Bürgerkrieg in Sri Lanka Ein Ende mit Schrecken

Die Rebellen in Sri Lanka wollen einen Waffenstillstand, die Regierung jedoch nicht. Sie will die Tamil Tigers militärisch besiegen, zum Leidwesen der Zivilbevölkerung

Das Wrack eines der beiden Kamikaze-Flugzeuge

Das Wrack eines der beiden Kamikaze-Flugzeuge

Srilankische Regierungstruppen sind heute in die Stadt Puthukudiyiruppus vorgedrungen, dem letzten größeren Ort, der noch von Rebellen der LTTE (Befreiungstiger von Tamil Eelam) kontrolliert wurde. Divisionskommandeur Shavendra Silva sagte, die Eroberung sei das letzte Ziel im Krieg gegen die tamilischen Rebellen. Er erwarte, dass die LTTE in wenigen Tagen besiegt seien.

Ähnlich schätzen offenbar auch die Tamilen-Rebellen die Lage ein. Am Wochenende erklärten sie sich zu einem Waffenstillstand bereit und riefen die internationale Staatengemeinschaft auf, die Regierung Sri Lankas von ihrem "Völkermord an den Tamilen" abzuhalten. Tags zuvor hatten die Rebellen noch zwei Kamikaze-Angriffe auf das Hauptquartier der Luftwaffe Sri Lankas in Colombo unternommen. Die beiden Flugzeuge wurden jedoch abgeschossen, bevor sie ihr Ziel erreichten. Eines der Flugzeuge stürzte in das sri-lankische Finanzamt. Der Absturz tötete zwei Menschen und verletzte 58. Das zweite Flugzeug wurde über einem Sumpfgebiet in der Nähe des internationalen Flughafens abgeschossen.

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Nun verfügen die LTTE über keine weiteren Flugzeuge mehr, sagte der Regierungssprecher und Kabinettsminister Keheliya Rambukwella. Auch anderswo gehen der LTTE die Ressourcen aus. Nur noch zwischen 500 und 1000 Kämpfer verteidigen ein Gebiet von weniger als 70 Quadratkilometern. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sind 50.000 Soldaten in der Region im Einsatz.

Je weiter die Regierungstruppen vorrücken, desto schlimmer wird die Lage der ungefähr 140.000 Zivilisten, die von den Rebellen im umkämpften Gebiet festgehalten werden. Dort müssen sie für die Rebellen Arbeitsdienste leisten. Die Washington Post berichtete, jede Familie werde gezwungen, mindestens einen Kämpfer zu stellen. Die LTTE-Guerillas würden mit Waffeneinsatz Zivilisten davon abhalten, in von Regierungstruppen kontrolliertes Gebiet zu fliehen, sagten zahlreiche Augenzeugen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRO). So töteten LTTE-Rebellen beispielsweise Mitte Februar in der Nähe von Udaiyaarkaddu 23 Menschen, die zu fliehen versucht hatten. Zumeist schössen die Rebellen den Fliehenden in die Beine, berichteten Ärzte örtlicher Krankenhäuser.

Wer den Rebellen entkommen ist, gerät oft ins Artilleriefeuer der Armee Sri Lankas. Den Hilfsorganisationen und Beobachtern fällt es deswegen schwer, zu bestimmen, welche der Konfliktparteien einzelne Tote zu verantworten hat. Bislang sind nach Schätzungen der HRO dieses Jahr etwa 2000 Zivilisten in den Kämpfen getötet und 7000 verletzt worden. Nach Angaben von Mahinda Samarasinghe, den Minister für Katastrophen-Management und Menschenrechte Sri Lankas, konnten sich 36.000 Menschen aus dem Kampfgebiet retten.

Die Regierung hat zwölf Lager eingerichtet, in denen die Menschen versorgt, aber auch verhört werden sollen. Ursprünglich war geplant, die Flüchtlinge bis zu drei Jahren in den Lagern zu behalten, nun sollen 80 Prozent der Insassen die Lager bis Ende des Jahres verlassen dürfen. Samarasinghe sagte, "strikte Zwangsmaßnahmen“ seien notwendig, um LTTE-Kämpfer, die sich unter die Flüchtlinge gemischt hätten, ausfindig zu machen. Bereits 250 der Flüchtlinge hatten sich als LTTE-Angehörige zu erkennen gegeben, ergänzte Samarasinghe.

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