Buchmarkt Verlag? Wie altmodisch!Seite 2/2

Der Journalistik-Professor Jeff Jarvis hält das Internet für eine ernsthafte Konkurrenz der Buchverlage. "Autoren können ihre Bücher im Internet direkt an den Leser verkaufen", schreibt Jarvis in seinem im Januar veröffentlichten Buch What would Google do? Darin überträgt Jarvis das Erfolgsmodell von Google auf andere Branchen. "Vermittler sind verloren", lautet sein hartes Fazit. Beim "print on demand" verstauben keine Bücher in den Regalen. Direktkontakt sei mehr denn je gefragt.  

Dennoch hat der selbst ernannte Internetguru Jarvis sein Buch in der traditionellen Weise veröffentlicht – mit Hilfe eines Agenten und eines Verlages. Langjährige Geschäftsbeziehungen, Medienkontakte und die Übernahme der Vermarktung waren ausschlaggebend. "Mein Buch und die Ideen werden so einem breiteren Publikum zugänglich." Seine Käufer versucht Jarvis auch selbst anzusprechen. In seinem Blog veröffentlicht er täglich Auszüge seines Buchs, diskutiert mit Nutzen über seine Thesen und lädt über sein Facebook-Profil zu Lesungen und Partys ein.

Jarvis geht den Mittelweg. Viele Autoren, die in Eigenregie veröffentlichen, sehen ihre Chance in der Nische. Jim Bendat hat zum Beispiel ein Buch publiziert, das von den Ansteckern erzählt, die zur Amtseinführung amerikanischer Präsidenten verteilt werden. Bis zum vergangenen Jahr floppte das Buch, aber im Januar verkaufte Bendat passend zu Obamas Amtseinführung an einem Tag 500 Bücher an eine Hotelkette. "Ich bin glücklich damit", sagte Bendat im Nachhinein.

Viele Kritiker bemängeln allerdings die Qualität der Bücher. Noch vor einigen Jahren schauten Verlage verächtlich auf Autoren herab, die ihre Bücher selbst veröffentlichten. Die Bücher waren alle nicht durch die harte Auslese der Agenten gegangen. "Wir haben vermutlich die größte Kollektion von schlechten Gedichten seit Menschengedenken veröffentlich", sagte ein Manager eines "print on demand"-Unternehmens. Auch Erfolgsautorin Lisa Genova riet man von diesem Schritt ab.

Sie ließ sich nicht abschrecken – mit Erfolg. Der Vertrag für das zweite Buch ist bereits unterschrieben.

 
Leser-Kommentare
  1. Artikel wie diese befördern bloß die Geschäfte von Bezahlverlagen, denen es überhaupt nicht um literarische Qualität geht, sondern nur darum, mit den Träumen der Leute ein Geschäft zu machen.

    Wenn jemand unbedingt sein eigenes Buch bei einem Verlag einkaufen statt es an den Verlag verkaufen will - soll er's machen, wenn's denn sein Wunsch ist und er zuviel Geld übrig hat. Aber ich finde es unseriös, mit einer unwahrscheinlichen, extrem seltenen Erfolgsstory wie dieser so dick aufzutragen und damit hoffnungsvollen Autoren zu suggerieren, Selbst- oder Bezahlverlage seien tatsächlich eine gute Idee. Erfolg und Anerkennung als Schriftsteller bei einem Bezahlverlag? Die Aussicht auf einen Sechser im Lotto sind größer, und jeder weiß, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinns ist.

    Book on Demand z.B. lohnt sich maximal für Fachbücher, da hier von Seiten der Leser gezielte Recherche betrieben wird - Belletristik dagegen ist schon bei den seriös veröffentlichten Titeln sehr hart umkämpft. Ich kann gerade jedem belletristisch angehauchten Autor nur raten, diesen Artikel möglichst zu ignorieren und sich lieber auf die Ochsentour der seriösen Veröffentlichung einzulassen. Auch hier ist Erfolg nicht garantiert, aber man hat wenigstens kein Geld an Abzocker verschwendet.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • t_al
    • 19.02.2009 um 19:28 Uhr

