Die Unabhängigkeit der Notenbank war bislang immer ein zentraler Grundsatz der Geldpolitik, in den USA und in Europa. Das scheint jetzt passé. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) ist zum Erfüllungsgehilfen des Finanzministers verkommen.

Kaum verabschiedet die Regierung Obamas ein neues Hilfspaket, finanziert es die Fed. Ihre Bilanzsumme ist in den vergangenen Wochen explodiert. Sie tut alles, um die Krise einzudämmen – ignoriert aber das Inflationsrisiko, das durch ihre großzügige Hilfspolitik entsteht. Auf kurze Sicht mag eine hohe Inflation tatsächlich weniger wichtig sein. Langfristig aber kann sie die Stabilität der Wirtschaft erst recht gefährden. Indem Fed und US-Regierung das missachten, konterkarieren sie ihre eigenen Rettungsmaßnahmen.

Besonders besorgniserregend: Die Fed ist gerade dabei, ihre in den vergangenen 95 Jahren erarbeitete Unabhängigkeit zu verspielen, unter kräftiger Mithilfe des neuen Finanzministers Timothy Geithner. Er ist ein intimer Kenner der Notenbankpolitik, denn bis vor wenigen Wochen war er der Stellvertreter des Fed-Chefs Ben Bernanke im Offenmarktkomitee, dem Gremium, das die geldpolitischen Entscheidungen trifft.

Jetzt hat Geithner die Seiten gewechselt. Doch offenbar meint er, weiter wie bisher die Politik der Notenbank bestimmen zu können. In dem Land, das so viel auf seine "Checks and Balances"-Regelungen hält, sind die Kontrollen in der Geldpolitik vollkommen entfallen. Das ist fatal.

Die Notenbanken überall auf der Welt waren in den vergangenen Jahrzehnten immer um ihre Unabhängigkeit bemüht. Nur so war es ihnen auf Dauer möglich, die Inflation zu bekämpfen und so Bedingungen zu schaffen, die ein langfristiges Wachstum ermöglichten. Von zweitrangiger Bedeutung war dabei, wie der genaue Auftrag an die Notenbank ausgestaltet war, ob sie beispielsweise ausschließlich der Inflationsbekämpfung verpflichtet war oder zusätzlich auch die Arbeitslosigkeit im Blick behalten musste. Hauptsache war, dass die Inflation nicht außen vor blieb.

Genau das scheint aber angesichts der Krise zu passieren. Geithner ließ die Öffentlichkeit gleich zu Beginn seiner Amtszeit als Finanzminister wissen, dass eine zu frühe geldpolitische Straffung aus seiner Sicht ein Fehler wäre. Frühere Krisen seien nämlich durch zeitige Straffungsmaßnahmen noch verlängert worden. Also soll die Fed nach Geithners Willen eine expansive Geldpolitik betreiben, bis die Karre aus dem Dreck gezogen und auch wieder gereinigt ist.