Buchmarkt Verlag? Wie altmodisch!
Agenten, Lektoren und Verlage – ein Buch zu veröffentlichen ist nicht leicht. In den USA publizieren Autoren ihre Manuskripte zunehmend selbst. Mit Erfolg

© luxuz::./photocase.de
Stapelweise Bücher werden inzwischen ohne Lektor, Agent und Verlag veröffentlicht
Lisa Genovas Roman sollte nie ein Bestseller werden, wurde es aber doch. Genova erzählt in ihrem Buch Still Alice die Geschichte einer Harvard-Professorin, die an Alzheimer leidet. Es steht nun auf Platz acht der New York Times-Bestsellerliste. Verlage reißen sich heute um die 38-jährige Autorin. Noch vor einem Jahr verkaufte sie die Bücher aus dem Kofferraum ihres Autos. Dutzende Verlage und Literaturagenten hatten ihr Buch zuvor abgelehnt. Zu langweilig, ein Nischenthema. Genova publizierte das Buch für 450 Dollar selbst. Es wurde durchs Internet bekannt und zum Bestseller.
Sie veröffentlichte es bei iUniverse, einem Unternehmen, das Anlaufstelle für viele Autoren ist, die von Verlagen abgelehnt werden. Rund 19 000 Bücher hat der US-Verlag im vergangenen Jahr veröffentlicht. Sein Mutterkonzern Author Solutions insgesamt mehr als 2,5 Millionen Kopien. Jedes 20. Buch auf dem amerikanischen Markt stammt von einem solchen Verlag.
Das Prinzip des Selbstpublizierens ist simpel: Der Autor gibt sein Manuskript an den Verlag und zahlt für den ersten Druck eine Summe von 99 bis zu mehreren tausend Dollar. Einige Exemplare werden gedruckt und das Buch auf verschiedenen Webseiten als "print on demand" angeboten – gedruckt wird auf Bestellung. Der Autor erhält in einigen Fällen bis zu 80 Prozent des Verkaufspreises. Marktüblich sind 15 Prozent.
"Lisa Genova ist eine unser großen Erfolgsgeschichten", sagt Kevin Gray von iUniverse. Fast jeder trage ein Buch "in sich", sagt er und verweist auf die zehnprozentige Wachstumsrate des Unternehmens im Jahr 2008. "Bücher selbst zu publizieren ist für den Autor ein Schritt, sich den frustrierenden und oftmals erfolglosen Prozess über einen Literaturagenten zu ersparen."
Einige Experten sehen in diesem Geschäft den Ausweg für den kriselnden US-Buchmarkt. Das Branchenmagazin Publishers Weekly prognostiziert für 2009 "das schlimmste Jahr seit Jahrzehnten". Die Vereinigung amerikanischer Verlage (AAP), ein Zusammenschluss von mehr als 300 US-Verlagen, glaubt "den Gürtel enger schnallen" zu müssen. Im Jahr 2008 gingen die Verkaufszahlen für Bücher (Hardcover) um 3,6 Prozent in den USA zurück. Der Einfluss des Internets auf den Buchmarkt sei riesig, so AAP-Vizepräsidentin Tina Jordan.
Die Einigung im Streit um die Digitalisierung von sieben Millionen Büchern durch die Suchmaschine Google wertet Jordan als einen Erfolg. Im vergangenen Herbst hatte die AAP den Streit um die Urheberrechte mit der Suchmaschine beigelegt und dafür 125 Millionen Dollar erhalten. Deutsche Interessenverbände sehen die Urheberrechte in Gefahr und wollen klagen.
- Datum 26.02.2009 - 11:51 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Artikel wie diese befördern bloß die Geschäfte von Bezahlverlagen, denen es überhaupt nicht um literarische Qualität geht, sondern nur darum, mit den Träumen der Leute ein Geschäft zu machen.
Wenn jemand unbedingt sein eigenes Buch bei einem Verlag einkaufen statt es an den Verlag verkaufen will - soll er's machen, wenn's denn sein Wunsch ist und er zuviel Geld übrig hat. Aber ich finde es unseriös, mit einer unwahrscheinlichen, extrem seltenen Erfolgsstory wie dieser so dick aufzutragen und damit hoffnungsvollen Autoren zu suggerieren, Selbst- oder Bezahlverlage seien tatsächlich eine gute Idee. Erfolg und Anerkennung als Schriftsteller bei einem Bezahlverlag? Die Aussicht auf einen Sechser im Lotto sind größer, und jeder weiß, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinns ist.