    Es muss auf jeden Fall vor dubiosen Zuzahlverlagen gewarnt werden, die dem ahnungslosen Autor bei Vertragsabschluss überteuerte Lektoratsleistungen abnötigen oder wahnwitzige Druckkostenzuschüsse verlangen. Auf der anderen Seite bietet Print On Demand durchaus Mögliochkeiten günstig zum eigenen Buch zu kommen. Allerdings muss man sich nach dem Druck dann selber um den Vertrieb kümmern. Das machen nämlich auch die BoDs und Lulus dieser Welt nicht für einen. Also, lieber gleich einen guten Print On Demand Drucker suchen (Empfehlungen kann ich gerne per Mail geben) und sich um den Verkauf selber kümmern. Wenn es dann doch ein Erfolg wird, ist man immernoch im Besitz sämtlicher Rechte und kann den Titel an einen Verlag verkaufen.

    munter bleiben, Thomas

    • t_al
    • 19.02.2009 um 19:28 Uhr

    Es muss auf jeden Fall vor dubiosen Zuzahlverlagen gewarnt werden, die dem ahnungslosen Autor bei Vertragsabschluss überteuerte Lektoratsleistungen abnötigen oder wahnwitzige Druckkostenzuschüsse verlangen. Auf der anderen Seite bietet Print On Demand durchaus Mögliochkeiten günstig zum eigenen Buch zu kommen. Allerdings muss man sich nach dem Druck dann selber um den Vertrieb kümmern. Das machen nämlich auch die BoDs und Lulus dieser Welt nicht für einen. Also, lieber gleich einen guten Print On Demand Drucker suchen (Empfehlungen kann ich gerne per Mail geben) und sich um den Verkauf selber kümmern. Wenn es dann doch ein Erfolg wird, ist man immernoch im Besitz sämtlicher Rechte und kann den Titel an einen Verlag verkaufen.

    munter bleiben, Thomas

    • t_al
    • 19.02.2009 um 19:28 Uhr

    Es muss auf jeden Fall vor dubiosen Zuzahlverlagen gewarnt werden, die dem ahnungslosen Autor bei Vertragsabschluss überteuerte Lektoratsleistungen abnötigen oder wahnwitzige Druckkostenzuschüsse verlangen. Auf der anderen Seite bietet Print On Demand durchaus Mögliochkeiten günstig zum eigenen Buch zu kommen. Allerdings muss man sich nach dem Druck dann selber um den Vertrieb kümmern. Das machen nämlich auch die BoDs und Lulus dieser Welt nicht für einen. Also, lieber gleich einen guten Print On Demand Drucker suchen (Empfehlungen kann ich gerne per Mail geben) und sich um den Verkauf selber kümmern. Wenn es dann doch ein Erfolg wird, ist man immernoch im Besitz sämtlicher Rechte und kann den Titel an einen Verlag verkaufen.

    munter bleiben, Thomas

    Antwort auf "Na toll"
  2. Es ist zwar richtig, daß man keinem Bauerfänger in die Arme laufen sollte.

    Anderseits ist das Selberpublizieren eine interessante Alternative für einen Author. Wenn man in D ein Sachbuch publiziert, dann läuft es für den Author im Prinzip auf Selbstausbeutung heraus. Der Buchhändler will Gewinn machen, der Verlag will Gewinn machen, beim Author erwartet man aber, daß er für Ruhm und Ehre arbeitet.

    Ich glaube, etwas Wettbewerb könnte nicht schaden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • hagego
    • 24.02.2009 um 10:17 Uhr

    @ SilentWatch

    Sie haben völlig recht, wenn Verlag und Buchhändler an einem Buch Geld verdienen wollen, dann hat der Schreiber / Schriftsteller / Dichter / Autor auch das Recht, wenigstens anteilsmäßig ein paar Euro zu verdienen (statt mit einem Betrag XXL - als einziger! - in Vorlage treten zu müssen).

    Gleichzeitig aber ist der Autor auch noch derjenige, der allein sein schöpferisches Potenzial (wie auch immer man dies bewerten will) einzubringen hat.

    • hagego
    • 24.02.2009 um 10:17 Uhr

    @ SilentWatch

    Sie haben völlig recht, wenn Verlag und Buchhändler an einem Buch Geld verdienen wollen, dann hat der Schreiber / Schriftsteller / Dichter / Autor auch das Recht, wenigstens anteilsmäßig ein paar Euro zu verdienen (statt mit einem Betrag XXL - als einziger! - in Vorlage treten zu müssen).

    Gleichzeitig aber ist der Autor auch noch derjenige, der allein sein schöpferisches Potenzial (wie auch immer man dies bewerten will) einzubringen hat.

  3. Wenn von einem Autor verlangt wird, dass er sich selbst um das Marketing (und um die Verteilung) seiner Bücher kümmert, dann kann es nur auf Kosten der Qualität seiner Werke gehen. Ich bin selbst Schriftsteller und weiß genau, wie schwierig es ist, ohne Vit. B ein Buch auf den Markt zu bringen. In den USA mögen offene Kofferräume attraktiv sein, in Deutschland geht nichts über die richtige Platzierung im Regal wichtiger Buchhandlungen. Dass die Feuilletons eine entscheidende Rolle spielen, ist nur ein frommes Märchen, wenn der Autor sich nicht im Bereich der absoluten Sensation bewegt. Die Verlage haben einfach die Macht, über ihre Kontakte zu den Medien, über ihre Beziehungen zu den Handelsketten, die das Gros des Buchmarktes bestimmen, ihren Einfluss geltend zu machen. Wer bei einem Verlag ohne Kontakte oder bei einer Print-on-Demand-Firma landet, der muss nur besorgt sein, einen publikumswirksamen Titel und eine publikumswirksame Story zu erfinden und die eigenen Beziehungen auf Volltouren in Bewegung zu bringen. Wenn das Werk literarische Qualität haben soll, dann handelt es sich um einen Irrweg: Ein ernst zu nehmender Autor sollte mindestens 3-4 Stunden am Tag mit dem Lesen verbringen, mindestens 5 Stunden die Woche mit kultivierten Menschen (oder auch mit Proleten, wenn sein Stoff sich in einem solchen Milieu abspielt, s. Regener) im Gespräch verbringen und selbstverständlich sich um sein nächstes Werk kümmern. Darüber hinaus hat er sehr wahrscheinlich auch einen Brotberuf (ich bin Übersetzer und Publizist) und muss dem auch nachgehen.
    Also, wo bleibt denn die Zeit zum Tingeln? Wer tingelt, der hat in den meisten Fällen nur Minderwertiges produziert, oder hofft auf den großen Coup mit einer Eintagsfliege.
    Ich gebe es gerne zu, dass renommierte Verlage feste Burgen sind, die sich nur demjenigen öffnen, der über eine handfeste Empfehlung oder über eine sehr überzeugende Autorenvita verfügt, aber es geht für ernst zu nehmende Schriftsteller nicht anders: Wenn man etwas Vernünftiges schreiben will, dann muss man auch die Vorarbeit leisten, und die ist nicht möglich, wenn man tingelt.
    Tja, dann wären wir beim wunden Punkt: Wie kommt man in den Genuss solcher Empfehlungen, die einem die Aufmerksamkeit der Lektoren der renommierten Verlage zusichern? In meiner Erfahrung geht es nur um die Suche nach politisch, medienmäßig, wirtschaftlich und sonstwie interessanten Menschen, welche die Lektoren auf ihr Werk aufmerksam machen. Wenn heutzutage Wolfgang Göthe versuchen würde, "Faust - Eine Tragödie eines alternden Mannes" dem ganzen Haufen der renommierten Verlage anzubieten, dann würden seine Manuskripte ungelesen in den Papierkorb landen. Wenn aber Frau Herzogin Anna Amalia v.Braunschweig-Wolfenbüttel ein Empfehlungsschreiben dazu verfassen würde, dann würde sich schon der eine oder der andere Redakteur um den Faust kümmern.
    Die sogenannte "Mediterrane Lebensart" ist bereits seit mindestens einer Dekade in deutsche Landen eingezogen...

  4. Redaktion

    Die Situation in den USA ist eine ganz andere als die in Deutschland. Es gibt dort keine Buchpreisbindung, das hat dazu geführt, dass es kaum noch kleine Buchhandlungen gibt. Der gesamte Buchverkauf in den USA steht praktisch auf zwei Beinen, nämlich Barnes & Noble (die andere Kette, Borders, ist in Konkurs), und Amazon.com.

    Die Print-on-Demand-Firmen sind keine Verlage, die Rechte an dem Manuskript kaufen, sondern Druck und Vertriebsdienstleister für den Autor, und deren größter, BookSurge, gehört Amazon. Die stellen ein druckfertiges Manuskript für relativ wenig Geld auf die Amazon-Website, auch als Kindle-Buch, und damit ist das Buch auf dem Markt. Um Lektorat und Marketing muss sich der Autor zwar selber kümmern, aber das ist bei kleinen Verlagen sowieso schon üblich. Inzwischen ist es so, dass selbst kleine Verlage deren Dienste lieber nutzen, als die Ochsentour mit den Vertretern mitzumachen.

