Belletristik Mutti seufzte nurSeite 2/2

Welts Bücher sind das Ergebnis einer kreativen Selbstermächtigung. Endlich ist er das Zentrum des Universums. Indem er seinem verbogenen Leben manisch hinterherschreibt, kommt dem plötzlich Bedeutung zu. Dann hat er es wenigstens einmal bewältigt – sprachlich. Strukturell ist die literarische Arbeit seinem Wahn somit gar nicht so unähnlich, auch die Schizophrenie hat ihn zum Helden einer,  wenn auch ziemlich abgedrehten, Story gemacht.

Einen Zusammenhang zwischen seiner Krankheit und dem Schreiben sieht er aber nicht. "Ich beschreibe die Psychose, bin aber beim Schreiben ziemlich normal. Das war früher vielleicht anders. Aber jetzt bin ich ganz ruhig, mag auch an den Tabletten liegen, sicher sogar."

Welt weiß, wovon er spricht. Als er nach einer Weile die Tabletten weglässt, weil die Sedierung zu sehr in sein Leben eingreift und seine Kommunikationsfähigkeit beeinträchtigt, hält er sich selbst für einen Starautor. Er fährt mit der Gewissheit zur Buchmesse, dass er den Nobelpreis gewinnt. Schließlich bricht er in der Küche seiner Eltern zusammen, glaubt "in einer anderen Dimension und in einer anderen Zeit" zu leben. "Ich dachte, vielleicht komme ich aus dieser Zwickmühle heraus, wenn ich den einen Satz sage: Ich will die Mutti ficken. Also sagte ich es. Ich will die Mutti ficken. Meine Mutter war nicht entsetzt. Sie seufzte."

Es ist einfach, Argumente gegen diese ohne Kalkül und ästhetische Prätention, im Akkord getippte Literatur zu finden. Zumal, da der Ich-Erzähler mit seiner Geilheit und seinen Lamenti über verpasste Beischlafgelegenheiten nicht gerade zur Identifikation einlädt. In einer Rezension zu seinem Debüt Peggy Sue hieß es, er sei "oversexed and underfucked". "Da war sicherlich was Wahres dran", schreibt er in Doris hilft.

Fast an jedem Verriss, den man über Welts Werk bisher lesen konnte, ist "was Wahres dran", aber die offensichtlichen Defizite dieser Romane sind gerade ihre Qualität. Welt ist völlig skrupellos gegen sich und andere. Er schreibt auf, was man sonst gern aus Rücksicht auf künstlerische oder moralische Konventionen, aus Scham oder karrieristischen Erwägungen weglässt. Und es gibt auch keine ironische Hintertür, durch die der Leser sich aus dieser Plebejer-Hölle davonstehlen könnte. Das ist das krude Leben, das muss man aushalten. Welt hält es auch nur aus, indem er es sich alle paar Jahre mit einem Buch vom Hals schafft.

 
Leser-Kommentare
  1. "Titten", "ficken", "Schwanz", "sich einen runterholen". Ja, der Mann ist ein Romantiker, ganz ohne Zweifel, und wir sollten ihm alle dafür gratulieren, wieder ein bißchen Niveau in die deutsche Literatur gebracht zu haben.

    Im Ernst: Schade um die Bäume, die für das Papier geopfert werden mußten. Und vergleicht diese Unterschichtautoren bitte nicht mit Georg Büchner, der zwar gleichfalls ein berüchtigtes Ferkel war, aber (1) bei allen seinen Zoten noch geistreich blieb und (2) in allem, was er schrieb, eine wirklich profunde Aussage machte.

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    • Anonym
    • 25.02.2009 um 10:32 Uhr

    habe ich irgendetwas gegen den User Abu Zoff oder seine drastische Ausdrucksweise (ja, ich weiß ... steht alles in Anführungszeichen), aber ... dass Sie seinerzeit meine Benni & Mark Vol. 5 Story "verstümmelten", weil ich in einer Bett-Szene "ein wenig zu deutlich" wurde und andererseits diesen obenstehenden Kommentar #1 ungekürzt lassen ... es läßt sich für mich kaum noch nachvollziehen!

    Gruss
    Knüppel, der manchmal auch die drastische Ausdrucksweise bevorzugt ...

    • geusau
    • 25.02.2009 um 11:06 Uhr

    Wo, bitteschön, ist denn der Vergleich mit Büchner?
    Und was sind Unterschichtautoren? Autoren die aus der Unterschicht kommen und darüber schreiben (da gibt's einige); oder die, die für die Unterschicht schreiben (da gibt's noch mehr)?

    Und braucht es unbedingt immer eine "profunde" Aussage? Das klingt wie: "Was will uns der Dichter damit sagen?"

    Auch wenn die Werke Welts autobiographisch geprägt sein sollten, so müssen sie doch für sich alleine (be-)stehen können.
    Drastische Wortwahl in einem authentischen Kontext ist mir allemal lieber, als geschniegelte Popkultur, die sich an vermeintlich interessanten Oberflächlichkeiten abarbeitet.

    • Anonym
    • 25.02.2009 um 10:32 Uhr

    habe ich irgendetwas gegen den User Abu Zoff oder seine drastische Ausdrucksweise (ja, ich weiß ... steht alles in Anführungszeichen), aber ... dass Sie seinerzeit meine Benni & Mark Vol. 5 Story "verstümmelten", weil ich in einer Bett-Szene "ein wenig zu deutlich" wurde und andererseits diesen obenstehenden Kommentar #1 ungekürzt lassen ... es läßt sich für mich kaum noch nachvollziehen!

    Gruss
    Knüppel, der manchmal auch die drastische Ausdrucksweise bevorzugt ...

