Auf der Suche nach Ordnung
Selbsthilfegruppen gehen von mehr als 1,8 Millionen Menschen aus, die hierzulande vom „Messie“-Syndrom betroffen sind. „Mess“ bedeutet auf Englisch „Unordnung“, „Dreck“ oder auch „Schwierigkeiten“. Die Grenze zwischen unordentlichen Menschen und Messies ist fließend. Eine klare Definition gibt es nicht. Dem Syndrom können verschiedene psychische Störungen zugrunde liegen. Es kann sich um eine Zwangskrankheit, eine Störung der Selbstregulation, eine Depression oder Persönlichkeitsstörung handeln. Dass die Zahl der Menschen steigt, die unter diesem Syndrom leiden, ist allerdings auch unserer Alltagskultur zu verdanken: Noch nie war die Herausforderung größer, mit derart vielen Alltagsgegenständen klar zu kommen: Was brauchen wir wirklich? Wer Dinge wegwerfen will, muss deren Bedeutung gewichten können. Das ist keine selbstverständliche Fähigkeit.
- Datum 05.03.2009 - 10:47 Uhr
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Wenn Ordnung das halbe Leben ist, sind Messies gerade in der anderen Hälfte.
Alles in Allem ist es doch wie in der Führungsriege der Politiker und Wirtschaftsbosse. Ist der Vertrag ausgelaufen, herrschen Unordnung, Panik und Chaos. Lakonischer Kommentar: "Meine Arbeit hier ist getan!"
"Messies" sind nicht unordentlich. Die können sich bloß von nichts mehr trennen. Sind unfähig, Entscheidungen darüber zu treffen, was entbehrlich ist.
Was zwangsläufig irgendwann zur Kapitulation vor den Dingen führt.
"Messies" sind nicht unordentlich. Die können sich bloß von nichts mehr trennen. Sind unfähig, Entscheidungen darüber zu treffen, was entbehrlich ist.
Was zwangsläufig irgendwann zur Kapitulation vor den Dingen führt.
"Messies" sind nicht unordentlich. Die können sich bloß von nichts mehr trennen. Sind unfähig, Entscheidungen darüber zu treffen, was entbehrlich ist.
Was zwangsläufig irgendwann zur Kapitulation vor den Dingen führt.
Es könnt' alles so einfach - und ordentlich - sein, isses aber nicht...
Mit der Zunahme der Komplexität - hier im Haushaltsbereich - wird es schwerer, zumindest für manche, noch die Übersicht zu behalten und eben Ordnung zu schaffen bzw. diese aufrechtzuhalten.
(Um die Strang-Frage zu beantworten: Ja, ich habe leider auch solch einen Zug, auch mit fällt es sehr schwer mich von Dingen zu trennen - und es kommen halt immer mehr dazu.)
Jaja, die lieb gewonnenen Dinge können einen schon mal erdrücken.Ich gebe zu, auch ich hab den Hang dazu, wenn da nicht hin und wieder der Drang zur Übersichtlichkeit durchkäme. Der gesuchte und hin und wieder herbei gearbeitete Stolz, vor einem leeren, oder zumindest aufgeräumten Schreibtisch zu sitzen und die Dinge und Aufgabe geordnet zu haben, lässt dann doch ab und zu hoffen, nicht zu dieser Spezie zu gehören. Trotzdem weiß ich um meine Anfälligkeit.
Aber mal ehrlich, wer will denn auf der andern Seite schon in einem Wohnzimmer hocken, in dem alles wirklich auf seinem Platz ist und die Luft noch vom Glasreiniger geschwängert ist. Irgendwo brauch ich meinen großen Zeitungsstapel der jeden Moment umzufallen droht. Auch wenn ich die unteren Schichten schon seit Wochen nicht mehr angefasst hab. Könnte ja sein, ich will nochmal was nachlesen, weil ich bisher noch nicht dazu gekommen bin, obwohl ich jetzt schon weiß, daß das nie der Fall sein wird.
Und da gehts auch schon los mit der Anfälligkeit zum Messi.
Für Menschen, die in allem irgend etwas Verwertbares sehen, haben keine brauchbaren Kriterien mehr für wichtig und unwichtig, für jetzt und später und die Frage wofür entscheidet nicht mehr, weil ihr Leben ohne bewegende Ziele und strukturierende Aufgaben vor sich hinplätschert unterbrochen von Neuigkeiten, die angesammelt werden, weil ihre Bedeutung bedeutungslos geworden ist.
Wenn solche Menschen sich ihrer Qualitäten und ihren Möglichkeiten wieder bewußt werden, dann bekommt die Ordnung in wichtig und unwichtig, jetzt benötigt und wozu und Archiv Bedeutungen , die dem Ordnen wieder einen Sinn geben.