Book on Demand z.B. lohnt sich maximal für Fachbücher, da hier von Seiten der Leser gezielte Recherche betrieben wird - Belletristik dagegen ist schon bei den seriös veröffentlichten Titeln sehr hart umkämpft. Ich kann gerade jedem belletristisch angehauchten Autor nur raten, diesen Artikel möglichst zu ignorieren und sich lieber auf die Ochsentour der seriösen Veröffentlichung einzulassen. Auch hier ist Erfolg nicht garantiert, aber man hat wenigstens kein Geld an Abzocker verschwendet.
Es muss auf jeden Fall vor dubiosen Zuzahlverlagen gewarnt werden, die dem ahnungslosen Autor bei Vertragsabschluss überteuerte Lektoratsleistungen abnötigen oder wahnwitzige Druckkostenzuschüsse verlangen. Auf der anderen Seite bietet Print On Demand durchaus Mögliochkeiten günstig zum eigenen Buch zu kommen. Allerdings muss man sich nach dem Druck dann selber um den Vertrieb kümmern. Das machen nämlich auch die BoDs und Lulus dieser Welt nicht für einen. Also, lieber gleich einen guten Print On Demand Drucker suchen (Empfehlungen kann ich gerne per Mail geben) und sich um den Verkauf selber kümmern. Wenn es dann doch ein Erfolg wird, ist man immernoch im Besitz sämtlicher Rechte und kann den Titel an einen Verlag verkaufen.
munter bleiben, Thomas
Es muss auf jeden Fall vor dubiosen Zuzahlverlagen gewarnt werden, die dem ahnungslosen Autor bei Vertragsabschluss überteuerte Lektoratsleistungen abnötigen oder wahnwitzige Druckkostenzuschüsse verlangen. Auf der anderen Seite bietet Print On Demand durchaus Mögliochkeiten günstig zum eigenen Buch zu kommen. Allerdings muss man sich nach dem Druck dann selber um den Vertrieb kümmern. Das machen nämlich auch die BoDs und Lulus dieser Welt nicht für einen. Also, lieber gleich einen guten Print On Demand Drucker suchen (Empfehlungen kann ich gerne per Mail geben) und sich um den Verkauf selber kümmern. Wenn es dann doch ein Erfolg wird, ist man immernoch im Besitz sämtlicher Rechte und kann den Titel an einen Verlag verkaufen.
munter bleiben, Thomas
Es muss auf jeden Fall vor dubiosen Zuzahlverlagen gewarnt werden, die dem ahnungslosen Autor bei Vertragsabschluss überteuerte Lektoratsleistungen abnötigen oder wahnwitzige Druckkostenzuschüsse verlangen. Auf der anderen Seite bietet Print On Demand durchaus Mögliochkeiten günstig zum eigenen Buch zu kommen. Allerdings muss man sich nach dem Druck dann selber um den Vertrieb kümmern. Das machen nämlich auch die BoDs und Lulus dieser Welt nicht für einen. Also, lieber gleich einen guten Print On Demand Drucker suchen (Empfehlungen kann ich gerne per Mail geben) und sich um den Verkauf selber kümmern. Wenn es dann doch ein Erfolg wird, ist man immernoch im Besitz sämtlicher Rechte und kann den Titel an einen Verlag verkaufen.
munter bleiben, Thomas
Es ist zwar richtig, daß man keinem Bauerfänger in die Arme laufen sollte.
Anderseits ist das Selberpublizieren eine interessante Alternative für einen Author. Wenn man in D ein Sachbuch publiziert, dann läuft es für den Author im Prinzip auf Selbstausbeutung heraus. Der Buchhändler will Gewinn machen, der Verlag will Gewinn machen, beim Author erwartet man aber, daß er für Ruhm und Ehre arbeitet.
Ich glaube, etwas Wettbewerb könnte nicht schaden.
@ SilentWatch
Sie haben völlig recht, wenn Verlag und Buchhändler an einem Buch Geld verdienen wollen, dann hat der Schreiber / Schriftsteller / Dichter / Autor auch das Recht, wenigstens anteilsmäßig ein paar Euro zu verdienen (statt mit einem Betrag XXL - als einziger! - in Vorlage treten zu müssen).
Gleichzeitig aber ist der Autor auch noch derjenige, der allein sein schöpferisches Potenzial (wie auch immer man dies bewerten will) einzubringen hat.
