Auto-Krise Tiefensee fordert Einstieg des Staates bei Opel

Opel-Mitarbeiter wollen heute in ganz Europa für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze kämpfen. Verkehrsminister Tiefensee plädiert für eine Staatsbeteiligung beim Autobauer

Die Länder Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen, die Opel-Standorte haben, könnten sich an dem Unternehmen beteiligen, "zumindest temporär", sagte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) dem Hamburger Abendblatt. "Ich empfehle den Landesregierungen, sich diese Möglichkeit offenzuhalten." Opel sei ein hervorragendes Unternehmen, das in den Strudel des Mutterkonzerns General Motors (GM) gezogen worden sei.

Eine Möglichkeit des Staates seien Kredite und Bürgschaften. "Eine andere Möglichkeit, die ich für interessant halte, lässt sich aus dem Modell Volkswagen ableiten." Das Land Niedersachsen ist mit rund 20 Prozent der Anteile zweitgrößter Eigner von VW. Der SPD-Politiker, der auch für den Aufbau in Ostdeutschland zuständig ist, betonte: "Die Arbeitsplätze in Deutschland müssen so weit es geht erhalten bleiben." Das gelte auch für die Zulieferer.

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Nicht nur in der Bundesregierung, sondern in allen Parteien wird darüber diskutiert, ob und in welcher Form Opel vom Staat unterstützt werden soll. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, der vergangene Woche bei einer USA-Reise in Gesprächen mit GM-Chef Rick Wagoner um den Erhalt der deutschen Opel-Standorte geworben hatte, sprach sich jetzt gegen einen Einstieg von Bund oder Länder bei dem Autohersteller aus. "Eine Staatsbeteiligung wäre völlig falsch, es kann allenfalls um Bürgschaften gehen“, sagte der CDU-Politiker der ZEIT.

Opel selbst erwägt in jedem Fall eine Abtrennung vom US-Mutterkonzern, dem die Insolvenz droht. Betriebsratschef Klaus Franz geht davon aus, dass GM auch bereit ist, die Mehrheit an dem deutschen Autobauer an Beschäftigte, Händler und Investoren abzugeben - "wenn der Preis stimmt". Allerdings drohten Opel auch als selbstständiger Einheit Einschnitte.

Aktionstag der Mitarbeiter

Im Ringen um die Zukunft ihres Arbeitgebers wollen die Beschäftigten mit einem Aktionstag in ganz Europa für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und gegen Standortschließungen demonstrieren. Sie hoffen auf staatliche Hilfen, die einen Zusammenbruch der Traditionsfirma und den Verlust Zehntausender Arbeitsplätze verhindern sollen.

Zur zentralen Kundgebung am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim erwartet der Gesamtbetriebsrat bis zu 15.000 Teilnehmer. Als Redner werden unter anderen Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) und IG-Metall-Chef Berthold Huber erwartet. Auch an den Standorten Kaiserslautern und Eisenach sind Proteste geplant. Zur Großdemonstration in Kaiserslautern wird der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) erwartet.

Leser-Kommentare
    • Chali
    • 26.02.2009 um 8:18 Uhr

    Hat Morgan Stanley nichts mehr zu tun?
    Ein guter Grund, dagegen zu sein!

    • NoG
    • 26.02.2009 um 8:20 Uhr

    ""Ich empfehle den Landesregierungen, sich diese Möglichkeit offenzuhalten." Opel sei ein hervorragendes Unternehmen, das in den Strudel des Mutterkonzerns General Motors (GM) gezogen worden sei."

    ich glaube herr tiefensee hat die von frau nahles angesprochene einzelfalloesung fuer notleidende firmen abgeschlossen.
    wie wir alle wissen, zaehlt herr tiefensee zu den faehigsten leuten die wir haben.
    außerdem gehoert er zur bedeutenden klasse der berufspolitiker und hat als ehem. obm von leipzig einen schuldenberg von ca 1mia in seiner vita, sowie ein infrastrukturprojekt (city-tunnel leipzig) angeschoben dessen sinn mehr als bezweifelt werden darf.
    er gilt mithin als einer der fuehrenden wirtschaftsexperten der spd wenn nicht gar der republik.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • NoG
    • 26.02.2009 um 8:39 Uhr

    meinte ich natuerlich.
    (ueber eine editierfunktion, zumindest zeitlich begrenzt, wuerde sicherlich nicht nur ich mich freuen)

    ich nutze die chance und schiebe ein weiteres argument fuer die rettung in den fokus.
    die ueberaus systemwichtige opelbank kam die tage unter den rettungsschirm.
    wer will schon das wir da buergen ohne das in zukunft wieder ein opel ueber diese bank finanziert werden wird.
    ist doch geradezu logisch das wir da auf das expertenwort tiefensees vertrauen muessen! :)

    • NoG
    • 26.02.2009 um 8:39 Uhr

    meinte ich natuerlich.
    (ueber eine editierfunktion, zumindest zeitlich begrenzt, wuerde sicherlich nicht nur ich mich freuen)

    ich nutze die chance und schiebe ein weiteres argument fuer die rettung in den fokus.
    die ueberaus systemwichtige opelbank kam die tage unter den rettungsschirm.
    wer will schon das wir da buergen ohne das in zukunft wieder ein opel ueber diese bank finanziert werden wird.
    ist doch geradezu logisch das wir da auf das expertenwort tiefensees vertrauen muessen! :)

    • NoG
    • 26.02.2009 um 8:39 Uhr

    meinte ich natuerlich.
    (ueber eine editierfunktion, zumindest zeitlich begrenzt, wuerde sicherlich nicht nur ich mich freuen)

    ich nutze die chance und schiebe ein weiteres argument fuer die rettung in den fokus.
    die ueberaus systemwichtige opelbank kam die tage unter den rettungsschirm.
    wer will schon das wir da buergen ohne das in zukunft wieder ein opel ueber diese bank finanziert werden wird.
    ist doch geradezu logisch das wir da auf das expertenwort tiefensees vertrauen muessen! :)

  1. Diese über alle Maßen qualifizierte Aussage lässt Herrn Tiefensee am Politikerhimmel in neuem Glanz erstrahlen. Wenn da nur nicht diese Biografie und die empirischen Erkenntnisse zu Märkten und Wirtschaft wären... So ein Mist aber auch.

  2. Der Einstieg wär schon nicht schlecht - aber mit der Bedingung eines zukunftsträchtigen Konzeptes - sprich Auto.
    Da auf diesem Gebiet unsere Autoindustrie komplett versagt hat, wäre die Politik dran. Ihre Aufgabe ist auch Visionen zu entwickeln.
    Leider sehe ich da bei Herrn Tiefensee nur Tunnel - Verzeihung: Schwarz.

  3. Hat man früher gesagt, wenn einer nichts verstanden hat. Der Ostdeutsche Bundesminister reiht sich damit wieder einmal in die Reihe der Populisten ein, die ohne Sachverstand und wirtschaftlicher Kompetenz da stehen. Sich vor den Wahlen in diesem Jahr auch noch wichtig zu machen, schadet den Verhandlungen. Frau Merkel pfeifen sie bitte ihren Ostkollegen zurück. Wir verzichten auf dessen Gelaber, er sollte sich endlich um den Fall Mehdorn in seinem Zuständigkeitsbereich kümmern und hier für Klarheit sorgen!

    • Anonym
    • 26.02.2009 um 10:29 Uhr

    Diese Autos sind seit Jahren absolut beliebig in jeder Hinsicht, von mittlerer Qualität. Eine Marke die keiner braucht. Egal wer da im Einzelnen "schuld" hat darum geht es doch gar nicht mit Schuld oder Nichtschuld oder was-auch-immer kann man kein Unternehmen am Leben halten, nur mit Kunden. Wenn Opel seine Kosten verdient dann gut, wenn nicht dann hat das Unternehmen keine Daseinsberechtigung mehr. Das künstlich am Leben zu erhalten aus sentimentalen Gründen anstatt sich mit dem selben Geld darum zu bemühen neue Arbeitsplätze in zukunftsfähigeren Industrien (Autoverkehr in dieser Dichte ist ohnehin nicht zukünftsfähig, egal von welcher Marke) zu schaffen. Ob Krise der nicht, es gibt schon lange Überkapazitäten in der globalen Autoindustrie in der Boomphase fiel das eben nicht so ins Gewicht aber das war ein Ausnahmezustand, wie wir nun wissen auf Pump finanziert und darum nicht nachhaltig. Wie kommt man nun darauf mit noch mehr Pump irgend jemand irgendwas gutes tun zu können.
    Mir als Bayer sind Opel und VW emotional total egal, aber man muss zB sehen wie gut sich VW die letzten Jahre entwickelt hat bei Qualität und den Produkten - selbst das Design von VW ist inzwischen richtig gefällig geworden wenn ich da nur an den Scirocco denke (im Prinzip ein Kleinwagen, egal wie er vermarktet wird). VW wird für diese Bemühungen im Endeffekt bestraft, man hätte in Wolfsburg viel Investitionen gespart wenn man zugewartet hätte dass das Unternehmen "gerettet" werden muss und den Steuerzahler dann für die nötigen Investitionen in die Pflicht nimmt. Was sogar eine Berechtigung hätte nachdem das Land Niedersachsen ein großer Anteilseigner ist und nicht nur an Gewinnen sondern auch an Verlusten teil hat. Es muss SCHLUSS sein damit dass Versager auch noch belohnt werden.

  4. ..dann würd sein Tun wenigstens so manchen begeistern. Aber so..

    Alle wissen doch, wie sehr Obama in den USA unter Erfolgsdruck steht.Und jeder weiß, daß in Deutschland Wahlen anstehen. Sowohl die US-Regierung als auch unsere Pappnasen werden alles tun, um hier scheinbare Erfolge vorweisen zu können. Dies auf der einen Seite.

    Auf der anderen Seite haben wir bereits heute gewaltige Überproduktionen auf dem Automobilsektor. Der durch die Abwrackprämie subventionierte Boom sind lediglich die Fahrzeuge, die vielleicht 1-2 Jahren gekauft worden wären. Aber genau diese Fahrzeuge werden in naher Zukunft dann auch nicht mehr gekauft, da bereits vorhanden.
    Wäre das ganze ein Nullsummen-Spiel, hätte man vielleicht noch nicht mal was dagegen. Eine wahlkampftacktische Hirnblähung, und dann wars das.
    Aber stattdessen glaubt nun jeder, der wiedergewählt werden will, man müsse in nie dagewesener Art so das Geld verbrennen.
    Wagoner hätte es kaum besser machen können, wäre es nur ein Schauspiel, für das er das Drehbuch schreibt.
    Nachdem Rüttgers in Detroit vorstellig wurde, lässt sich in komfortabler Weise damit drohen, man müsse Werke in D schließen. Und schon beginnt der Schaulauf, wer den Geldbeutel am weitesten öffnen kann. Es geht ja um Arbeitsplätze (=Wählerstimmen). Daß aber durch die Überproduktion, die eh schon vorhanden ist, die anderen Automobilhersteller ebenfalls Kurzarbeit haben, und damit in Nöten sind, scheint offenbar keinen zu interessieren. Jeder produzierte Opel ist z.B. ein VW weniger. Somit krabseln VW und Opel auf niedrigem Niveau. Oder anders gesagt, die Infusionsnadel an die Opel angahängt werden soll, sichert keinen einzigen Arbeitsplatz. Im Gegenteil, denn bald können die anderen Firmen ebenfalls an die Nadel, weil sie sich den schwindenden Markt noch weiter aufteilen müssen.
    Und dann kommt noch der Cellospieler aus Gera daher und bringt ebenfalls noch einen fulminanten Vorschlag, wie man am schnellsten Geld verbrennen kann. Irgendwie merkt man immer, daß es nicht sein Geld ist, mit dem er da spielt.

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