Bei Ketil Bjørnstad in Oslo Fjordrhythmen

Ketil Bjørnstad ist Musiker und norwegischer Bestseller-Autor. Nach dem erfolreichen "Vindings Spiel" ist nun sein Buch "Der Fluss" erschienen. Ein Hausbesuch

Ketil BjørnstadDer FlußRomanBelletristikInsel VerlagFrankfurt200938222,80

Schlicht sind Wohn- und Esszimmer eingerichtet – weiße Wände, großformatige Bilder, dunkle Möbel, geschmackvoll und gleichzeitig dezent. Ketil Bjørnstad bietet Kaffee und Leitungswasser an, entschuldigt sich, kein Essen vorbereitet zu haben: Er müsse am nächsten Tag zu einer Preisverleihung nach Frankreich und sei "etwas in Aufbruchsstimmung".

Das Haus des norwegischen Autors und Musikers liegt direkt am Oslofjord, einige Taximinuten entfernt vom Zentrum der norwegischen Hauptstadt. Hinter einer Schallschutzmauer, die den Lärm der nach Süden führenden Schnellstraße abschirmt, tut sich unvermutet ein kleines Paradies auf. Ein geräumiges, einladendes Holzhaus mit Garten und Anlegestelle bietet dem Autor ein Refugium zum Schreiben. In dieser Atmosphäre, mit Blick auf den noch nebligen Fjord, lässt es sich reden – ohne Musik im Hintergrund, ohne störendes Telefon, ganz entspannt.

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In seinem Heimatland ist Bjørnstad Kult. In Deutschland ist er, obwohl hier nur ein Bruchteil seiner mehr als zwanzig Werke übersetzt ist, immerhin der wohl bekannteste norwegische Autor. Und möglicherweise gibt es niemanden sonst, der in Büchern und Romanbiografien die Seele Norwegens so spiegelt wie Ketil Bjørnstad.

Dennoch – nichts liegt ihm ferner als eine romantisierende Sicht auf seine Heimat: "Im Buch Ballade in g-Moll etwa, das ich über das Leben des Komponisten Edvard Grieg schrieb, geht es ganz stark um Norwegen, um die Identität dieses Landes. Aber dabei ist keine Romantik: Grieg ist einfach eine der wenigen, außergewöhnlichen Persönlichkeiten, die norwegisches Selbstbewusstsein in die Welt trugen." Auch der Blick von dort aufs europäische Ganze, Leitmotiv bereits in Villa Europa, spielt in Bjørnstads Werken stets eine Rolle. Herkunft und Ursprung, Flucht und Migration – ebenfalls Kernthemen in vielen seiner Bücher.

Bjørnstad erzählt, freundlich und gesprächig. Er erklärt, sein 2006 auf Deutsch erschienenes Buch Vindings Spiel sei nur der erste Band einer Trilogie gewesen, deren zweiter Teil das nun Folgende Der Fluß darstelle – ein abschließender dritter Teil erscheine im Frühjahr in Norwegen.

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