Fussball-Bundesliga Hertha schleicht zurück auf Platz 1

2:1 gegen Gladbach, Berlin ist wieder Tabellenführer. Schalke bezwingt Schalke. Keine Tore, aber viel Kampf zwischen Dortmund und Hoffenheim - alle Spielberichte vom Samstag

Routinier Pal Dardai war durch sein Tor mitverantwortlich dafür, dass Hertha BSC wieder auf Platz 1 vorrückt

Routinier Pal Dardai war durch sein Tor mitverantwortlich dafür, dass Hertha BSC wieder auf Platz 1 vorrückt

Hertha BSC Berlin–Borussia Mönchengladbach 2:1

Hertha BSC hat die Mini-Erfolgsserie von Borussia Mönchengladbach gestoppt und steht zumindest für einen Tag wieder auf dem Platz an der Sonne. Eine Woche nach der verspielten Tabellenführung gewannen die Berliner gegen Schlusslicht Gladbach mit 2:1 (2:0) und sind mit 43 Punkten erneut Spitze. Mit effektivem und kompromisslosem Fußball schaffte Hertha den neunten Heimsieg in Serie. Der von einer Muskelverletzung rechtzeitig genesene Ukrainer Andrej Woronin (28. Minute) und der Ungar Pal Dardai (44.) trafen am Samstag vor 48.534 Zuschauern im Olympiastadion. Die Gladbacher, die nun sechseinhalb Jahre auf einen Sieg bei Hertha warten, behalten mit 16 Zählern die Rote Laterne. Der Anschluss durch ein Elfmeter-Tor von Michael Bradley (69.) nutzte nichts mehr.

Die Gäste versteckten sich nach der Mini-Erfolgsserie von fünf Punkten in drei Spielen nicht. Auch ohne den nach einem Magen-Darm-Infekt zu geschwächten Routinier Tomas Galasek startete Borussia immer wieder Attacken, denen allerdings die letzte Konsequenz fehlte. Wesentlich zielstrebiger und effektiver zeigten sich die Berliner, bei denen die Handschrift von Favre von Spieltag zu Spieltag deutlicher wird. U-21-Nationalspieler Patrick Ebert steckte kurz vor der Pause den Ball geschickt zu Dardai durch – und der ungarische Dauerkämpfer drückte den Ball ins rechte untere Eck. Wie schon beim 1:0 kam Gladbach-Kapitän Filip Daems den entscheidenden Schritt zu spät. Glück hatten die Gäste sogar, als Torwart Bailly einen Ball aus der Hand direkt auf den Rücken von Rob Friend abschlug, die Kugel aber doch nicht ganz den Weg ins eigene Tor fand (34.).

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Hertha ließ nach der Pause stark nach, Gladbach investierte mehr. Nachdem der eingewechselte Oliver Neuville noch zwei Gelegenheiten verpasst hatte (55., 57.), entschied Schiedsrichter Peter Gagelmann nach einer Abwehr-Grätsche von Arne Friedrich gegen Marin auf Elfmeter. Der US-Amerikaner Bradley verwandelte sicher. Gladbach drängte danach auf den Ausgleich, Marin scheiterte mit einem Freistoß an Jaroslav Drobny (86.). Die größten Chancen vergaben auf der Gegenseite jedoch Raffael (83.), nochmals Woronin (90.) und Waleri Domowtschijski (90.+2).

Borussia Dortmund–TSG Hoffenheim 0:0

Herbstmeister 1899 Hoffenheim verliert im Titelkampf weiter an Boden. Mit einem 0:0 bei Borussia Dortmund verpasste die Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick die Chance, zumindest für einen Tag an Tabellenführer Hamburger SV vorbeizuziehen. Für die Gäste, die noch in der Hinrunde für Furore gesorgt hatten, war es vor 78.800 Zuschauern das vierte sieglose Spiel in Serie. Die Dortmunder müssen nach der neunten Punkteteilung vor heimischer Kulisse weiter auf den ersten Pflichtspiel-Erfolg im neuen Jahr warten. In einer zerfahrenen Schlussphase sah der Hoffenheimer Tobias Weis die Rote Karte, der Dortmunder Sebastian Kehl Gelb-Rot (beide 78.).

Unbeeindruckt von den jüngsten Schlagzeilen über einen verspäteten Dopingtest bei Andreas Ibertsberger und Christoph Janker erspielten sich die Hoffenheimer zumindest in der Anfangsphase leichte Vorteile. Bei einem Freistoß von Sejad Salihovic (11.) und einer gekonnt eingeleiteten Chance von Selim Teber (21.) waren sie der Führung nahe. Allerdings erwies sich die Gäste-Abwehr einmal mehr als anfällig: So vereitelte der für den verletzten Nationalkeeper Timo Hildebrand ins Tor beorderte Daniel Haas einen Rückstand, als er gegen BVB-Angreifer Mohamed Zidan (15.) in höchster Not klärte. Wie so oft in Spielen mit Hoffenheimer Beteiligung entwickelte sich ein unterhaltsamer Schlagabtausch. Dass keine Tore fielen, war vor allem ein Verdienst beider Torhüter. Mit zunehmender Spielzeit fand die durch vier Ausfälle gehandicapte Borussia besser in Spiel, ließ aber im Spiel nach vorn die nötige Präzision und Entschlossenheit vermissen.