@ SilentWatch
Sie haben völlig recht, wenn Verlag und Buchhändler an einem Buch Geld verdienen wollen, dann hat der Schreiber / Schriftsteller / Dichter / Autor auch das Recht, wenigstens anteilsmäßig ein paar Euro zu verdienen (statt mit einem Betrag XXL - als einziger! - in Vorlage treten zu müssen).
Gleichzeitig aber ist der Autor auch noch derjenige, der allein sein schöpferisches Potenzial (wie auch immer man dies bewerten will) einzubringen hat.
Wenn von einem Autor verlangt wird, dass er sich selbst um das Marketing (und um die Verteilung) seiner Bücher kümmert, dann kann es nur auf Kosten der Qualität seiner Werke gehen. Ich bin selbst Schriftsteller und weiß genau, wie schwierig es ist, ohne Vit. B ein Buch auf den Markt zu bringen. In den USA mögen offene Kofferräume attraktiv sein, in Deutschland geht nichts über die richtige Platzierung im Regal wichtiger Buchhandlungen. Dass die Feuilletons eine entscheidende Rolle spielen, ist nur ein frommes Märchen, wenn der Autor sich nicht im Bereich der absoluten Sensation bewegt. Die Verlage haben einfach die Macht, über ihre Kontakte zu den Medien, über ihre Beziehungen zu den Handelsketten, die das Gros des Buchmarktes bestimmen, ihren Einfluss geltend zu machen. Wer bei einem Verlag ohne Kontakte oder bei einer Print-on-Demand-Firma landet, der muss nur besorgt sein, einen publikumswirksamen Titel und eine publikumswirksame Story zu erfinden und die eigenen Beziehungen auf Volltouren in Bewegung zu bringen. Wenn das Werk literarische Qualität haben soll, dann handelt es sich um einen Irrweg: Ein ernst zu nehmender Autor sollte mindestens 3-4 Stunden am Tag mit dem Lesen verbringen, mindestens 5 Stunden die Woche mit kultivierten Menschen (oder auch mit Proleten, wenn sein Stoff sich in einem solchen Milieu abspielt, s. Regener) im Gespräch verbringen und selbstverständlich sich um sein nächstes Werk kümmern. Darüber hinaus hat er sehr wahrscheinlich auch einen Brotberuf (ich bin Übersetzer und Publizist) und muss dem auch nachgehen.
Also, wo bleibt denn die Zeit zum Tingeln? Wer tingelt, der hat in den meisten Fällen nur Minderwertiges produziert, oder hofft auf den großen Coup mit einer Eintagsfliege.
Ich gebe es gerne zu, dass renommierte Verlage feste Burgen sind, die sich nur demjenigen öffnen, der über eine handfeste Empfehlung oder über eine sehr überzeugende Autorenvita verfügt, aber es geht für ernst zu nehmende Schriftsteller nicht anders: Wenn man etwas Vernünftiges schreiben will, dann muss man auch die Vorarbeit leisten, und die ist nicht möglich, wenn man tingelt.
Tja, dann wären wir beim wunden Punkt: Wie kommt man in den Genuss solcher Empfehlungen, die einem die Aufmerksamkeit der Lektoren der renommierten Verlage zusichern? In meiner Erfahrung geht es nur um die Suche nach politisch, medienmäßig, wirtschaftlich und sonstwie interessanten Menschen, welche die Lektoren auf ihr Werk aufmerksam machen. Wenn heutzutage Wolfgang Göthe versuchen würde, "Faust - Eine Tragödie eines alternden Mannes" dem ganzen Haufen der renommierten Verlage anzubieten, dann würden seine Manuskripte ungelesen in den Papierkorb landen. Wenn aber Frau Herzogin Anna Amalia v.Braunschweig-Wolfenbüttel ein Empfehlungsschreiben dazu verfassen würde, dann würde sich schon der eine oder der andere Redakteur um den Faust kümmern.
Die sogenannte "Mediterrane Lebensart" ist bereits seit mindestens einer Dekade in deutsche Landen eingezogen...
Die Situation in den USA ist eine ganz andere als die in Deutschland. Es gibt dort keine Buchpreisbindung, das hat dazu geführt, dass es kaum noch kleine Buchhandlungen gibt. Der gesamte Buchverkauf in den USA steht praktisch auf zwei Beinen, nämlich Barnes & Noble (die andere Kette, Borders, ist in Konkurs), und Amazon.com.
