Nachhaltigkeit Mit Kirchen-Macht die Welt verbessern
Die Kirche verfügt über viel Kapital. Geld, mit dem sie Einfluss nehmen will. Unternehmen sollen verantwortungsvoller wirtschaften
Kirchen fordern ethisches Verhalten, Stiftungen fördern gute Zwecke. Dennoch legen kirchliche Institutionen ihr Kapital häufig in ökologisch wie sozial bedenklichen Unternehmen an. Manche betreiben zwar eine gewisse Auslese, etwa, indem sie Waffenherstellung oder Glücksspiel meiden. Doch die wenigsten haben strengere Nachhaltigkeitskriterien – und machen sich dadurch unglaubwürdig.
Jetzt wollen kirchliche Institutionen und Stiftungen verantwortlicher investieren. Ihr Plan heißt: "Engagement". Das Konzept ist im Ausland weit verbreitet, aber in Deutschland noch unterentwickelt. Deshalb wird sein Name auch englisch ausgesprochen. Seine Grundidee besteht darin, dass Investoren den direkten Dialog mit Unternehmen suchen, um sie zu nachhaltigerem Wirtschaften zu bewegen.
Die Macht dazu hätten die Kirchen, sie verfügen über viel Kapital. Als Deutschlands zweitgrößter Arbeitgeber verwalten sie Pensionsgelder in einer geschätzten Höhe von 60 Milliarden Euro.
Einzeln aber können kirchliche Anleger weder fachlich noch personell viel bewirken. Zudem zögern Kirchen bislang, Unternehmen öffentlich zu kritisieren, die viel spenden und deren Mitarbeiter ihre Mitglieder sind. Deshalb schließen sie sich jetzt zusammen – und lassen andere für sich sprechen. "Es muss zu einer Kräftebündelung kommen", sagt Richard Böger, Vorstandschef der Bank für Kirche und Caritas (BKC). "Erfolg ist nur erreichbar, wenn sachkundiger Research besteht und sich ausreichend Mitstreiter beteiligen, die auch zu klaren, eventuell provozierenden Stellungnahmen bereit sind."
Bereits im vergangenen August preschten die Landeskirchen in Hessen und Nassau sowie in Baden vor. Zwei wichtige Versorgungskassen evangelischer Landeskirchen schlossen sich an: Sie lassen ihre globalen Stimmrechte durch den britischen Vermögensverwalter F&C ausüben. Eine Milliarde Euro werfen sie auf diese Weise in die Waagschale.
F&C bündelt Stimmrechte, tritt in Hauptversammlungen auf und spricht Unternehmen gezielt an. Jährlich setzten weltweit mehr als 200 Firmen die geforderten Maßnahmen um. "Dass sich F&C nachweislich Gehör verschafft", gab für Oberkirchenrat Heinz Thomas Striegler von der Landeskirche Hessen-Nassau den Ausschlag, diese Firma zu beauftragen.
Auch andere institutionelle Anleger sind auf ähnliche Weise aktiv. Die Berliner Ärzteversorgung gab F&C 2006 ein Mandat. Die Stiftung Nord-Süd-Brücken lässt ihre Stimmrechte seit 2002 vom Dachverband kritischer Aktionäre ausüben. "Wir teilen dessen Kritik weitgehend, etwa an Rüstungslieferungen und Verletzungen von Sozialstandards", begründet Finanzreferentin Ingrid Rosenburg. Das Engagement soll ausgleichen, dass die 17 Millionen Euro Stiftungskapital nur teilweise nachhaltig angelegt sind.
Eine aktuelle Studie der Entwicklungsorganisation Südwind und des Instituts für Markt Umwelt Gesellschaft (Imug), die von der deutschen Bischofskonferenz und der evangelischen Kirche unterstützt wurde, ergab: Viele kirchliche Institutionen, Pensionsfonds und Stiftungen würden gerne Engagement betreiben. Imug und Südwind befragten 30 Führungskräfte. Alle befürworteten aktives Aktionärstum als "Instrument, um angesichts der für Pensionsverpflichtungen angelegte Summen mehr soziale Gerechtigkeit zu bewirken und ökologische Ziele zu verfolgen, ohne in die Anlagestrategie eingreifen zu müssen", berichtet Antje Schneeweiß von Südwind.
