WM 2010 in Südafrika Tickets für den SchwarzmarktSeite 2/2
Als wirksameres Mittel gegen den Schwarzmarkt könnte sich der Umstand erweisen, dass die meisten Spiele ohnehin nicht ausverkauft sein werden. "Wir kalkulieren mit einer bescheidenen Auslastung von 60 Prozent", sagt Danny Jordaan.
Diese Problematik hat mittlerweile auch die Fifa erkannt. David Will, der fürs Ticketing zuständige Ehrenpräsident des Weltverbandes, sagt zwar, "es bleibt unser Ziel, dass alle Spiele ausverkauft sein werden." Gleichwohl räumt er ein: "Es wäre sehr dumm von mir zu sagen, dass die weltweite Rezession keinen Einfluss auf die Weltmeisterschaft hätte."
Denkbar ist, dass die Tribünen mit dem günstigen Plätzen stets voll sind. Wenn allerdings weniger wohlhabende Nationen gegeneinander antreten, könnten viele Plätze der teuren Kategorien 1 und 2 frei bleiben. Diese rund zwei Millionen Karten bilden immerhin 64 Prozent des Gesamtkontingents und kosten schon in der Gruppenphase zwischen 87 und 125 Euro. Wer soll sie kaufen?
Eigentlich sieht der Plan vor, dass die Touristen aus dem reichen Europa, aus Amerika und Asien die Billigtickets für Südafrikaner mit ihren teuren Karten subventionieren. Für die WM 2006 in Deutschland kostete die günstigste weltweit erhältliche Eintrittskarte 35 Euro, 2010 müssen alle Nicht-Einheimischen fürs günstigste Spiel 62 Euro bezahlen. Ob diese Rechnung aufgeht, bleibt ungewiss.
Zumal die Preispolitik besonders Afrikaner, die nicht am Kap leben, abschrecken dürfte. Auch sie müssen die teuren Ausländerpreise bezahlen, dabei identifiziert sich der ganze Kontinent mit dieser WM. Viele Besucher aus Simbabwe, Botswana, Namibia, Mozambique oder Angola werden sich aber weder die Karten noch die Reise leisten können. Wie viele europäische Fans, die ihre Samstagnachmittage gewöhnlich auf den Stehplätzen ihrer Lieblingsklubs verbringen.
Südafrika wird diese Leute vermissen, denn das Land muss die enormen Investitionen in die Stadien und die Infrastruktur vor allem über das Ticketing refinanzieren. Allein der Bau und Ausbau der zehn Arenen kostete mehr als 30 Milliarden Rand (2,5 Milliarden Euro) – dreimal mehr als geplant war. Hinzu kommen fast 13 Milliarden Euro, die die Regierung über fünf Jahre verteilt in das Transportwesen investiert. Alle Plätze, die leer bleiben, muss am Ende das Volk bezahlen. Die größten Einnahmen, die teuren Lizenzgebühren für die TV-Übertragungen, kassiert allein die Fifa.
- Datum 24.02.2009 - 14:30 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Davon ist Südafrika überzeugt, und Maskottchen Zakumi, der Leopard mit der grünen Mähne, wird die Botschaft per TV ins letzte afrikanische Dorf tragen. Die Fernsehübertragungen sollen kostenlos sein. So wird sich so mancher mit virtuellen Spielen begnügen müssen. Für alle, die kaum 5 Rand (ca. 40 Eurocent) für das tägliche Sammeltaxi aufbringen können, dürften auch Tickets für 20 USD unerschwinglich sein. Desto lauter wird die Vuvuzela ertönen, die quitschbunte afrikanische Tröte.
Wie sich Südafrika auf die WM vorbereitet und vieles andere mehr über das Land am Kap nachzulesen in meinem Länderporträt: Edith Werner, Südafrika - Ein Land im Umbruch, Ch. Links Verlag, Berlin 2009, 208 S. 16,90 €
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren