Moskau Alle Angeklagten im Mordfall Politkowskaja freigesprochen
Die Jury sah den Vorwurf der Beihilfe zum Mord als nicht erwiesen an. Die Familie der Kremlkritikerin begrüßte das Urteil, die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein

© STAN HONDA/AFP/Getty Images
Anna Politkowskaja: Die Verantwortlichen des Mordes an der kremlkritischen Journalistin werden bisher juristisch nicht belangt
Im Fall der ermordeten russischen Journalistin Anna Politkowskaja sind alle Angeklagten am Donnerstag freigesprochen worden. Die Geschworenen des Militärgerichts in Moskau sahen es als nicht erwiesen an, dass die drei Männer am Mord der Regierungskritikerin beteiligt gewesen waren.
Damit entsprach das Gericht dem Antrag der Verteidigung, die aus Mangel an Beweisen Freispruch gefordert hatte. Sie begrüßte das Urteil aus Mangel an Beweisen und forderte eine Haftentschädigung für die Angeklagten. Die beiden tschetschenischen Brüder und ein ehemaliger Polizist verließen den Gerichtssaal als freie Männer.
Auch die Familie von Politkowskaja begrüßte das Urteil, hatte sie doch bereits schon während des Verfahrens Zweifel an der Schuld der drei Männer geäußert. "Das ist ein seltenes Beispiel für Rechtstaatlichkeit in Russland", sagte die Anwältin der Familie, Karina Moskalenko, dem Radiosender Echo Moskwy . So wie ihre Angehörigen hatten auch Prozessbeobachter, Freunde und Kollegen der Journalistin die Ermittlungen im Strafverfahren sowie die Beweisführung vor dem Militärgericht als lückenhaft bezeichnet.
Die Staatsanwaltschaft hingegen will den Freispruch anfechten. "Natürlich werden wir im Zusammenhang mit den Verfahrensverstößen während des Prozesses Beschwerde einlegen", sagte die Staatsanwältin Julia Safina. Für die russische Generalstaatsanwaltschaft ist diese Gerichtsentscheidung eine schwere Niederlage, die bereits im August 2007 die Aufklärung der Bluttat verkündet hatte.
Wegen des Mordes an sich war vor dem Gericht niemand angeklagt worden. Die Brüder sollen Politkowskaja beobachtet und ausgeforscht haben, der dritte Angeklagte soll technische Hilfe geleistet haben. Die eigentlichen Mörder und eventuellen Auftraggeber der Bluttat sind noch auf der Flucht. Außerdem tappt die Polizei noch im Dunkeln, wenn es darum geht, die eigentlichen Hintermänner des Mordes zu entlarven.
Politkowskaja wurde im Oktober 2006 vor ihrer Wohnung in Moskau erschossen. Die Reporterin der Zeitung Nowaja Gaseta war vor allem als Kritikerin des damaligen Präsidenten Wladimir Putin sowie wegen ihrer regierungskritischen Berichte über Menschenrechtsverletzungen in dem früheren Kriegsgebiet Tschetschenien bekannt geworden.
Es war einer der spektakulärsten Mordfälle in der achtjährigen Amtszeit Putins und löste international Entsetzen aus. Stets hatte der jetzige Premierminister Putin Berichte zurückgewiesen, wonach die russische Führung in den Mord verstrickt gewesen sein soll.
- Datum 23.04.2009 - 13:45 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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