Die Print-on-Demand-Firmen sind keine Verlage, die Rechte an dem Manuskript kaufen, sondern Druck und Vertriebsdienstleister für den Autor, und deren größter, BookSurge, gehört Amazon. Die stellen ein druckfertiges Manuskript für relativ wenig Geld auf die Amazon-Website, auch als Kindle-Buch, und damit ist das Buch auf dem Markt. Um Lektorat und Marketing muss sich der Autor zwar selber kümmern, aber das ist bei kleinen Verlagen sowieso schon üblich. Inzwischen ist es so, dass selbst kleine Verlage deren Dienste lieber nutzen, als die Ochsentour mit den Vertretern mitzumachen.
Dass sich so mit Belletristik wahrscheinlich kein Geld verdienen lässt, ist schon richtig, aber das ist ohnehin ein schwieriges Geschäft. Aber der Trend geht ganz klar zum Internet-Publishing. Wenn die Buchpreisbindung in Deutschland fällt, dann auch hier.
.
Es soll ja auch hochprofessionelle Verlage geben, die Bücher produzieren, wos besser wär, die Bäume, die dafür gefällt wurden, wären im Wald geblieben. Aber davon mal abgesehen, ist das Hauptproblem nach wie vor nicht die Herstellung des Buches - auch wenn manche Autoren hier wahrscheinlich aufschreien werden - sondern schlicht und einfach die Tatsache, Buch und Leser zusammen zu bringen, sprich das Problem des erfolgreichen Vertriebs. Und hier haben Verlage mit ihrer Infrastruktur vom Lektor über den Vertriebsmenschen bis hin zu dem Bedauernswerten, der die Absageschreiben rausgeben muss, dem Einzelkämpfer einiges voraus. Klar gibt es auch einige Print-on-Demand Bestseller, aber die Trefferquote ist im Vergleich zu dem riesigen Pool an Nieten doch recht gering.
Und wenn demnächst nicht die Strassen von Autoren verstopft werden sollen, die in Ihrem Kofferraum ihre Erstlingswerke durch die Gegend karren, dann werden wir die klassischen Literaturmaschinen auch in Zukunft brauchen. Auch wenn die Preisbindung in D fallen sollte. Denn mancher Internetautor hat sicher die Fähigkeit, weisse Seiten mit schwarzen Zeichen zu füllen, aber den Trick raus, diese aus einem Ozean an Schund ein paar Hunderttausend Lesern als Perlen zu verkaufen haben die Allerwenigsten.
Book-on-demand verspricht zu viel. Man kann alles selber machen. Layout, Umschlag, Digitaldruckerei suchen, kleine Auflage herstellen, in Eigenregie über eigene Internetplattform vertreiben. Meine Novelle "Borgs Vergessen" hat auf diese Weise 5 zahlende Leser gefunden (www.quasimetafisico.de). Problem Vertrieb, die Feuilletons bleiben verschlossen, die Multiplikatoren zugeknöpft, wer bei keinem "seriösen" Verlag ankommt, taugt nichts. Dabei leiden auch sie unter der Trendabhängigkeit der Verlage, oder sie haben das Feuillton als Eventkalender abgeschrieben.
@ QuasiMetafisico
Mich interessiert das Thema auch. Aber Sie haben wohl keine guten Erfahrungen mit einem sog. Selbstverlag bzw. einer Eigenvermarktung gemacht?
Das wird alles sehr teuer - und bleibt wohl letztendlich auch (fast) ohne Resonanz?
Schreiben Sie - trotz allem - weiter! Auch hier in ZEIT und Raum.
;-)
@ QuasiMetafisico
Mich interessiert das Thema auch. Aber Sie haben wohl keine guten Erfahrungen mit einem sog. Selbstverlag bzw. einer Eigenvermarktung gemacht?
Das wird alles sehr teuer - und bleibt wohl letztendlich auch (fast) ohne Resonanz?
Schreiben Sie - trotz allem - weiter! Auch hier in ZEIT und Raum.
;-)
"Er schritt die spärlich beleuchtete Straße hinunter, vorbei an den geschmacklosen Villen einer Klasse, die er zeitlebens verachtet hatte – um doch in ihrer Mitte seine Flagge zu hissen."
Pseudo-Intelektueller Sprach-Kitsch aus der Mottenkiste, der dem Leser das Denken abnehmen soll.
Ein guter Schriftsteller stellt Fragen, die der Leser selbst beantworten muss. ein schlechter beantwortet Fragen, die der Leser nicht gestellt hat.
--
[Link entfernt, bitte verzichten Sie auf Werbung für Ihren privaten Blog der sprachlich nicht dem Niveau der ZEIT online entspricht/ Redaktion; svb]
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