    • geusau
    • 25.02.2009 um 11:06 Uhr

    Wo, bitteschön, ist denn der Vergleich mit Büchner?
    Und was sind Unterschichtautoren? Autoren die aus der Unterschicht kommen und darüber schreiben (da gibt's einige); oder die, die für die Unterschicht schreiben (da gibt's noch mehr)?

    Und braucht es unbedingt immer eine "profunde" Aussage? Das klingt wie: "Was will uns der Dichter damit sagen?"

    Auch wenn die Werke Welts autobiographisch geprägt sein sollten, so müssen sie doch für sich alleine (be-)stehen können.
    Drastische Wortwahl in einem authentischen Kontext ist mir allemal lieber, als geschniegelte Popkultur, die sich an vermeintlich interessanten Oberflächlichkeiten abarbeitet.

    • Anonym
    • 25.02.2009 um 10:32 Uhr

    habe ich irgendetwas gegen den User Abu Zoff oder seine drastische Ausdrucksweise (ja, ich weiß ... steht alles in Anführungszeichen), aber ... dass Sie seinerzeit meine Benni & Mark Vol. 5 Story "verstümmelten", weil ich in einer Bett-Szene "ein wenig zu deutlich" wurde und andererseits diesen obenstehenden Kommentar #1 ungekürzt lassen ... es läßt sich für mich kaum noch nachvollziehen!

    Gruss
    Knüppel, der manchmal auch die drastische Ausdrucksweise bevorzugt ...

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    Sehr geehrter Knüppel,
    es handelt sich bei diesen Worten leider um Zitate aus dem Text.
    Mit freundlichen Grüßen,

    Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

    Wie bereits von der Redaktion angemerkt, handelt es sich bei diesem primitiven Sprachduktus um den O-Ton des Autors, dessen Text Gegenstand des Artikels war und genau so auch im Redaktionsbeitrag zu lesen stand. Haben Sie nicht einmal den ursprünglichen Artikel gelesen, bevor Sie zum Angriff übergingen?

    Sehr geehrter Knüppel,
    es handelt sich bei diesen Worten leider um Zitate aus dem Text.
    Mit freundlichen Grüßen,

    Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

    Wie bereits von der Redaktion angemerkt, handelt es sich bei diesem primitiven Sprachduktus um den O-Ton des Autors, dessen Text Gegenstand des Artikels war und genau so auch im Redaktionsbeitrag zu lesen stand. Haben Sie nicht einmal den ursprünglichen Artikel gelesen, bevor Sie zum Angriff übergingen?

  2. 3. Zitat

    Sehr geehrter Knüppel,
    es handelt sich bei diesen Worten leider um Zitate aus dem Text.
    Mit freundlichen Grüßen,

    Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

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    • Anonym
    • 25.02.2009 um 13:02 Uhr

    ein "Wink mit dem Zaunpfahl" und ich kann hier künftig "Ungeheuerlichkeiten" ins Forum stellen, wenn ich sie nur mit "..." als Zitat kenntlich mache?
    Ich glaube, ich sollte langsam mal eine deutlich verschärfte Vol. 6 meiner schwulen Emanzipationsgeschichte "Benni & Mark" in Angriff nehmen ...

    Herzlichen Gruss
    Knüppel ... eigentlich ganz nett

    • Anonym
    • 25.02.2009 um 13:02 Uhr

    ein "Wink mit dem Zaunpfahl" und ich kann hier künftig "Ungeheuerlichkeiten" ins Forum stellen, wenn ich sie nur mit "..." als Zitat kenntlich mache?
    Ich glaube, ich sollte langsam mal eine deutlich verschärfte Vol. 6 meiner schwulen Emanzipationsgeschichte "Benni & Mark" in Angriff nehmen ...

    Herzlichen Gruss
    Knüppel ... eigentlich ganz nett

    • geusau
    • 25.02.2009 um 11:06 Uhr

    Wo, bitteschön, ist denn der Vergleich mit Büchner?
    Und was sind Unterschichtautoren? Autoren die aus der Unterschicht kommen und darüber schreiben (da gibt's einige); oder die, die für die Unterschicht schreiben (da gibt's noch mehr)?

    Und braucht es unbedingt immer eine "profunde" Aussage? Das klingt wie: "Was will uns der Dichter damit sagen?"

    Auch wenn die Werke Welts autobiographisch geprägt sein sollten, so müssen sie doch für sich alleine (be-)stehen können.
    Drastische Wortwahl in einem authentischen Kontext ist mir allemal lieber, als geschniegelte Popkultur, die sich an vermeintlich interessanten Oberflächlichkeiten abarbeitet.

    • geusau
    • 25.02.2009 um 11:21 Uhr

    Ich meinte natürlich "Popliteratur" und nicht "Popkultur"!

    • Anonym
    • 25.02.2009 um 13:02 Uhr

    ein "Wink mit dem Zaunpfahl" und ich kann hier künftig "Ungeheuerlichkeiten" ins Forum stellen, wenn ich sie nur mit "..." als Zitat kenntlich mache?
    Ich glaube, ich sollte langsam mal eine deutlich verschärfte Vol. 6 meiner schwulen Emanzipationsgeschichte "Benni & Mark" in Angriff nehmen ...

    Herzlichen Gruss
    Knüppel ... eigentlich ganz nett

    Antwort auf "Zitat"
  3. Wie bereits von der Redaktion angemerkt, handelt es sich bei diesem primitiven Sprachduktus um den O-Ton des Autors, dessen Text Gegenstand des Artikels war und genau so auch im Redaktionsbeitrag zu lesen stand. Haben Sie nicht einmal den ursprünglichen Artikel gelesen, bevor Sie zum Angriff übergingen?

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