Nuon-Verkauf Ärger über die Macht der Stromkonzerne
Wer vom Stromversorger Vattenfall zu Nuon wechselte, landet ungewollt wieder bei Vattenfall. Verbraucherschützer kritisieren die Übernahme, sie fordern harte Einschnitte
Die Werbung ist unkonventionell. Mit "lekker Strom" und "wakker Gas" wirbt der niederländische Energieversorger hierzulande für seine Produkte, unter anderem in Hamburg und Berlin. Vor allem in der Hauptstadt hat er es auf Vattenfall-Kunden abgesehen, 50 Euro bekommen sie bei Vertragswechsel, dazu eine Preisgarantie über zwölf Monate. Für viele Verbraucher ein Grund zu wechseln. 300.000 Kunden hat Nuon Deutschland inzwischen, in Berlin kommt das Unternehmen auf einen Marktanteil von zehn Prozent.
Doch viele Berliner werden sich gestern die Augen gerieben haben. Für 8,5 Milliarden Euro kauft Vattenfall den niederländischen Mutterkonzern Nuon, gaben die Unternehmen gemeinsam bekannt. Der Kauf ist einer der letzten Megadeals in der europäischen Energiebranche. Nachdem vor wenigen Wochen der niederländischen Versorger Essent bereits an RWE ging, verleibt sich nun der schwedische Staatskonzern Vattenfall den zweitgrößten Versorger Nuon ein.
Vattenfall versichert, dass die Marke "Nuon" weiterhin bestehen bleibt. Selbst wenn es der eigene Mutterkonzern sei – man werde an dessen Wettbewerbsstrategie festhalten. "Für die Kunden wird sich nichts ändern", sagte ein Unternehmenssprecher, "das ist Teil der Vereinbarung."
Wettbewerbshüter beobachten die Entwicklung trotzdem aufmerksam. "Es ist nicht unbedenklich, wenn in den Marktgebieten Berlin und Hamburg einer der wichtigsten Wettbewerber des Platzhirschen Vattenfall wegfällt", sagte der Vorsitzende der deutschen Monopolkommission, Justus Haucap, der Tageszeitung Die Welt. In dem Sondergutachten Strom und Gas, das diesen Sommer veröffentlicht wird, werde dieser gewichtige Zusammenschluss sicherlich eine Rolle spielen, heißt es bei der Kommission.
Bei Verbraucherschützern stößt die Übernahme auf heftige Kritik. Sie fürchten, dass der langsam entstehende Wettbewerb, der für niedrigere Strompreise sorgen soll, durch die Einkaufstour großer Energiekonzerne wieder eingeschränkt wird. Der Sinn von Stromwechsel-Kampagnen werde ad absurdum geführt. "Sicherlich fühlen sich einige Nuon- Kunden veräppelt", sagt Holger Krawinkel, Energieexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen. "Sie müssen jetzt denken, dass ihr Anbieterwechsel überhaupt nichts gebracht hat."
Krawinkel fordert daher eine radikale strukturelle Veränderung. "Die Energiewirtschaft braucht eine unabhängige Handelsebene“, sagt er. Im Klartext: Die Energiekonzerne sollen sich auch von ihrem Vertrieb trennen. Diese Forderung geht über die aktuelle "ownership-unbundling"-Diskussion hinaus, bei der die Stromversorger ihre Netze abgeben sollen. Nun sollen E.on, RWE und andere Erzeuger ihren Strom auch nicht mehr exklusiv verkaufen können.
"In einem funktionierenden Markt braucht man eigenständige Institutionen, die Druck auf die Stromproduzenten ausüben", sagt Krawinkel. Er vergleicht die aktuelle Situation mit dem Autohandel. Hier würden Vertriebshändler nur die Wagen einer Marke verkaufen. "So herrscht kein Wettbewerb und das führt eben auch zu den hohen Autopreisen."
- Datum 24.02.2009 - 16:33 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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