Jugendliche und Sexualität Von wegen "Generation Porno"Seite 2/2

Am vertrautesten ist das Verhältnis zwischen Müttern und Töchtern, gefolgt von dem der Mütter und der Söhne, zwischen denen mehr Gespräche stattfinden als zwischen den männlichen Mitgliedern der Familie. Auch Lehrer gelten laut Studie als "gewünschte Personen der Wissensvermittlung". Sexualforscher Starke findet das alles wenig verwunderlich: "In der öffentlichen Diskussion wurde in den letzten Jahren die Rolle der Gleichaltrigen bei der Sexualaufklärung überbewertet."

Ebenfalls überschätzt wird nach Ansicht des erfahrenen Sexualwissenschaftlers die angebliche "Frühreife" der Jugend. 14 Prozent der Mädchen und zwölf Prozent der Jungen haben den Zahlen der BZgA zufolge schon im zarten Alter von 14 Jahren Erfahrungen mit Geschlechtsverkehr, ein Viertel der Mädchen und ein Drittel der Jungen bewahren sich ihre Jungfräulichkeit aber mindestens bis zum Alter von 17 Jahren. Von den getrennt untersuchten Migrantinnen und Migranten berichten etwas mehr als die Hälfte der 17-jährigen Mädchen und fast 80 Prozent der jungen Männer, schon sexuelle Erfahrungen gemacht zu haben.

Der erste Sex findet kaum früher statt als bei vorangegangenen Generationen

Insgesamt kann Starke in den letzten Jahren aber keine gravierende Vorverlegung des Zeitpunkts für den ersten Geschlechtsverkehr feststellen, den Wissenschaftler als "Kohabitarche" bezeichnen. "Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass wir es inzwischen mit einer größeren Streubreite zu tun haben: Eine Gruppe von Jugendlichen beginnt sehr früh, bei einer anderen Gruppe, die vor allem aus Jungen besteht, ist jedoch fast schon eine Verzögerung der Entwicklung zu verzeichnen." Wann diese jungen Männer ihre erste Beziehung erleben, sei in einer Studie, die mit dem 17. Lebensjahr endet, gar nicht zu erfassen. Der Sexualforscher findet es bedenklich, wenn solche gegenläufigen Trends übersehen werden, weil alle sich auf die vermeintlich zunehmende "Frühreife" der heutigen Adoleszenten fixieren. "Dabei sollten wir froh sein, wenn sich junge Menschen verlieben."

Die meisten Jugendlichen erleben das "erste Mal" auch heute innerhalb einer festen, vertrauensvollen Beziehung. Die Mehrheit der Befragten mit sexueller Erfahrung gab zudem an, bisher nur einen Partner gehabt zu haben. Und insgesamt sind die Herwachsenden auch hinsichtlich der Verhütung verantwortungsbewusster geworden - nicht zuletzt dank guter Aufklärung, auch durch die Materialien der BZgA. Starke hat schon fast Angst, dass den besonders Verantwortungsbewussten unter den jungen Leuten die Leichtigkeit verloren gehen könnte. "Bei vielen herrscht fast panische Angst vor einer unerwünschten Schwangerschaft."

Machen die Erwachsenen sich also die falschen Sorgen? Die Zukunftsängste der Jugendlichen beträfen zwei Fragen, sagt Starke: Finde ich Arbeit und finde ich einen Partner? Es sind existenzielle Sorgen, wie sie auch viele Eltern für ihre Kinder haben. Und es sind Sorgen, die sich verbinden können. Wie bei der Gymnasiastin, die Starke fragte: "Wie viel Zeit darf ich mir überhaupt für die Liebe nehmen, ohne meiner Karriere damit zu schaden?"

 
Leser-Kommentare
  1. ...hatte ja auch nicht ganz unrecht mit seinem Zukunftspessimismus. Nur wenige Generationen später war Athen am Ende, ironischerweise nicht zuletzt durch einen jungen Mann, der unter anderem einen Sokratesschüler als Lehrer hatte.

  2. Wie ironsich dass dieser Sokrates Schueler Schueler sicherlich ziemlich ungebildet gewesen sein muss ...

  3. jener junge Mann. Aber sein Respekt vor dem Alter könnte durchaus angezweifelt werden, es gibt heute noch Gerüchte er hätte beim Verscheiden seines Alten Herrn die Hand im Spiel gehabt.

    • keox
    • 21.02.2009 um 0:23 Uhr

    für die Probleme Jugendlicher interessiert sich hier niemand.

  4. haben sie ja auch keine, jedenfalls nicht mehr als frueher.

  5. Wenn sie genau lesen, dann finden sie die "Generation Porno":

    ..., ein Viertel der Mädchen und ein Drittel der Jungen bewahren sich ihre Jungfräulichkeit aber mindestens bis zum Alter von 17 Jahren...