Eine kleine Unsicherheit von Torhüter Haas, der einen Fernschuss von Tamas Hajnal (59.) nicht festhalten konnte, sorgte für die erste Aufregung nach Wiederanpfiff. Sonst blieben aufregende Torraumszenen – anders als in der ersten Halbzeit – lange Mangelware. Für den unrühmlichen Höhepunkt der dürftigen zweiten Hälfte sorgten BVB-Kapitän Kehl und Hoffenheims Weis, der nach einer Tätlichkeit an Kehl Rot sah. Kehl wurde wegen wiederholten Foulspiels des Feldes verwiesen. In der Schlussminute verhinderte BVB-Keeper Weidenfeller nach Freistoß von Salihovic den möglichen
Hoffenheimer Sieg.

VfL Bochum–Energie Cottbus 3:2

Im Abstiegskampf wird das Heimstadion für den VfL Bochum wieder zur Bastion. Mit dem 3:2 (1:1) gegen Energie Cottbus gelang der Revier-Elf der dritte Heim-Erfolg in der Rückrunde. In der ersten Saisonhälfte waren die Bochumer auf eigenem Platz noch ohne Sieg geblieben. Vor 18.103 Zuschauern erzielten Joel Epalle in der 12. Minute, Christian Fuchs (54.) und Marc Pfertzel (79./Foulelfmeter) die drei Bochumer Tore, für Cottbus waren Ivica Iliev (2.) und Emil Jula (50.) erfolgreich. Cottbus musste damit nach drei Pflichtspielen die erste Niederlage hinnehmen.

Schon nach knapp 100 Sekunden wurde Bochum kalt erwischt: Iliev erzielte mit einem Schuss aus 14 Metern die Führung. Die Platzherren ließen sich aber nicht schocken und konnten schon zehn Minuten später durch Epalle ausgleichen. Er schob einen Querpass von Christoph Dabrowski zum Ausgleich ins Tor. Dank Energie-Torwart Gerhard Tremmel, der mit einer Glanzparade bei einem herrlichen Schuss von Sestak (25.) den Rückstand verhinderte, blieb es beim 1:1 bis zur Pause.

Nach der Pause wieder das gleiche Spiel: Energie Cottbus ging fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff durch einen Kopfball von Jula nach Flanke von Iliev erneut mit 2:1 in Führung. Doch die Bochumer konnten schnell ausgleichen. Mit einem Freistoß-Traumtor aus gut 18 Metern in den rechten Torwinkel machte Linksverteidiger Fuchs das 2:2. Für die Entscheidung in einer munteren Begegnung zweier Abstiegskandidaten sorgte Pfertzel mit einem sicher verwandelten Foulelfmeter.

Eintracht Frankfurt–Schalke 04 1:2

Der FC Schalke 04 hat einen mühsamen Schritt aus der Krise gemacht, ist aber immer noch nicht reif  für die Teilnahme am internationalen Geschäft. Die Mannschaft von Trainer Fred Rutten landete mit dem 2:1 (1:0) bei Eintracht Frankfurt den zweiten Rückrundensieg. Abwehrspieler Rafinha (39.) und Nationalspieler Heiko Westermann (84.) erzielten vor 51.500 Zuschauern die Tore gegen einen harmlosen Gegner. Michael Fink hatte zwischendurch (81.) zum Ausgleich getroffen. Die Hessen müssen sich nach der 5. Heimniederlage in dieser Saison wieder mit dem Abstiegskampf vertraut machen.

Beim ersten Sieg der Gäste in Frankfurt seit dem 3:0 am 13. März 2000 boten beide Mannschaften eine völlig zerfahrene erste Halbzeit. Schiedsrichter Florian Meyer musste die Partie wegen vieler Nickligkeiten immer wieder unterbrechen. Zudem sorgten viele Fehlpässe auf beiden Seiten dafür, dass wenig Spielfluss aufkam. Im Schalker Mittelfeld bemühte sich der Ex-Frankfurter Jermaine Jones meist vergeblich um Akzente. Auf der Gegenseite war Alexander Meier kaum zu sehen und stand klar im Schatten von Caio. Bei seiner auffälligsten Szene hätte Meier allerdings fast das 1:0 geköpft, Rafinha stand auf der Schalker Torlinie jedoch richtig (17.). Beim 0:1 sah Eintracht-Schlussmann Markus Pröll unglücklich aus, als er einen Schuss von Rafhinha nicht zur Ecke lenken konnte.

Mit der Einwechslung von Ümit Korkmaz und Markus Steinhöfer versuchte Funkel den Frankfurtern noch Auftrieb zu geben. In der 71. Minute vergab dann auch Abwehrspieler Marco Russ die Riesenchance zum Ausgleich, als Neuer aus kurzer Distanz glänzend klärte. Auf Flanke von Fenin köpfte Fink zum unerwarteten 1:1 ein. Nur drei Minuten später gelang auf der Gegenseite gegen eine unsortierte Frankfurter Hintermannschaft Westermann jedoch das gleiche Kunststück.  Damit sicherte der Nationalspieler den Schalker Sieg.

