Es ist schon tragisch. Ausgerechnet in Deutschland, dem Land der Shoa, zeigt die Gruppe, die heute selbst Rassismen und Vorurteilen ausgesetzt ist, ihrerseits verstärkt antisemitische Einstellungen. Es sind die muslimischen Migranten.

Die Amadeu Antonio Stiftung hatte vor Kurzem eine Broschüre zu Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft herausgegeben. Hintergrund ist eine Studie des Bundesinnenministeriums aus dem Jahre 2007, die feststellt, dass muslimische Schüler überdurchschnittlich stark zu antisemitischen Vorurteilen tendieren.

Antisemitismus scheint ein beliebtes und unausrottbares böses Spiel zu sein, das unter verschiedenen Vorzeichen stattfinden kann. Neben dem rassistisch bedingten Antisemitismus (die Juden als minderwertige Rasse, die es zu vernichten gilt) und dem religiös motivierten (die Juden als Christusmörder) gibt es einen politischen Antisemitismus, der aufs Engste mit dem Palästinakonflikt verknüpft ist.

Letztere Form ist unter muslimischen Jugendlichen, vor allem arabischer und türkischer Herkunft, weit verbreitet.

Viele Muslime identifizieren sich mit den palästinensischen Glaubensbrüdern, die seit Jahrzehnten in Flüchtlingslagern und in den von Israel besetzten Gebieten jeglicher Hoffnung und Perspektive beraubt leben.

Aus muslimischer Perspektive kristallisiert sich im Nahostkonflikt ein alter Konflikt zwischen einem arrogant und rücksichtslos auftretenden Westen (USA, Europa, Israel) und einem machtlos unterlegenen Orient. Es geht den Muslimen um mehr als um Gebietsansprüche. Daher ist der Konflikt so schwer zu lösen.