Altkanzler in Teheran Zentralrat der Juden missbilligt Schröders Iran-Besuch

Der Zentralrat sieht den Holocaust-Leugner Ahmadinedschad durch das Treffen mit dem Altkanzler aufgewertet und unterstützt. Doch Schröder schonte den Regimeführer nicht

Nur wenige Stunden vor dem geplanten Treffen mit Mahmud Ahmadinedschad hat der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) den iranischen Präsidenten für dessen Bemerkungen gegen die Existenz Israels und die Leugnung des Holocaust kritisiert. "Der Holocaust ist eine historische Tatsache und es macht keinen Sinn, dieses einmalige Verbrechen zu leugnen", sagte Schröder vor der iranischen Industrie- und Handelskammer in Teheran.

Ahmadinedschad hatte vor zwei Jahren die Entfernung Israels aus dem Nahen Osten und dessen Verlegung nach Europa oder Amerika gefordert. Außerdem hatte der iranische Präsident die historischen Dimensionen des Holocaust geleugnet und sie als "Märchen" bezeichnet.

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Falls der Iran als Regionalmacht international ernst genommen werden wolle, so Schröder, sollte das Land auch Verantwortung übernehmen und internationale Regeln respektieren. Bemerkungen über den Holocaust würden nur von der zentralen Frage im Nahen Osten und der Suche nach einer gemeinsamen Lösung für den Konflikt zwischen Israel und Palästina ablenken, sagte er.

Der Altkanzler billigte dem Land auch den Zugriff auf Kerntechnologie zu. "Niemand bestreitet das Recht des Iran auf die friedliche Nutzung der Nuklearenergie." Doch seien ernsthafte Verhandlungen die einzig tragfähige Basis für die Lösung auch dieses Konflikts.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisierte Schröder wegen des Treffens mit Ahmadinedschad scharf. "Herr Schröder fügt dem Ansehen der Bundesregierung und der Bundesrepublik Deutschland schweren Schaden zu", sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, der in Hannoverschen Neuen Presse . Der frühere SPD-Chef unterstütze mit seinem Treffen das Regime im Iran und den Diktator. Das Gespräch sei für den iranischen Präsidenten eine Aufwertung und Unterstützung für seinen Wahlkampf.

Schröder erinnerte in seiner Rede an das Angebot von US-Präsident Barack Obama, die Beziehungen zur islamischen Welt entspannen zu wollen. "Der neue amerikanische Präsident distanziert sich deutlich von der Politik seines Vorgängers, der allzu häufig auf Ausgrenzung und Konfrontation in der internationalen Politik gesetzt hat", sagte der Altkanzler. Ausdrücklich erwähnte er auch Pakistan, Afghanistan, den Libanon und Irak sowie die Notwendigkeit einer Friedenslösung zwischen Syrien und Israel.

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