Hannover 96–Bayer Leverkusen 1:0

Hannover 96 ist im Abstiegskampf ein wichtiger Befreiungsschlag gelungen. Durch das verdiente 1:0 (1:0) gegen Bayer Leverkusen verschaffte sich die Mannschaft  Luft in der Gefahrenzone und dem zuletzt heftig kritisierten Trainer Dieter Hecking eine Atempause. Ein Tor von Arnold Bruggink (33. Minute) sorgte für den Heimsieg gegen Leverkusen. Vor 32.337 Zuschauern wurde die Werkself ihrem Ruf als bestes Auswärtsteam nicht gerecht und verlor im Titelkampf wertvollen Boden.

Schon vor dem Anpfiff hatte 96-Clubchef Martin Kind seinem Trainer im Radio eine Jobgarantie gegeben. "Wir spielen nächste Woche in München mit Hecking, auch wenn wir gegen Leverkusen verlieren“, erklärte Kind. Das Vertrauen, das er in den Coach und die Mannschaft setzte, zahlten die 96-Profis mit einer engagierten Leistung zurück. Von Beginn an übten die Gastgeber viel Druck auf die nicht immer sattelfeste Bayer-Abwehr aus. Leverkusens Torwart Rene Adler verhinderte nach 19 Minuten mit einem Reflex gegen Jan Schlaudraff einen frühen Rückstand. Die erste Gäste-Chance gab es nach 24 Minuten, und als Stefan Kießling (32.) Enke zu einer Rettungstat zwang, schien das Spiel zu kippen. Doch fast im Gegenzug traf Bruggink nach kluger Vorarbeit von Schlaudraff – es war sein erstes Saisontor.

Leverkusens Trainer Bruno Labbadia musste die Viererkette ändern. Für die gesperrten Castro und Henrique spielten Hans Sarpei und Lukas Sinkiewicz. Die Mannschaft verstärkte zwar nach dem Wechsel die Angriffsbemühungen, leistete sich aber zu viele Ungenauigkeiten. Von Torjäger Patrick Helmes ging selten Gefahr aus. Er konnte sich gegen den guten Innenverteidiger Christian Schulz nicht durchsetzen. Bei seiner besten Chance verfehlte Helmes (79.) kläglich das Tor. Die Einwechslung des früheren Bayern-Profis Toni Kroos (78.) leitete eine stürmische Leverkusener Schlussoffensive ein, doch Hannover 96 verteidigte mit Glück und Geschick den knappen Vorsprung.

1. FC Köln - Arminia Bielefeld 1:1

Die tollen Fußball-Tage sind für den 1. FC Köln vorbei. Sechs Tage nach dem 2:1-Sensationssieg bei Rekordmeister Bayern München konnte der couragierte Aufsteiger nicht nachlegen und seinen Fans nur ein 1:1 (1:1) gegen Arminia Bielefeld bieten. Petit brachte die nur in der ersten halben Stunde überlegenen Rheinländer in der 14. Minute in Führung, beim Ausgleich der Ostwestfalen bestrafte Chris Katongo einen missglückten Rückpass von Miso Brecko rigoros (43.). Vor 47.500 Zuschauern hielt zumindest eine beeindruckende Serie: Seit sechs Spielen ist die Mannschaft von Trainer Christoph Daum nun schon ungeschlagen.

"Das war Samstag, Sonntag und Montag der kollektive Vollrausch. Das war ein Bad in der Menge – wir wären sicher in jedes Amt gewählt worden", hatte Daum vor dem Spiel gesagt. Doch das Remis war schließlich gerecht, weil Bielefeld die Partie nach der Pause mit taktischer Cleverness und geschicktem Defensivverhalten offener gestaltete. Die auswärtsschwachen Gäste (erst ein Sieg in zwölf Spielen) steigerten sich deutlich und verdienten sich den Auswärtspunkt redlich.

Die erste Viertelstunde war noch nicht ganz vorbei, da flippten die Kölner Fans aus: Der stark aufspielende Petit nutzte gleich die erste Chance zu seinem dritten Saisontor. Nach präziser Flanke von Fabrice Ehret stieg der Portugiese am Elfmeterpunkt hoch – gegen den gut getimten Kopfball war Bielefelds Torhüter Dennis Eilhoff machtlos. Schon beim nächsten Angriff lag das 2:0 in der Luft, doch Kölns Torjäger vom Dienst, Milivoje Novakovic, und Nemanja Vucicevic blieben erfolglos (17.). Beim Ausgleichstreffer schaltete Katongo blitzschnell und zirkelte den "geschenkten" Ball aus knapp zwanzig Metern  in die untere rechte Torecke – Kölns Keeper Faryd Mandragon war machtlos.

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 28.02.2009 um 19:06 Uhr

    Berlin, hmmmm - magnificamente !

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