    Dass sich so mit Belletristik wahrscheinlich kein Geld verdienen lässt, ist schon richtig, aber das ist ohnehin ein schwieriges Geschäft. Aber der Trend geht ganz klar zum Internet-Publishing. Wenn die Buchpreisbindung in Deutschland fällt, dann auch hier.
    .

  5. Es soll ja auch hochprofessionelle Verlage geben, die Bücher produzieren, wos besser wär, die Bäume, die dafür gefällt wurden, wären im Wald geblieben. Aber davon mal abgesehen, ist das Hauptproblem nach wie vor nicht die Herstellung des Buches - auch wenn manche Autoren hier wahrscheinlich aufschreien werden - sondern schlicht und einfach die Tatsache, Buch und Leser zusammen zu bringen, sprich das Problem des erfolgreichen Vertriebs. Und hier haben Verlage mit ihrer Infrastruktur vom Lektor über den Vertriebsmenschen bis hin zu dem Bedauernswerten, der die Absageschreiben rausgeben muss, dem Einzelkämpfer einiges voraus. Klar gibt es auch einige Print-on-Demand Bestseller, aber die Trefferquote ist im Vergleich zu dem riesigen Pool an Nieten doch recht gering.

    Und wenn demnächst nicht die Strassen von Autoren verstopft werden sollen, die in Ihrem Kofferraum ihre Erstlingswerke durch die Gegend karren, dann werden wir die klassischen Literaturmaschinen auch in Zukunft brauchen. Auch wenn die Preisbindung in D fallen sollte. Denn mancher Internetautor hat sicher die Fähigkeit, weisse Seiten mit schwarzen Zeichen zu füllen, aber den Trick raus, diese aus einem Ozean an Schund ein paar Hunderttausend Lesern als Perlen zu verkaufen haben die Allerwenigsten.

  6. Book-on-demand verspricht zu viel. Man kann alles selber machen. Layout, Umschlag, Digitaldruckerei suchen, kleine Auflage herstellen, in Eigenregie über eigene Internetplattform vertreiben. Meine Novelle "Borgs Vergessen" hat auf diese Weise 5 zahlende Leser gefunden (www.quasimetafisico.de). Problem Vertrieb, die Feuilletons bleiben verschlossen, die Multiplikatoren zugeknöpft, wer bei keinem "seriösen" Verlag ankommt, taugt nichts. Dabei leiden auch sie unter der Trendabhängigkeit der Verlage, oder sie haben das Feuillton als Eventkalender abgeschrieben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • hagego
    • 24.02.2009 um 10:02 Uhr

    @ QuasiMetafisico

    Mich interessiert das Thema auch. Aber Sie haben wohl keine guten Erfahrungen mit einem sog. Selbstverlag bzw. einer Eigenvermarktung gemacht?

    Das wird alles sehr teuer - und bleibt wohl letztendlich auch (fast) ohne Resonanz?

    Schreiben Sie - trotz allem - weiter! Auch hier in ZEIT und Raum.

    ;-)

    • hagego
    • 24.02.2009 um 10:02 Uhr

    @ QuasiMetafisico

    Mich interessiert das Thema auch. Aber Sie haben wohl keine guten Erfahrungen mit einem sog. Selbstverlag bzw. einer Eigenvermarktung gemacht?

    Das wird alles sehr teuer - und bleibt wohl letztendlich auch (fast) ohne Resonanz?

    Schreiben Sie - trotz allem - weiter! Auch hier in ZEIT und Raum.

    ;-)

  7. "Er schritt die spärlich beleuchtete Straße hinunter, vorbei an den geschmacklosen Villen einer Klasse, die er zeitlebens verachtet hatte – um doch in ihrer Mitte seine Flagge zu hissen."

    Pseudo-Intelektueller Sprach-Kitsch aus der Mottenkiste, der dem Leser das Denken abnehmen soll.

    Ein guter Schriftsteller stellt Fragen, die der Leser selbst beantworten muss. ein schlechter beantwortet Fragen, die der Leser nicht gestellt hat.

    --
    [Link entfernt, bitte verzichten Sie auf Werbung für Ihren privaten Blog der sprachlich nicht dem Niveau der ZEIT online entspricht/ Redaktion; svb]

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service