    Eine Gruppe von Jugendlichen beginnt sehr früh, bei einer anderen Gruppe, die vor allem aus Jungen besteht, ist jedoch fast schon eine Verzögerung der Entwicklung zu verzeichnen." Wann diese jungen Männer ihre erste Beziehung erleben, sei in einer Studie, die mit dem 17. Lebensjahr endet, gar nicht zu erfassen.

    Es ist doch eine Ironie der Geschichte, dass sich Frauen im letzten Jahrhundert mit größten Anstrengung von der Dominanz des Mannes in Gesellschaft und Familie gelöst, ein modernes Männerbild gefordert haben und sich nun einer "Gegenemanzipation" der Männer gegenüberstehen.

    Wer kann sich noch an die Zeiten erinnern, in denen in manchen Gedankenspielen Männer zu Reproduktionsapparaten reduziert wurden? Heute habe ich das Gefühl, dass sich viele Männer von den Frauen sexuell emanzipiert haben, ihr Leben alleine und denoch zufrieden führen. Und da wären wir dann wieder bei der Generation Porno angelangt.

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    Ich halte eine groessere Variatonsbreite eher fuer eine Demokratisierung der eigenen Lebensweisen als fuer ein schlechtes Zeichen. Es gibt schon heute ja fast keine dominante Mainstreamkultur mehr (im Sinne der jugendlichem i.A. so genannten "Spiesser"), die heutigen Ewachsenen sind bereits in einer Welt aufgewachsen, in der sie dutzende von Lebensstilen ihrer Altersgenossen vor Augen hatte und selbst daraus waehlten. Der dunkle Schatten der Pornographisierung ist die Kommerzialisierung von Sex (und dieser verschiedenen Lebensstile allgemein), nicht das Prinzip der, moeglicherweise eben eben auch negativ, selbstbestimmten Sexualitaet.

    Ich halte eine groessere Variatonsbreite eher fuer eine Demokratisierung der eigenen Lebensweisen als fuer ein schlechtes Zeichen. Es gibt schon heute ja fast keine dominante Mainstreamkultur mehr (im Sinne der jugendlichem i.A. so genannten "Spiesser"), die heutigen Ewachsenen sind bereits in einer Welt aufgewachsen, in der sie dutzende von Lebensstilen ihrer Altersgenossen vor Augen hatte und selbst daraus waehlten. Der dunkle Schatten der Pornographisierung ist die Kommerzialisierung von Sex (und dieser verschiedenen Lebensstile allgemein), nicht das Prinzip der, moeglicherweise eben eben auch negativ, selbstbestimmten Sexualitaet.

  6. Kann doch gar nicht sein. Früher war doch alles besser, oder etwa nicht?

  7. Ich halte eine groessere Variatonsbreite eher fuer eine Demokratisierung der eigenen Lebensweisen als fuer ein schlechtes Zeichen. Es gibt schon heute ja fast keine dominante Mainstreamkultur mehr (im Sinne der jugendlichem i.A. so genannten "Spiesser"), die heutigen Ewachsenen sind bereits in einer Welt aufgewachsen, in der sie dutzende von Lebensstilen ihrer Altersgenossen vor Augen hatte und selbst daraus waehlten. Der dunkle Schatten der Pornographisierung ist die Kommerzialisierung von Sex (und dieser verschiedenen Lebensstile allgemein), nicht das Prinzip der, moeglicherweise eben eben auch negativ, selbstbestimmten Sexualitaet.

    Antwort auf "Wenn sie genau lesen,"
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    - Was soll das genau bedeuten? Sex als Ware per se zu verurteilen finde ich problematisch. Genug Menschen leben freiwillig davon und ich neige nicht dazu diese dafür zu verurteilen.
    - Emanzipation des Mannes kann ich in die Statistiken nicht hineinlesen. Ich befürchte eher, dass viele Männer nicht ganz freiwillig bis ins "spätere Alter" jungfräulich bleiben. ;-)

    *Friedensabkommen mit dem Fehlerteufel. Ab und zu muss man ihm Zugeständnisse machen.*

    - Was soll das genau bedeuten? Sex als Ware per se zu verurteilen finde ich problematisch. Genug Menschen leben freiwillig davon und ich neige nicht dazu diese dafür zu verurteilen.
    - Emanzipation des Mannes kann ich in die Statistiken nicht hineinlesen. Ich befürchte eher, dass viele Männer nicht ganz freiwillig bis ins "spätere Alter" jungfräulich bleiben. ;-)

    *Friedensabkommen mit dem Fehlerteufel. Ab und zu muss man ihm Zugeständnisse machen.*

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