hardcore" bedrucken und alle anderen Nutzer des von ihm urheberrechtlich geschützten Begriffs verklagen.

Freilich regt sich Widerstand auf der linken Seite. Plattenfirmen, Musiker und Journalisten wollen gegen die Markeneintragung klagen. Sie sehen in ihr einen konkreten Versuch, die linke Musikszene zu schädigen. Außerdem ließe sich durch die Sicherung des Namens viel Geld verdienen.

Aber es wird eng: Die Widerspruchsfrist läuft in wenigen Wochen ab. Fraglich ist außerdem, ob die Behörden ein "absolutes Schutzhindernis" für den Begriff geltend machen. Denn nur so bliebe Hardcore weiterhin ein freier Musikstil.

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Leserkommentare
    • wobster
    • 25. Februar 2009 16:31 Uhr

    ist einfach ein schönes Beispiel. Einzelfall oder nicht. Ideologisch umstellen musste er faktisch sich nicht. Nur neue Schnürsenkel kaufen.
    Die mühelose gegenseitige Adaption von Riten ist nicht von der Hand zu weisen, was der Artikel hier ja auch bestätigt.
    Ich hatte nicht die Absicht hier Die *trommelwirbel* Systemfrage zu stellen. Fakt ist, dumme Leute brauchen einfache Wahrheiten (und einfache Kultur). Ob jetzt mit dem Deutschlandlied, der Internationalen oder Rumgekreische ist gehopst wie gesprungen.

    Antwort auf "Die Gemeinsamkeiten"
  1. Wobster, sie machen es sich recht einfach: Man nehme einen gesellschaftlichen Tiefflieger, der rechts/linksextrem ist und bezeichne alle Rechts- und Linksextremen als gesellschaftliche Tiefflieger. Wenn ich Ihnen jetzt einen Linke-Funktionär zeige, der gebildet und souverän und gesellschaftlich anerkannt ist, dann ist der "gar nicht richtig extrem", nicht?

    Daß Mahler rechtsextrem wurde, zeigt überhaupt nicht, daß das für die Linken einfach wäre. Ganz genausowenig, wie die erfolgreiche 8-lingsgeburt neulich zeigt, daß dies für eine Frau einfach wäre. Und schauen Sie mal an, wer die Linke als "national (optionales Leerzeichen/und) sozialistisch" bezeichnet - ich kann ganz gut ein Huhn als Kamel bezeichnen, davon wird es keines.
    Theo Rem

    Antwort auf "Ähnlichkeiten"
    • mypart
    • 25. Februar 2009 21:51 Uhr

    Die Nazis versuchen ja schon länger die Hardcore-Szene zu unterlaufen, daher ja auch Aktionen wie "Good Night White Pride" und aktuell "Let's Fight White Pride" vollkommen schaffen werden sie es nie, glücklicherweise gibt es ja auch heute noch genug Oi- und S.H.A.R.P-Skins die dem Nazipack gerne mal zeigen wo der Hammer hängt.

  2. Sind Begriffe, die Kunstgattungen und Genres bezeichnen, überhaupt schützbar?
    Wenn ja, dann könnte ja jeder kommen.
    Wenn nein, dann sollte der Markeneintrag anfechtbar sein.

  3. Mann,macht mich das wütend.Das die verdammten Rechten alles zerstören wofür wir linken Hardcore-hörer stehen.oh nein ich hab Hardcore gesagt jetzt werd ich bestimmt verklagt,oh nein schon wieder hab ich Hardcore gesagt.Ich kann es einfach nicht lassen.Mann Mann Mann,Diese Rechten machen sich sooooo derbe lächerlich!!

  4. es gibt auch andere Firme die sich das Wort Hardcore haben schützen lassen. So gibt es auch eine Spraydosen Hersteller Firma aus Spanien die derzeit über einen Münchner Anwalt kleine Versandhändler die mit Hardcore T-Shirts handeln Verklagt obwohl diese garnichts mit ihrer Szene und ihren Artikeln zu tun haben wir gehen davon aus das das Geschäft mit den Spraydosen schlecht läuft und man so versucht sich die Taschen zu füllen, auf anfragen unsererseits hat das Unternehmen bis heute nicht geantwortet, das ist mindestens genau so schlimm und verlangt nach sofortigem handeln. Wir wehren uns !!!!

    • keox
    • 15. August 2009 21:13 Uhr

    Schutz- und verwertbare Patentrechte dienen einzig politischen und wirtschaftlichen Interessen.

    Daß auch Domains ihre Namen mitunter wegen 'übergeordeneter wirtschaftlicher Interessen' abgeben müssen ist auch nix Neues.

    Ebenso wenig wie die 'Patentierung' von potenziell heilkräftigen Pflanzen, ihrer Wirkstoffe.

    Zurück zu den neuen Faschisten, folgende Links postete ein Mitkommentator

    Möglicherweise befördert es die Einordnung dieser Entwicklung

    http://www.guardian.co.uk...

    http://www.guardian.co.uk...

    http://www.bentham-open.o...

  5. Wir haben für unseren Mandanten, der ebenfalls Inhaber einer u.a. in Klasse 25 (Bekleidungsstücke, Schuhe, Kopfbedeckungen) eingetragenen Marke ist, Widerspruch gegen die Marke des Herrn Schubert eingelegt. Dieser Widerspruch war erfolgreich; die Marke des Herrn Schubert wurde vollständig gelöscht.

    B. Diem
    Rechtsanwalt und Fachanwalt
    für gewerblichen Rechtsschutz

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Recht | Accessoire | Behörde | Internet | Musiker | Musikrichtung
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