Das Messie-Syndrom ist vergleichbar mit der Flucht in die Zeit der Kindheit, wo alles neue interessant war und erkundet werden wollte, mit dem Unterschied, dass Kinder von der Energie der Forscher angespornt werden, werden die "Messies" sammeln, um sich das lästige Sortieren zu ersparen, wo sie Entscheidungen treffen und eben auch etwas aufgeben müssten.
Bei den Messies sammelt sich die Welt der Dinge und der Aufbruch in die Welt bleibt so mit seinen ganzen Risiken und Anstrengungen solange "erspart", bis die Unordnung nicht mehr auszuhalten ist.
Ich bin vielleicht nicht der typische Fall, habe mich nun auch, mit Unterstützung, intensiv an die Aufräum-Arbeit begeben - ja, die ist eben anstrengend, nicht nur, aber auch geistig. In dieser Zeit würde man schon lieber etwas anderes tun, sei es sich erholen, sei es, das Weltgeschehen zu verfolgen oder hier rumzuschreiben - ja, auch im Internet kann man ja viel Zeit verbringen, und dies durchaus zum eigenen Nutzen.
Bei mir ist es so, dass die Arbeit und das Verfolgen der Politik, aber auch von Wissenschafts- und sonstigen Dingen, auch Unterhaltung wie Kabarett, das bisschen Freizeit fast ganz auffrisst samit letzter geistiger Restkapazität.
Hinzu kommt hier aber, dass ich die Dinge die ich nicht benötige nicht so gern einfach nur in den Müll schmeiße - es aber doch einige, eben noch mehr, Arbeit macht, diese einer weiteren Verwendung zuzuführen. Hat man einen neuen Topf, aus Alu, warum dann die alten Blechtöpfe gleich wegschmeißen, vielleicht braucht man sie ja doch nochmal, oder ein altes Telefon - finde gleich mal einen, der das sofort nimmt und weiternutzt.
Und siehe, es ging auch mal ein Telefon kaputt, und ich war froh, dass ich noch eines hatte. (Habe aber eben drei alte und einen alten Anrufbeantworter!)
Wäre also jemand da, der sagen würde, nehme - und nutze - ich, ich hole es mir ab - dann würde ich dem manches gerne geben. So kann man jedes Brett, jede Schraube, jedes Blech, jeden überzähligen Kochlöffel, irgendwo aufheben - irgendwann könnte man es ja vielleicht nochmal brauchen, oder einfach so einen treffen, der es braucht. Manchmal braucht man es aber eben auch selbst, hat dann aber z.T. Probleme es zu finden -und eben immer zu viele Gegenstände in der Wohnung.
Klar, wenn ich all das, was ich 10 Jahre nicht gebraucht habe, und mit eher geringer Wahrscheinlichkeit nochmal brauchen oder nutzen werde, einfach wegwerfen würde, hätte ich rasch eine übersichtliche Wohnung...!
(Da ich nur sehr bedingt weniger Arbeiten kann, werde ich, nach Herstellung der Grundordnung, mir eine Haushaltshilfe nehmen (müssen), was mir wirklich angenehm aber auch nicht ist - hätte meinen Privatbereich lieber für mich allein. Ich könnte hier ein Sonderfall sein, vermutlich gibt es hier ja auch mehr oder weniger verschiedene Typen, Motiv- bzw. Krisenlagen.)
Vor 100 Jahren hatte man diese Probleme gleichwohl nicht, auch wenn man vielleicht in einer Art Sinnkrise war. Überproduktion führt zur Überkonsumption, und damit, mit den Versuchungen des (Waren-)Marktes und der Rasanz des technischen Fortschrittes auch, kann offenbar nicht jeder so einfach fertig werden, (selbst wenn man ansonsten eigentlich halbweg motiviert ist).
beim lesen dieses artikels dachte ich an eine bekannte, die als unordentlich galt, ihr bereich der wohnung in der sie mit ihrem partner zusammen lebte, war stets unordentlich und unübersichtlich. man hatte sich ja schon gewundert, wie er es mit sooo einer aushalten konnte.
als sie ihn dann verlies, oh, welch ein wandel, war ihre neue wohnung bleibend aufgeräumt und gemütlich.
der naheliegende rückschluß, war, es ginge ihr ohne ihn besser, doch die erklärung war viel simpler. sie hielt ihre sachen absichtlich chaotisch, da sie wußte, daß er in ihren sachen herumstöberte und z.b. auch ihre post las. in dem chaos allerdings war herumschnüffeln kaum effizient ;-)))
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