US-Immobilienkrise Obamas Milliarden werden nicht reichen
Der amerikanische Rettungsplan für Hausbesitzer kommt bei Marktbeobachtern gut an. Den kranken Immobilienmarkt heilt er nicht. Die Krise wird weitergehen

© Justin Sullivan/Getty Images
"Stoppt Zwangsversteigerungen": Roberto Colocho hält dieses Plakat während einer Pressekonferenz über Immobilien-Zwangsversteigerungen in San Francisco, im vergangenen November
"Wir sind Lichtjahre weiter als in jedem Moment der Bush-Regierung", schwärmt Andrew Jakabovics, Immobilienexperte des Centers for American Progress. "Verglichen mit Obamas Konjunkturpaket und dem Rettungsplan für die Finanzmärkte ist das wahrscheinlich der beste Plan, den die neue Regierung vorgelegt hat", sagt Patrick Newport, Ökonom des Research-Hauses IHS Global Insights.
Präsident Barack Obama war hart kritisiert worden für sein Konjunkturpaket und den vagen Plan zur Rettung der Finanzmärkte, den sein Finanzminister Geithner kürzlich vorgelegt hat. Diesmal wollte er alles richtig machen: Details vorstellen, schnelle Hilfe möglich machen, das Problem an der Wurzel packen. Auf sein Immobilien-Hilfsprogramm reagieren die Marktbeobachter nun positiv.
"Obamas Plan wird Zwangsversteigerungen verhindern. Die Leute können in ihren Häusern bleiben, und die Immobilienpreise werden nicht so stark fallen", sagt Newport. Einer aktuellen Studie der University of Chicago zufolge sorgt ein zwangsversteigertes Haus dafür, dass die umstehenden Häuser bis zu neun Prozent an Wert verlieren – eine Kettenreaktion, die die Erholung des Häusermarktes weiter verzögert. Das Immobilien-Rettungspaket soll sie bremsen.
In vielen Fällen von Zwangsversteigerung käme es die Banken zudem billiger, die Hypothekenbedingungen ihrer Schuldner anzupassen. "In diesem Marktumfeld kann man das Haus nur sehr schwer weiterverkaufen und wenn, dann oft nur zu sehr niedrigen Preisen", gibt Jakabovics zu bedenken. Hinzu kämen hohe Kosten für die Verkäufer: Sie müssen Grundstücksteuern begleichen und für die Instandhaltung der Häuser sorgen, bis sie den Besitzer wechseln.
Viele Experten begrüßen, dass Obamas Plan an verschiedenen Enden ansetzt. Er gibt den im September verstaatlichten Hypothekenfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac eine wichtige Rolle. Sie dürfen weitere 100 Milliarden Dollar in Hypotheken investieren, um die Vergabe neuer Kredite zu fördern. Zudem könnten sie zusätzliche 100 Milliarden Dollar erhalten, um sich gegen Verluste zu schützen, die durch die Ausweitung ihrer Tätigkeit entstehen könnten.
"Die Stütze für Fannie und Freddie ist sehr wichtig. Sie stabilisiert die Schulden der Institute und ihre mit Hypotheken besicherte Wertpapiere für mindestens ein Jahr", sagt Ellen Seidman vom Thinktank New America Foundation.
Ohne die beiden ehemals halbstaatlichen Hypothekenfinanzierer würde Obamas Plan nicht funktionieren. Zwar hat ihr einstiges Geschäftsmodell in der Krise versagt, und Obamas Wirtschaftsberater Paul Volcker plädiert gar dafür, die Institute mittelfristig ganz abzuschaffen. Fannie und Freddie sind derzeit jedoch die einzigen Institute, die den Banken Hypotheken abkaufen und verbriefen.
Mit der genauen Anweisung für die Hypothekenfinanzierer hat sich Obama klar von seinem Vorgänger abgesetzt. "Die Bush-Regierung hat damals zwar die Führung von Fannie und Freddie übernommen, aber ihnen keine Richtlinien auf den Weg gegeben. Im Grunde blieb alles so wie zuvor", kritisiert Jakabovics. Obama wolle die Institute dagegen einsetzen, um zukünftige Verluste zu vermeiden.
Doch trotz aller Lorbeeren: Eine Trendwende auf dem Häusermarkt wird das neue Konzept wohl nicht erreichen. Ökonomen gehen davon aus, dass die Preise für Immobilien weiter fallen werden. Erst gegen Mitte oder Ende des Jahres, so schätzen sie, werden sie sich wieder stabilisieren.
Global Insight Ökonom Jakabovics hat errechnet, dass ohne staatliche Hilfe die Häuser im Durchschnitt weitere 15 Prozent an Wert verlieren würden. Durch Obamas Plan sollen ihre Preise jetzt nur um zehn Prozent fallen. "Das bedeutet, dass die stark vom Ausfall bedrohnten Wertpapiere in den Bank Bilanzen – wenn überhaupt – nur sehr gering an Wert gewinnen werden", sagt Jakabovics.
Die Wirtschaftswissenschaftler von Goldman Sachs gehen gar davon aus, dass die vorgesehenen 75 Millarden Dollar nicht ausreichen werden, um den Häusermarkt nachhaltig zu stabilisieren. "Es ist wahrscheinlich, dass das Finanzministerium den Kongress um weitere Millarden bitten muss", schreibt Goldman-Ökonom Alec Phillips in einer aktuellen Studie. Allerdings könne der Kongress milder gestimmt sein, wenn durch seine Unterstützung auch weitere Hilfen bei den Hausbesitzer ankämen.
- Datum 04.05.2009 - 11:12 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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"schwärmt Andrew Jakabovics, Immobilienexperte des Centers for American
Progress."
"Global Insight Ökonom Jakabovics hat errechnet"
Frau Dörner, für wen arbeitet Andrew Jakabovics nun - Center for American
Progress - oder - Global Insights -?
Sie vergaßen auch zu erwähnen, daß fast alle Mitarbeiter im Center for American Progress in der Obama Regierung eingestellt sind. Was erwarten Sie für Antworten und Analysen von denen. CfAP soll ein Gegenstück zur Heritage Foundation sein,
was immer das besagt.
Gerd, Chicago
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