Einige beraten bereits über ein koordiniertes Vorgehen. "Wir sollten für unser gesamtes, hohes Kapital einen gemeinsamen Interessenvertreter suchen, weil das wirksamer ist, als getrennt zu marschieren", sagt Georg Immel, Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche Rheinland. Die BKC und die KD-Bank für Kirche und Diakonie wollen gemeinsam eine überkonfessionelle Einrichtung schaffen, um die Aktivitäten nachhaltig orientierter Anleger zu bündeln. "Wir würden unsere Kompetenz gern einbringen", sagt Ekkehard Thiesler, Vorstandsvorsitzender der KD-Bank.
Die durch zweifelhafte Kreditgeschäfte ausgelöste Finanzkrise verstärkt den Willen, mit dem eigenen Kapital nachhaltiger zu wirtschaften. "Durch die Finanzkrise ist das Vertrauen in bisherige Methoden der Finanzmarktanalyse erschüttert. Zahlreiche traditionelle Analysen über Aktiengesellschaften und Ratingmethoden haben sich als fragwürdig erwiesen", sagt BKC-Chef Böger. Aus dem Grund haben viele Anleger in jüngster Zeit teils große Summen in nachhaltige Fonds oder Mandate umgeschichtet. Das berichten etwa die Bochumer GLS-Bank, die Baseler Bank Sarasin oder der Schweizer Vermögensverwalter SAM.
"Die Krise zeigt aber auch, wie wichtig es ist, sich als Aktionär frühzeitig zu melden" – um Einfluss zu nehmen, sagt Böger. Die Kunst bestehe darin, einen verantwortungsvollen Mittelweg zu finden zwischen purer Renditeorientierung und ausschließlich sozial und ökologisch ausgerichtetem Vorgehen, erläutert Silke Riedel von Imug.
Würden alle Kirchen und Stiftungen ihr Verhalten ändern, kämen zig Milliarden Euro geballter Aktionärskraft zusammen, die Unternehmen und private wie institutionelle Anleger nicht ignorieren könnten – ein Anstoß zu einem gesellschaftlichen Umdenken, wie es in Skandinavien, Großbritannien, den Niederlanden und den USA bereits zu beobachten ist. Dort machen nachhaltige Geldanlageformen bis zu zwölf Prozent des Kapitalmarkts aus. Allein F&C verwaltet europaweit Engagement-Mandate für 77 Milliarden Euro, manche Pensionsfonds tun dies für mehrere 100 Milliarden Euro. Die Macht dieser Anleger ist groß.
- Datum 25.02.2009 - 16:55 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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´...kämen zig Milliarden Euro geballter Aktionärskraft zusammen, die Unternehmen und private wie institutionelle Anleger nicht ignorieren könnten... ...Die Macht dieser Anleger ist groß...´
Wenn Kirchen Einfluss nehmen, wer nimmt dann wiederum zuvor Einfluss auf deren Entscheidungen? Was weiß Otto-Normal-Kirchenbankanwärmer über dererlei Dinge?
Um was geht es am Ende hinter all den vorgeschobenen hochtrabenden und untadeligen / ehrvollen ´offiziellen Beweggründen`wirklich? Und bleibt es wie es ist, so denken wie immer die da oben in den Kirchengremien für ihn da unten zwischen Opferstock und Goldschnittausgabe des eigenen Gesangsbuches (..aber natürlich in seinem Namen...).
Wer informiert, wer informiert wie - und über was, wer entscheidet darüber, was er da unten unter der Kanzel überhaupt wissen muss, was als ´Schäflein` wichtig ist, oder auch was er nicht unbedingt ´zu wissen braucht`, um nicht unbequeme Fragen zu stellen?
Wer oder was ist eigentliche jene ´Macht der Anleger` in Wirklichkeit? Ja und welche Rolle spielt der sog. Zeitgeist, welchen Einfluss haben globale Strömungen, religiöse wie poitische (Hier möchte ich nur mal den sog. ´Neuen Humanismus` anführen, den unser deutscher Papst so gerne immer wieder anführt in seinen Printausgaben und in seinen vielen Reden...)?
Alles Fragen, die ich hier mal zur Diskussion stellen möchte!
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