Haustauschferien Fast wie daheim

In Zeiten der Finanzkrise ist auch die Urlaubskasse schmal. Eine Alternative zu teuren Hotels sind Ferien bei anderen Leuten zu Hause - im Tausch mit dem eigenen Heim

Schlüssel

Mein Haus ist dein Haus, jedenfalls für eine Weile - Für die Zeit des Urlaubs die Wohnungen zu tauschen, kann viel Geld sparen

Sigrid und Ekkehard Kreft genießen ihren Ruhestand. Für das pensionierte Ehepaar bedeutet Genießen vor allem: Reisen. Rund drei Monate im Jahr sind sie unterwegs. Und das geht auch bei einer guten Rente ins Geld. Vor zehn Jahren wagten sie deshalb erstmals einen Haustausch und meldeten sich bei einem internationalen Verein als Mitglieder an. Um herauszufinden, ob es wirklich funktioniert, tauschten sie zunächst über ein langes Wochenende mit einer Familie in Holland ihr Haus in Dülmen, Münsterland.

Der Versuch verlief positiv, das reisefreudige Ehepaar wurde mutig: Der nächste Tausch führte sie nach Australien. Seither haben die beiden 68 und 69 Jahre alten Pensionäre 41 Haustausche erlebt, sie waren in Neuseeland, auch in Kanada, Amerika, Südafrika und vielen europäischen Ländern. Eben waren sie in Mexiko, im April geht’s nach Aix-en-Provence. Damit gehören die Krefts zu den aktivsten Mitgliedern des Vereins.

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"Eine gewisse Aufgeschlossenheit muss man mitbringen,“ meint Sigrid Kreft. "Wer Angst hat, dass jemand Fremdes in seinem Bett schläft, sollte diese Art von Urlaub lieber sein lassen“, lautet ihr Rat.  Wer dagegen Vertrauen, Flexibilität und Mut mitbringt, sich auf Ungewohntes einzulassen, kann schöne Ferien verbringen, denn "günstig Urlaub machen bedeutet nicht unbedingt primitiv.“ Nur einmal, bei einem Haustausch in Amerika, wäre sie "am liebsten auf der Türschwelle umgekehrt“. Das Haus sei "schmutzig und unaufgeräumt und schlichtweg furchtbar“ gewesen.

Die Krefts haben den anstehenden Tausch sofort rückgängig gemacht, die deutsche Zentrale in Kenntnis gesetzt. Nach einer Nacht, in der Sigrid Kreft kein Auge zumachte, wurden sie am nächsten Tag von einer Tauschfamilie ihres Vereins abgeholt, die ihnen ein anderes Haus vermittelte. Trotz dieses negativen Erlebnisses bleiben die beiden begeisterte Haustauscher. Denn neben einer Unterkunft zum Nulltarif schätzen die beiden das Leben mitten in einer anderen Umgebung. "Man fühlt sich in die Gemeinschaft integriert und bekommt viel mehr von der jeweiligen Kultur mit.“

Die nächsten Reiseziele der Krefts stehen bereits fest. Aber wer will denn schon sein Haus mit einem in Dülmen tauschen? Man kann sich für Deutschland-Touristen doch sicher attraktivere Ziele vorstellen? Sigrid Kreft widerspricht: "Tauschpartner sind sehr an Deutschland interessiert. Vor allem Australier oder Neuseeländer. Die kommen nicht wegen der Landschaft. Die kommen wegen der Kultur.“ Und dafür nehmen sie auch lange Fahrzeiten innerhalb des Landes in Kauf.

Wobei wir beim Auto sind. Ein heikles Thema für Ekkehard Kreft. Dass ein Fremder in seinem Bett schläft, ist das eine, doch ihn hinter das Steuer seines Autos zu lassen, "da waren anfangs doch gewisse Ängste vorhanden“. Inzwischen vertraut das Ehepaar seinen Gästen aber auch das Auto an – und nutzt seinerseits das Auto der Tauschpartner.

Beim Haustausch ist die Umgebung wichtiger als das Haus. Dass der Standard nicht immer dem eigenen entspricht, muss in Kauf genommen werden, "Hauptsache das Bett, Küche und Bad sind sauber“, sagt Sigrid Kreft. Wichtig sei auch eine gewisse Flexibilität bei der Länderwahl. Und es beruhige die Nerven, wenn man die Gäste vom Flughafen abholt und sich bei einem gemeinsamen Essen kennenlernt, bevor man selbst auf Reisen geht.

Haustausch funktioniert nur mit gegenseitigem Vertrauen. Garantie oder Absicherung gibt es keine. Und das scheint erstaunlich gut zu funktionieren. "Bislang gab es nur zwei Fälle, in denen jemand aus der Datenbank herausgenommen werden musste“, sagt Manfred Lypold, seit 1977 Vorsitzender des deutschen Ablegers des Vereins Homelink.

Homelink International ist nach eigenen Aussagen das weltweit größte Haustausch-Netzwerk und versammelt auf seiner Website rund 13.500 Inserate in 75 Ländern. In 24 Ländern stehen Ansprechpartner zur Verfügung, 1000 Mitglieder zählt der Verein in Deutschland. "Beschwerden kommen sehr selten vor,“ sagt Lypold. Wenn doch, gehe es meist um den Haushaltstandard, sprich die Sauberkeit. Schäden sind in der Regel durch Hausrat- und Haftpflichtversicherung abgedeckt. Wer sicher gehen will, sollte sich das allerdings vorher vom Versicherer schriftlich bestätigen lassen.

Leser-Kommentare
  1. 1. (...)

    (entfernt. Bitte verzichten Sie auf Schleichwerbung. Die Redaktion/jk)

  2. Also mein Mann und ich sind echte Liebhaber von Haustausch und konnten auf diese Art und Weise schon sehr viele Länder kennenlernen ohne gross auf die Kosten zu achten. Es gibt viele seriöse Anbieter im Internet, man sollte sich einfach mal trauen, im schlimmsten Fall kann man ja immer noch in ein Hotel ziehen.........lol......

    Liebe Grüsse, probiert es doch einfach einmal aus,
    Carmen Valdez
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