Auktion Kunstliebende im Kaufrausch

Während der Versteigerung der von Yves Saint Laurent gesammelten Kunstobjekte wird ein Rekorderlös nach dem anderen erzielt

Es ist ein hübscher Sessel, hinten ein Drachen drauf, datiert auf die Zeit um 1918, Art déco also. Jetzt war dieses Sesselchen der Höhepunkt einer der spektakulärsten Versteigerungen, die es je von einer Privatsammlung gab. Am Dienstagabend war der von Eileen Gray entworfene Drachensessel für fast mehr als das Zwanzigfache seines Schätzwertes versteigert worden: für 21,9 Millionen Euro. Damit erzielte das Sitzmöbel den zweithöchsten Preis, der jemals bei einer Auktion für ein Möbelstück erzielt wurde.

Im Pariser Grand Palais kommen seit drei Tagen die Stücke der großen Kunstsammlung von Yves Saint Laurent, dem im vergangenen August verstorbenen Modeschöpfers, und seinem Parnter Pierre Bergé unter den Hammer von Christie’s. Über Jahrzehnte hatten sie Gegenstände und Arbeiten aus Asien, Afrika und Europa gesammelt. Ihr Verkauf nun bricht alle Rekorde. Ein Werk von Henri Matisse kam für 35,9 Millionen Euro (einschließlich Aufpreis) unter den Hammer, ein neuer Höchstpreis für ein Werk des französischen Malers. Eine sensationelle Rekordsumme brachte auch die Holzfigur Madame L.R. von Constantin Brancusi, die auf maximal 20 Millionen Euro geschätzt wurde und schließlich für mehr als 29,1 Millionen Euro den Besitzer wechselte. Mehr als den doppelten Schätzpreis brachte eine Farbkomposition von Piet Mondrian: Statt maximal 10 Millionen Euro wurde sie für mehr als 21,5 Millionen Euro gekauft.

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Ein weiteres Glanzlicht war auch die Versteigerung der Goldschmiedearbeiten, mit denen die kunstbesessenen Lebenspartner ihre beiden Pariser Wohnungen schmückten: vergoldete und versilberte Kerzenständer, Gefäße und Trinkpokale. Sie erzielten 19,9 Millionen Euro. Allein für 14 Objekte aus dem Königshaus Hannover zahlten Kunstliebhaber 6,1 Millionen Euro. Woher diese Kunstliebhaber kamen? Wohl nicht nur aus dem Pariser Großraum. Der Privatflughafen Le Bourget war dieser Tage zu 40 Prozent mehr ausgelastet als üblicherweise um diese Jahreszeit.

In China herrschte indes Empörung darüber, dass am Mittwoch zwei chinesische Tierköpfe aus dem 18. Jahrhundert nun doch versteigert werden konnten. Ein Pariser Gericht hatte einen Antrag Chinas, dies zu untersagen , abgelehnt. Die chinesische Regierung beharrt auf der Rückgabe der beiden Bronzefiguren, die französische und britische Truppen während der Plünderung des Sommerpalastes 1860 in Peking erbeutet hatten. Die Auktion widerspreche dem Geist internationaler Konventionen und verletze das chinesische Volk. Das Auktionshaus beharrt indes auf der Korrektheit der Herkunft aller Objekte. Den Wert der beiden Tierköpfe, ein Hase und eine Ratte, schätzt es auf zehn Millionen Euro.

Nicht versteigert wurde am Dienstag das auf 25 bis 30 Millionen Euro geschätzte Stillleben Musikinstrumente auf einem kleinen runden Tisch von Picasso. Pierre Bergé freute es. „Ich bin glücklich, denn ich werde es behalten. Meine Versteigerung hat nicht nur eine unerwartet hohe Verkaufssumme erzielt, ich behalte obendrein einen Picasso.“ Das Geld wird Bergé nicht behalten. Ein Großteil des Auktionserlöses will er der Aidsforschung zugutekommen lassen, den Rest gibt er der Bergé-Stiftung.

 
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