Börse Wall Street zieht Tokios Aktienmarkt mit ins Minus
Miese Vorgaben der Wall Street, sinkende Kurse bei Banken und im Export: In Tokio fiel der Nikkei auf den niedrigsten Stand seit 26 Jahren

© Mario Tama/Getty Images
Sorgenvolle Mienen bei den Börsianern an der Wall Street: Der Dow Jones rutschte ins Minus und zog sowohl den Dax als auch den Nikkei nach unten
Schwache Vorgaben der Wall Street und anhaltende Sorgen über den Zustand des Weltfinanzsystems haben am Dienstag an den Börsen in Asien auf breiter Front für Verluste gesorgt. Vor allem Bankenwerte zogen den Tokioter Nikkei-Index nach unten. Zeitweise notierte er mit 7155 Zählern - so tief wie zuletzt im Oktober 1982 - und schloss 1,46 Prozent im Minus auf 7268 Punkten. Auch die Märkte in Taiwan, Singapur, Südkorea, Hongkong und in Shanghai verzeichneten zum Teil Verluste von mehr als drei Prozent.
Einer der größten Verlierer war der führende japanische Broker Nomura, dessen Aktienkurs um mehr als neun Prozent abrutschte. Nomura hatte angekündigt, es würden erstmals seit zwanzig Jahren neue Stammaktien ausgegeben, um damit bis zu 3,3 Milliarden Dollar einzunehmen. Auch Exportwerte wie Canon verbilligten sich. Die Aktien des Elektronikkonzerns TDK gaben um knapp ein Prozent nach. Um diesen Negativtrend zu stoppen, prüft die japanische Regierung etwaige Stützungsmaßnahmen für die Börsen. Auch über den Kauf von Aktien durch den Staat werde nachgedacht.
Sorgen bereitete den Anlegern vor allem das Geschehen in den USA und die Unsicherheit über die weiteren Schritte der dortigen Regierung zur Krisenbewältigung. Viele Aktienhändler bezweifeln, ob die Maßnahmen von Präsident Barack Obama zur Stabilisierung des kriselnden Banken- und Kreditsektors ausreichen. "Das Problem betrifft dabei nicht nur eine Bank oder ein Land", sagte ein Analyst. "Angesichts der anhaltenden Verluste an den Börsenplätzen in den USA und in Europa verlieren die Investoren ihr Vertrauen."
In den USA sorgten vor allem anhaltende Sorgen um die Stabilität der Finanzbranche und ein Ausverkauf bei Technologiewerten für schlechte Stimmung. Die Hoffnung auf ein verstärktes Engagement der Regierung bei der massiv unter Druck geratenen Großbank Citigroup konnte den Markt nur zeitweise stützen. "Wir wissen nicht, welche Position die Regierung vertritt, ob es Verstaatlichungen geben wird oder ob es so weiter gehen wird wie bisher", sagte ein Händler. Der Dow Jones litt unter dieser Unsicherheit: Am Montag war er um 3,41 Prozent auf 7114,78 Zähler und damit auf den tiefsten Stand seit elf Jahren gefallen.
Die US-Börsen stürzten vor allem deshalb ins Minus, weil Investoren ihr Geld aus dem Technologiesektor abzogen. Grund waren Befürchtungen, dass die Firmen wegen der Rezession ihre IT-Ausgaben weiter kürzen und damit die Ergebnisse der Branche belasten. Die Papiere des Mac- und iPhone-Herstellers Apple verbilligten sich um 4,7 Prozent, die des weltgrößten Software-Konzerns Microsoft um 4,4 Prozent. Die Aktien des Chip-Giganten IBM verloren fünf Prozent, die des weltgrößten PC-Herstellers Hewlett-Packard sogar 6,3 Prozent.
Zuvor hatte bereits der deutsche Aktienindex Dax mit 3936,45 Punkten erstmals seit viereinhalb Jahren wieder die psychologisch wichtige 4000er Marke unterschritten und damit ebenfalls seine Talfahrt der vergangenen Woche weiter fortgesetzt. Händler befürchten, dass der Leitindex in den nächsten Handelstagen bis auf 3600 Punkte fallen könnte. Besonders betroffen waren Aktien der Deutschen Bank, der Commerz- und der Postbank sowie des Speicherchipherstellers Infineon.
- Datum 31.03.2009 - 07:47 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren