Irrwitz der Woche Gold, Franken und Kaminöfen

Mark Spörrles Nachbar weiß sehr genau, wie man durch die Wirtschaftskrise kommt

Neulich sprach mich ein Nachbar im Innenhof an: "Sag mal, kannst du eigentlich boxen, Karate oder gut schießen?"

"Äh, nein", ächzte ich, "eher weniger ..."

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"Hm", sagte er. "Kennst du dich wenigstens mit dem Bau von Funkgeräten aus?"

"Ich habe es noch nie versucht", sagte ich. "Warum?"

"Warum?", er sah mich ungläubig an, "liest du keine Zeitung? Die Krise !"

"Beruhige dich", sagte ich, "es wird nicht so schlimm werden. Die Politik tut  ..."

Mein Nachbar warf die Arme in die Höhe. "Die Politik!", heulte er auf. "Du weißt doch so gut wie ich, dass Politiker machtlos sind! Und wenn die nächsten Kreditblasen platzen, wenn dann das weltweite Finanzsystem kollabiert und unsere Währung in den Untergang reißt, dann ist das Chaos nicht mehr aufzuhalten: Die Banken schließen, Lebensmittel, Öl und Gas werden knapp, Banden werden plündernd durch die Städte ziehen. Es wird ein Rückfall in die Steinzeit – die 30er Jahre, die Zeit nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, die verlorene EM, all das wird nichts sein dagegen!"

Ich schwieg erschüttert. Bislang hatte ich meinen Nachbarn, er hat eine kleine, nicht sehr erfolgreiche Kaminofenfirma, für einen besonnenen, realistischen Menschen gehalten.

Er schlug mir auf die Schulter.

"Wir haben eine Chance", sagte er – "aber wir müssen uns gut vorbereiten. Habt ihr Vorräte?"

"Nun ja", sagte ich. "Ein paar Nudeln..."

"Fahrt zum Großmarkt", befahl mein Nachbar. "Sofort. Kauft Vorräte für sechs bis acht Wochen. Wir installieren hier im Haus eine zentrale Filteranlage, in die wir das Regenwasser leiten. Lutz aus dem Erdgeschoss macht sich gerade schlau, wie man so ein Ding baut. Einen Stromgenerator haben wir auch schon bestellt. Ach übrigens: Du solltest wieder anfangen zu laufen, der Kondition wegen. Und habt ihr nicht doch Waffen in der Familie?".

Leser-Kommentare
  1. ... dummerweise werden die meisten Menschen immer von Extremsituationen überrascht, weil sie im normalen Alltag unvorstellbar wirken. Wurde nicht auch Noah mit seiner Arche verlacht (so es ihn gegeben haben sollte)?

    Da ist Vorbereitung sicher nicht der falscheste Weg, man muss es ja nicht übertreiben, aber niemand kann sagen was noch kommt. Die Krise 1929 gipfelte letztlich im 2.WK und die jetzige ist mit Sicherheit erst an ihrem Anfang. Eigentlich muss man sogar hoffen, dass alles zusammenbricht, all die Schulden verzinst zurückzahlen zu müssen wird ganz bestimmt auch kein Zuckerschlecken.

    Meine Prognose?:
    Konkurs der hoch (in festen Währungen) verschuldeten Oststaaten oder weitere zu stemmende Milliardenberge (von uns zu bezahlen)

    oder wahlweise

    Dollarcrash vs. USA Staatsbankrott

    Mal sehen was passiert. Am besten ... nichts.

  2. Danke für den äusserst realistischen Bericht "Zusammenhalt in Zeiten der Finanzkrise". Mit der "Abwrackprämie für Öfen" von Söder hat "Die Zeit" allerdings den Satirebogen weit überspannt. So etwas kann doch selbst Herrn Söder im wirklichen Leben nicht einfallen. Aber nein...

    Peter Arnold
    Oberschwaben

    • iboxa
    • 20.02.2009 um 23:16 Uhr

    Dolle Geschichte. Nur das mit den goldgefüllten Alukoffern nehme ich dem Autor nicht so ganz ab. Denn wenn er dermaßen steinreich ist bräuchte er nicht groß nach Handwaffen fragen sondern könnte sich recht locker nen Panzer oder ähnliche Utensilien in den Hof stellen. Mit dem Restgold wären die Koffer dann immer noch schwer genug.

  3. Ich freue mich schon auf den ersten Artikel von Herrn Spörrle nach dem Big Bang und schlage den Titel vor "Man konnte es ja nicht kommen sehen!" :)

  4. der Beitrag ist ein wenig bemüht Zwangsoptimistisch
    und Zwangslustig

    Die Menschen haben ob des Finanzdesasters echte Probleme
    und die Versuche , die Verursacher des Desasters auch zu den Lösern des Desasters zu machen läßt eine optimistische Sicht kaum zu .

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