Bundesliga-Spielplan
Politiker kritisieren den Profi-Fußball
Sportpolitiker haben im Bundestag die geplanten Änderungen am Spielplan der Bundesliga angeprangert. Der neue Fernsehplan sei amateur- und familienfeindlich
Die neuen Anstoßzeiten im deutschen Profi-Fußball geraten weiter in die öffentliche Kritik. Nach den Demonstrationen und Protesten in den Amateurklassen hat auch der Sportausschuss des Bundestags ungewohnt heftig auf die geplanten Änderungen ab der kommenden Saison regiert. "Das schlägt dem Fass den Boden aus", sagte der stellvertretende Ausschuss-Vorsitzende Peter Rauen und betonte: "Zum ersten Mal gibt es das Gefühl, dass die Solidarität im deutschen Fußball nicht mehr existiert und aufgekündigt wurde." FDP-Politiker Joachim Günther nannte die neuen Anstoßzeiten in der 1. und 2. Liga, die durch den neuen Fernseh-Vertrag von der nächsten Saison an gelten, "amateurfeindlich und auch familienfeindlich". Von Freitag bis Montag wird es ab der kommenden Saison neun verschiedene Spieltermine geben.
"Wir wollen den Sonntagnachmittag frei, damit wir selbst unsere Existenz sichern können", sagte Reiner Grundmann, Vorsitzender des Kreisliga-Vereins SC Schaffrath, vor dem Sportausschuss. Die Amateurvereine müssten feststellen, "wie rücksichtslos die Vertragspartner vorgegangen sind". Vor allem durch das Sonntagsspiel der Bundesliga um 15.30 Uhr würden den kleinen Klubs Zuschauer, Einnahmen und das Vereinsleben an sich verloren gehen. "Das Schlimmste: Uns werden auch die Spieler ausgehen", argumentierte Grundmann und erhielt die volle Zustimmung der Politik. "Unsere Wahrnehmung ist, dass im Moment ein Flächenbrand entsteht", sagte der Sportausschuss-Vorsitzende Peter Danckert mit Hinweis auf die möglichen Auswirkungen.
Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) verteidigte die neuen Verträge, die der DFL von der kommenden Spielzeit an 412 Millionen Euro bringen. Derzeit werden durch die TV-Vermarktung der 1. und 2. Bundesliga 409 Millionen Euro erlöst. "Es sind weniger Sonntagsspiele als jetzt, das hat auch regionale Effekte", verwies Seifert auf die Reduzierung der Sonntags-Spiele der 2. Bundesliga von derzeit fünf auf drei Partien. Zudem würde die Bundesliga auch die Winterpause verkürzen. "Wir sprechen von 20 bis 25 Spielen im Jahr, das sind sieben bis acht Prozent", sagte Seifert und verwies auf die umfangreiche finanzielle Unterstützung des Amateurbereichs auf Basis des Grundlagen-Vertrags mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB), der zum 1. Juli dieses Jahres verlängert werden muss.
DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach sieht bei allem Verständnis für die Amateur-Interessen "keine Alternativen" für die Fortsetzung des eingeschlagenen Kurses auch in der Bundesliga: "Man muss die Balance zwischen Basis und Spitze finden, da müssen an irgendeiner Stelle Kompromisse gemacht werden." In anderen Regionen des Landes würden die Proteste der Amateurklubs zudem "gar nicht" existieren. CDU-Politiker Rauen, der früher Vorsitzender des Ex-Zweitligisten FSV Salmrohr war, sieht das anders: "Das Thema brennt, es ist kein Thema nur für den Raum Gelsenkirchen." Im Westen hatten sich zuletzt die Proteste gegen die Ausweitung des Bundesliga-Spieltags konzentriert.
Die Pläne der DFL werden neben den Amateurvereinen auch von den sportpolitischen Sprechern der großen Parteien kritisiert. Peter Danckert sprach vor der Sitzung bereits von "einer bedauerlichen Entwicklung". Die DFL habe überzogen. Der absehbare Effekt sei ein zurückgehendes Interesse an den Spielen der unteren Ligen.
Noch glaubt Danckert allerdings an eine bessere Alternative: "Vor einer endgültigen Lösung hätte man mit Vertretern der Amateurvereine reden müssen. Ich hoffe, dass ein von allen Seiten akzeptierter Kompromiss gefunden wird." Auch der Grünen-Sportpolitiker Winfried Hermann warnt: "Der Fußball organisiert sich selbst seinen GAU. Es werden unglaublich viele schlechte Spiele breit übertragen. Das produziert Überdruss. So etwas kann nicht gut gehen. Eine Selbstbeschränkung wäre deshalb für alle Seiten das Beste." Der sportpolitische Sprecher der Union, Klaus Riegert, sagte: "Die Profivereine nehmen den Amateuren die Luft."
- Datum 4.3.2009 - 18:30 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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