Rezession in Japan "Wir müssen unabhängiger werden"
Japans Wirtschaft rutscht ab wie zuletzt 1974, der Nikkei ist auf Talfahrt. Was lehrt das? Ein Gespräch mit Risaburô Nezu vom Fujitsû-Research-Institute in Tokio
ZEIT ONLINE: Herr Nezu, im vierten Quartal ist die japanische Wirtschaft abgerutscht, stärker noch als die USA und Europa. Was wurde bei Ihnen falsch angefasst?
Nezu: Japans Wirtschaft ist enorm exportabhängig. Und unsere Exporte beschränken sich im Wesentlichen auf zwei Güter: Autos und Unterhaltungselektronik. Wir verkaufen diese Produkte vor allem in Europa, in den USA und in einigen asiatischen Märkten. Deshalb trifft es Japan so hart, wenn die Nachfrage in den USA einbricht, weil die Konsumenten dort den Kauf solch langlebiger Güter wie eines neuen Autos scheuen.
ZEIT ONLINE: Wie stark ist der Einfluss des Wechselkurses? Der Yen ist stark, das verteuert die japanischen Exporte.
Nezu: Ja. Der Kurs ist zwar zuletzt gesunken, unsere Währung ist aber weiterhin stark. Heute ist der Yen verglichen mit dem Dollar um 25 Prozent teurer als noch vor einem Jahr. Das macht unserer Exportwirtschaft sehr zu schaffen. Zudem besteht die Gefahr, dass sich diese Situation noch weiter verschärft.
ZEIT ONLINE: Wie stark wird die Arbeitslosigkeit in Japan ansteigen?
Nezu: Ich denke, wir werden auf jeden Fall den historischen Höchststand vom Juni 2002 erreichen. Damals betrug die Quote 5,5 Prozent. Im Moment steigt die Arbeitslosigkeit in hohem Tempo. Was die Entwicklung treibt, ist auch der hohe Anteil an Zeitarbeitskräften: Rund ein Drittel der japanischen Arbeiter haben nur noch Zeitverträge. Im Februar und März laufen viele dieser Verträge aus, weswegen die Arbeitslosigkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit noch einmal ansteigen wird. Allerdings wäre es falsch zu glauben, diese Krise träfe nur prekär Beschäftigte. Auch Festangestellte verlieren ihren Job. Die Arbeitslosigkeit trifft alle.
ZEIT ONLINE: Verhindert das nicht der Kündigungsschutz, der in Japan traditionell hoch ist?
Nezu: Viele Verträge werden derzeit mit hohen Abfindungen beendet. Auf dem japanischen Arbeitsmarkt sind Kündigungen tatsächlich schwieriger als etwa in Amerika.
ZEIT ONLINE: Ist das japanische Sozialsystem in der Lage, die vielen neuen Arbeitslosen aufzufangen?
- Datum 24.02.2009 - 16:38 Uhr
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