Saab Konkurs auf Raten

Der Autohersteller Saab hat Insolvenz beantragt, um einem Konkurs zu entgehen. Ohne staatliche Hilfe dürfte das Unternehmen nicht überleben, sagen Experten

Der schwedische Autobauer Saab steht vor dem Aus

Schon bald könnte der letzte Saab durch die Fertigungshallen von Trollhättan rollen. Der schwedische Autobauer liegt in den letzten Atemzügen, seit dessen Konzernmutter General Motors (GM) und die schwedische Regierung bereits am Mittwoch klarstellten, dass man kein weiteres Geld nachschießen werde.

Nun zieht man bei Saab die Konsequenzen. Am Freitag meldete das Unternehmen beim Amtsgericht von Vänersborg bei Trollhättan befristete Insolvenz an, eine so genannte "Rekonstruktion".  Das Verfahren ist in etwa mit der deutschen Insolvenz vergleichbar. Auch bei der Rekonstruktion werden Forderungen gestundet und Gläubiger zu einem Teilverzicht bewegt. Dem Unternehmen wird so eine Schonfrist zur Gesundung eingeräumt, statt es lediglich abzuwickeln.

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Das Unternehmen muss dabei vor allem einen Kompromiss mit den Zulieferfirmen finden. Sie werden einen Teil ihrer Forderungen abschreiben müssen, um Saab am Leben zu halten. Das kann für diese sogar von Vorteil sein: Gesundet das Unternehmen wieder, bekommen sie ihre bereits erbrachten Leistungen zurück. Anders als bei einem Konkurs, bei dem sie leer ausgehen würden.

Konkret funktioniert das so: Forderungen aus der Zeit vor der Insolvenz werden eingefroren, Rechnungen, die während der Phase der Insolvenz eintreffen, werden hingegen beglichen. Dieses Detail mag auch der Grund sein, warum Saab nun so schnell handelt. Das Unternehmen fürchtete offenbar, dass die Firmen ihre Lieferungen stoppen. Bereits am Mittwoch hieß es, dass einige den Nachschub an Bauteilen wegen dem schwebenden Verfahren eingestellt hatten.

Laut den Unterlagen, die nun vor Gericht landen, verbuchte Saab im letzten Jahr einen Verlust von drei Milliarden Kronen, umgerechnet 271 Millionen Euro. In diesem Jahr soll er ähnlich hoch ausfallen. Saab begründet die Verluste mit einer weltweit eingebrochenen Nachfrage nach Autos, einem veralteten Produktportfolio, zu langen Entwicklungszeiten für neue Serien, dem zu schmalen Produktsortiment und zu großen Produktionskapazitäten. Im Werk Trollhättan liege die Auslastung bei weniger als 50 Prozent.

Doch wie soll die Sanierung gelingen? Bis zum Jahr 2011 will Saab neue Modelle entwerfen, die den Konzern wieder wettbewerbsfähig machen sollen. Das Unternehmen hofft in dieser Zeit weiterhin auf finanzielle Hilfe – entweder von General Motors oder vom schwedischen Staat. Glaubt man Experten, muss Saab gleichzeitig eine gewaltige Wende vollziehen. Die Krisenmanager werden das Personal deutlich reduzieren und Teile der Produktion ins Ausland verlagern müssen. Die Phase, in der sich das Unternehmen in der sogenannten Rekonstruktion befindet, könnte rund ein Jahr dauern. Danach müsste das Unternehmen wieder auf eigenen Beinen stehen.

Leser-Kommentare
    • gauss
    • 21.02.2009 um 11:56 Uhr

    Saab hat sportliche, aber nie protzige Autos hergestellt. Leider war die Produktstrategie der letzten Jahre nicht dazu angetan Gewinn zu erzeugen. Es gibt auch heute immer noch interessante technische Neuerungen wie die "BioPower"-Technologie, z.B. gekoppelt mit einem Hybridsystem.

    Es ist Saab zu wünschen, dass sie jetzt durch einen Jungbrunnen gehen und eine Wiedergeburt erleben, dann ohne GM. Es wäre sehr schade, wenn diese wunderbaren Autos so klanglos verschwinden würden.

    --
    "that book is dead sexy" -- Xach on #lisp about "Practical Common Lisp"

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