WM 2010 in Südafrika Tickets für den Schwarzmarkt
Der Verkauf der WM-Karten für Südafrika hat begonnen. Sozialverträglichkeit ist dabei ein großes Thema. Doch selbst günstige Tickets sind für viele Einheimische zu teuer

© Shaun Botterill/Getty Images
Ob die Ränge voll werden? Im Free State Stadion in Bloemfontein werden fünf WM-Spiele ausgetragen
Seit dem 20. Februar ist Danny Jordaan erleichtert. An diesem Tag öffnete das Onlineportal, über das die Tickets für die Fußball-WM 2010 verkauft werden, und damit ist die erste Fußball-WM auf dem afrikanischen Kontinent "Realität", sagt der Chef des Organisationskomitees. "Von jetzt an kann nur noch Gott uns diese WM wieder entreißen".
Das klingt so, als hatte Jordaan bis zuletzt Angst, dass die WM seinem Land noch entgleiten könnte. Doch von nun an planen die Leute ihre Reisen, die Teams suchen nach geeigneten Quartieren, die Welt glaubt an Südafrika.
Je konkreter die größte Veranstaltung, die jemals nach Afrika vergeben wurde, wird, desto greifbarer werden allerdings die Besonderheiten des Kontinents. Damit auch Südafrikaner, die nicht zur Oberklasse gehören, Zugang zu den Stadien erhalten, hat der Fußball-Weltverband (Fifa) eine neue Preiskategorie eingeführt, die ausschließlich Einheimischen zur Verfügung steht. Ab einem Preis von umgerechnet elf Euro können Tickets für die Gruppenspiele erworben werden.
"Unsere Verfahrensweise wurde entworfen, um sicher zu stellen, dass das Flagschiff der Fifa-Veranstaltungen für alle Fußballfans erschwinglich ist", sagt Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke zufrieden. Außerdem wird das Organisationskomitee "jedem, der an den zehn Stadien beteiligten Bauarbeitern zwei Tickets schenken", sagt Danny Jordaan. "Wir wollen, dass jeder Südafrikaner die Möglichkeit hat, ein Spiel im Stadion erleben zu können." Stolze 11 Prozent der insgesamt rund drei Millionen Karten sind ausschließlich für Südafrikaner reserviert.
Die Sozialverträglichkeit der afrikanischen Weltmeisterschaft ist ein ganz großes Thema. Allerdings sind in einem Land, in dem das monatliche Pro-Kopf-Einkommen bei etwa 300 Euro liegt, auch elf Euro viel Geld. Die Versuchung mit den Billig-Tickets Gewinne zu machen, ist groß.
Das weiß auch Jaime Bryom, der Vorsitzende der Agentur MATCH, die von der Fifa mit der Abwicklung des WM-Ticketing beauftragt wurde. "Es ist sehr wichtig, dass keine Tickets auf dem Schwarzmarkt landen. Es ist einfach zu leicht, beim Kauf der Karten irgendwelchen Betrügern in die Hände zu fallen", sagt Bryom, der einen blühenden Handel mit den Karten befürchtet.
Deshalb überlegen die Organisatoren, die Tickets der günstigsten Kategorie mit den Namen der Besitzer zu bedrucken. So wie es bei der WM in Deutschland gemacht wurde. Am Einlass müssten die Fans einen Ausweis vorzeigen, Kenner Afrikas halten das jedoch für unrealistisch. Schon 2006 ließ sich dieser Plan kaum umsetzen, Ticket und Identität von Zehntausenden Fans vor einem Spiel zu überprüfen, ist eine logistische Herausforderung und braucht Zeit, "in Afrika würde das ins Chaos münden", sagt ein südafrikanischer Fußballjournalist.
Als wirksameres Mittel gegen den Schwarzmarkt könnte sich der Umstand erweisen, dass die meisten Spiele ohnehin nicht ausverkauft sein werden. "Wir kalkulieren mit einer bescheidenen Auslastung von 60 Prozent", sagt Danny Jordaan.
Diese Problematik hat mittlerweile auch die Fifa erkannt. David Will, der fürs Ticketing zuständige Ehrenpräsident des Weltverbandes, sagt zwar, "es bleibt unser Ziel, dass alle Spiele ausverkauft sein werden." Gleichwohl räumt er ein: "Es wäre sehr dumm von mir zu sagen, dass die weltweite Rezession keinen Einfluss auf die Weltmeisterschaft hätte."
Denkbar ist, dass die Tribünen mit dem günstigen Plätzen stets voll sind. Wenn allerdings weniger wohlhabende Nationen gegeneinander antreten, könnten viele Plätze der teuren Kategorien 1 und 2 frei bleiben. Diese rund zwei Millionen Karten bilden immerhin 64 Prozent des Gesamtkontingents und kosten schon in der Gruppenphase zwischen 87 und 125 Euro. Wer soll sie kaufen?
Eigentlich sieht der Plan vor, dass die Touristen aus dem reichen Europa, aus Amerika und Asien die Billigtickets für Südafrikaner mit ihren teuren Karten subventionieren. Für die WM 2006 in Deutschland kostete die günstigste weltweit erhältliche Eintrittskarte 35 Euro, 2010 müssen alle Nicht-Einheimischen fürs günstigste Spiel 62 Euro bezahlen. Ob diese Rechnung aufgeht, bleibt ungewiss.
Zumal die Preispolitik besonders Afrikaner, die nicht am Kap leben, abschrecken dürfte. Auch sie müssen die teuren Ausländerpreise bezahlen, dabei identifiziert sich der ganze Kontinent mit dieser WM. Viele Besucher aus Simbabwe, Botswana, Namibia, Mozambique oder Angola werden sich aber weder die Karten noch die Reise leisten können. Wie viele europäische Fans, die ihre Samstagnachmittage gewöhnlich auf den Stehplätzen ihrer Lieblingsklubs verbringen.
Südafrika wird diese Leute vermissen, denn das Land muss die enormen Investitionen in die Stadien und die Infrastruktur vor allem über das Ticketing refinanzieren. Allein der Bau und Ausbau der zehn Arenen kostete mehr als 30 Milliarden Rand (2,5 Milliarden Euro) – dreimal mehr als geplant war. Hinzu kommen fast 13 Milliarden Euro, die die Regierung über fünf Jahre verteilt in das Transportwesen investiert. Alle Plätze, die leer bleiben, muss am Ende das Volk bezahlen. Die größten Einnahmen, die teuren Lizenzgebühren für die TV-Übertragungen, kassiert allein die Fifa.
- Datum 24.02.2009 - 14:30 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Davon ist Südafrika überzeugt, und Maskottchen Zakumi, der Leopard mit der grünen Mähne, wird die Botschaft per TV ins letzte afrikanische Dorf tragen. Die Fernsehübertragungen sollen kostenlos sein. So wird sich so mancher mit virtuellen Spielen begnügen müssen. Für alle, die kaum 5 Rand (ca. 40 Eurocent) für das tägliche Sammeltaxi aufbringen können, dürften auch Tickets für 20 USD unerschwinglich sein. Desto lauter wird die Vuvuzela ertönen, die quitschbunte afrikanische Tröte.
Wie sich Südafrika auf die WM vorbereitet und vieles andere mehr über das Land am Kap nachzulesen in meinem Länderporträt: Edith Werner, Südafrika - Ein Land im Umbruch, Ch. Links Verlag, Berlin 2009, 208 S. 16,90 €
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